Liberty (Freiheit) und Drachendämmerung, Magie, Mythos und irgendwas über den Mond

 

Liberty trat leise aus den Wolken heraus, breitete ihre Flügel aus und erhob sich in die Lüfte. Weisse Federn spreizten sich, und das Sonnenlicht umstrahlte sie, während sie durch klares Himmelsblau und Dämmerlicht dahinsegelte, bis sie den Drachen gefunden hatte. Sie zwickte ihn in die Schnauze.
Ein gedämpftes Rumpeln und eine Rauchwolke kündeten davon, daß der Drache langsam erwachte. Zuerst öffnete sich ein rotes Auge, um Liberty anzusehen, dann ein zweites. Der Drache lächelte schließlich und wedelte mit dem Schwanz – eigentlich wandt und schlug er ihn durch seine Höhle.
Liberty faltete ihre Flügel zusammen und rieb sich ihren rechten Ellbogen, während sie den Drachen anlächelte und sagte: „Drache, hast du in der vergangenen Nacht die Mondfinsternis gesehen? Es war so großartig, so unvergeßlich.“
Der Drache richtete sich auf, wischte sich den Schlaf aus den Augen und nahm einen Schluck Drachentrunk, um seine Kehle zu glätten, dann sagte er: „Natürlich habe ich die Mondfinsternis gesehen, immerhin war ich es, der den Mond rot werden ließ!“ Eine kleine Rauchwolke begleitete seine Worte als Zeichen seiner Mißbilligung, mehr kindisch als mit drachischer Würde.
Liberty entgegnete: „Du dummer Drache, das warst doch nicht du; du hattest nichts mit der Verfinsterung oder der Farbe des Mondes zu tun. Die gute alte Zeit ist vorüber,“ sagte sie sanft aber bestimmt.
Der Drache zog seine Klauen ein, schlug die Augen nieