Die Glücksente

2011-02-24 Dreamlines GlücksenteDie Glücksente watschelt durch ein Märchen, geschrieben nach einer chinesischen Speisekarte:Ein bißchen chinesische Musik > 古箏-周杰倫 Jay chou 牛仔好忙 青花瓷 …
Begleitest Du mich? Ich möchte mit Dir auf einem Phantasieboot eine Orientreise erleben.
Zuerst segeln wir hinaus auf den Ozean, lauschen der Melodie des Meeres, die leise vom Grund des Meeres aufsteigt, lassen uns treiben, bis wir den schillernden Regenbogen passieren, wo uns der Glücksfisch erwartet,  um uns in das Land der Aquarellfarben und des Dschingis-Khan zu führen, dessen Ruhm von Freund und Feind besungen wurde, und wo es Märchen gibt, in denen ein sogar ein chinesischer Kaiser vorkommen kann, so wie in diesem hier:

Ein Kaiser hatte einst jede Nacht schwere Träume gehabt und wollte nie wieder schlafen gehen, denn sobald er die Augen schloß, kamen schon die häßlichen Bilder und versuchten, ihn in die Traumwelt zu hineinzuziehen. Er wurde aber immer müder und müder, da war es gut, daß die Mandarine und Bonzen genau wußten, was sie wollten und ihn nicht unbedingt benötigten.

So wanderte er eines Tages in seinem Garten herum und traf dort auf ein Kind, das mit Lycheekernen spielte.
Er sprach das Mädchen an und bat es, ihm von seinem Tageslauf zu erzählen. Besonders interessierte ihn der Abend. Er erfuhr, daß die Mutter dem Mädchen immer eine Gutenachtgeschichte erzählte, damit es schöne Träume bekäme.
Er ließ sich einige davon erzählen und seufzte dann sehnsüchtig, weil er niemanden hatte, den er darum bitten konnte, ja : nicht einmal befehlen konnte man so etwas. Dann würde die Geschichte ja nicht schön werden.

Das Kind sagte: „Du kannst doch jeden Tag hierherkommen – dann erzähle ich dir meine Gutenachtgeschichte vom Vortag, und du hast dann eine Geschichte für den Abend, an die du vor dem Einschlafen denken kannst.“
Und so geschah es. Das Kind wurde des Kaisers kleine Freundin, was auch bald für sie als ein Ehrentitel bei Hof eingeführt wurde, damit die Bonzen sie jederzeit zum Kaiser lassen müßten, ob ihnen das in die Staatsgeschäfte paßte oder nicht.

Eines Tages hatte des Kaisers kleine Freundin wieder einmal Appetit auf Lychees und lief darum in den Garten hinter dem kaiserlichen Pavillon, um dort die Früchte frisch vom Baum zu pflücken, denn dann waren sie am lustigsten zu essen, wenn man sie erst aus ihrer drolligen rosa Schale holen mußte, so daß einem der Saft über die Finger lief.
Voller Vorfreude öffnete sie die Gartenpforte und sah im grünen Gras eine weiße Ente im Obstgarten sitzen.

„Nanu,“ rief das Kind, „wer bist denn du?“
„Quakquak,“ schnatterte die Ente erschrocken. „Bitte sei nicht böse, aber ich verstecke mich hier.“
„Warum versteckst du dich hier, Ente?“ fragte des Kaisers kleine Freundin.
„Quakquak,“ antwortete die Ente, „ich wollte nicht sterben.“ Sie seufzte. „Einst war ich eine Ente im Glück, ich war des Bauern Liebling. Meine beste Freundin war ein Huhn. Es war zwar nur ein einfaches Huhn vom Lande, aber ein fröhliches und glückliches Huhn. Wir hatten eine schöne Zeit und andere gute Freunde, da waren auch das neugierige Schwein und das zufriedene Rind, und so waren wir zu viert: Huhn Schwein, Rind und ich, Ente, und wir hatten es gut auf dem Bauernhof. Bis eines Tages das Schreckliche geschah … “
„Oh, arme Ente,“ rief das Mädchen aus. „Erzähle doch.“

Die Ente fuhr also fort: „Eines Morgens waren wir alle miteinander auf der Wiese neben dem Gemüsegarten und machten unser tägliches Tai-Ji, da hörten wir mit an, wie sich der Bauer und seine Frau bei der Arbeit unterhielten. Die wußten ja nicht, daß wir sie verstehen, und so sprachen sie laut über die Bohnen und Kohlköpfe hinweg über die bevorstehende Hochzeitsfeier ihrer ältesten Tochter.“

Während des Kaisers kleine Freundin noch lächelnd versuchte, sich eine Ente, eine Kuh, ein Schwein und ein Huhn beim Tai-ji vorzustellen, sagte die Ente mit zitternder Stimme: „Hast du eine Ahnung, was alles dazugehört zu einer Chinesischen Bauernhochzeit ?“
Das Mädchen versuchte zu raten und zählte auf: „Musik, Tanz… “
„Ja, aber was noch?“ drängte die Ente.
„Essen und Trinken?“
„Genau,“ schnatterte die Ente aufgeregt, „und uns bereitete Sorgen, was die beiden Alten für das Hochzeitsmahl planten. Zuerst sollte es gemischten Salat geben. Das wäre ja nicht schlimm, den mag ich selbst auch gern. Aber dann,“ plusterte sie sich entrüstet,“ dann sagte die Bäuerin plötzlich: ‚Sojasprossen mit Geflügelfleisch!‘ Weißt du, was das bedeutet hätte?“
In Erinnerung dran machte sich die Ente ganz klein und flüsterte mit entsetzensgeweiteten Augen: „Ente auf dem Scheiterhaufen – sie wollten mich grillen. Mich und das Huhn. Weil Fischfilet vielleicht nicht genug zu bekommen wäre. Brrr!“ Sie schüttelte sich.
„Oh, wie schrecklich“ sagte mitfühlend des Kaisers kleine Freundin.

Die Ente nickte und fuhr fort: „Das gebratene Gemüse sollte dann das Ende bedeuten für das Schwein und das Rind. Sie sagten, zuerst müsse das Rind auf den Scheiterhaufen, denn das brauche so lange, bis es durch wäre, und auch das Schwein auf dem Scheiterhaufen bräuchte viel länger als eine Ente und ein Huhn …“
Mit Grauen in der Stimme berichtete die Ente, wie das Bauernpaar, während es die Gemüsepflanzen hackte und wässerte, besprochen hatte, wieviel Holz man wohl für die Zubereitung des Hochzeitsschmauses, das Grillfeuer also, brauchen würde, und während sie darüber stritten, wen sie alles einladen müßten, hatten sich das Huhn, das Rind, das Schwein und die Ente vom Hof geschlichen und waren auf- und davongelaufen.

„Wo sind denn deine Freunde jetzt?“ fragte des Kaisers kleine Freundin.
„Sie verstecken sich,“ quakte die Ente.
„Wo denn? Ich will euch helfen und verspreche, daß euch nichts geschehen soll.“
Die Ente schielte etwas verlegen über ihren gelben Schnabel und quakte leise: „Hinter dir. Sie haben zugehört.“

Des Kaisers kleine Freundin drehte sich um, und da standen die entflohenen Tiere und machten ängstliche Gesichter.
Das Kind streichelte allen über ihre Nasen und Schnäbel und versprach, gleich in den kaiserlichen Pavillon zurückzulaufen, um den Kaiser zu bitten, die Tiere im kaiserlichen Garten bleiben zu lassen.
Angstvoll blickten sie ihr hinterher, das Rind, das Schwein, das Huhn und die Ente.

Sie mußten nicht allzulange warten, da kehrte des Kaisers kleine Freundin mitsamt dem Kaiser und vier leuchtendroten Schleifenbändern zurück.
Der Kaiser legte jedem der Tiere eines der roten Bänder um den Hals und sprach jedes einzeln an: „Ich ernenne dich hiermit zum Kaiserlichen Glücksrind,“ sagte er zum Rind, das Schwein wurde zum „Kaiserlichen Glücksschwein, “ das Huhn nannte er „Kaiserliches Glückliches Huhn“, und auch die „Kaiserliche Ente im Glück“ bekam ihr rotes Band und ihren Titel.

Jeden Tag trafen sie sich im Obstgarten, um der kaiserlichen Gutenachtgeschichte zu lauschen, die sich eigentlich die Mutter der kleinen Freundin des Kaisers am Abend zuvor ausdachte. Aber sie wollte nicht „Kaiserliche Gutenachtgeschichtenausdenkerin“ genannt werden, und darum hat das auch bis heute niemand erfahren.
Des Kaisers kleine Freundin fand allerdings ihren Namen auch zu lang und bat ihren kaiserlichen großen Freund, sich eine neue Anrede für sie auszudenken. Der Kaiser nannte sie lächelnd: „Lychee“.

So lebten sie alle glücklich und zufrieden. Wir aber sollten jetzt daran denken, wieder in unserem Phantasieboot zurückzusegeln, nachhause. Ich habe außerdem Appetit auf Großgarnelen nach Szechuan Art.


nach der Idee von Ery aus der Chinesischen Speisekarte (Abbildung > Ery’s Space) Zutatenliste: Pavillon / Orientreise / Des Bauern Liebling / Glücksrind /Dschingis-Khan / Rind auf dem Scheiterhaufen / Glücksfisch / Freund und Feind / Fischfilet / Melodie des Meeres / Tai-Ji / Vom Grund des Meeres / Großgarnelen nach Szechuan-Art / Des Kaisers kleine Freundin / Glücksschwein / Neugieriges Schwein / Schwein auf dem Scheiterhaufen / Huhn vom Lande / Glückliches Huhn / Ente vom Hof / Ente im Glück / Ente im Obstgarten / Ente auf dem Scheiterhaufen / Schillernder Regenbogen / Gemischter Salat / Gemüsegarten / Gebratenes Gemüse / Sojasprossen / Chinesische Bauernhochzeit / Lychees

3 Gedanken zu “Die Glücksente

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.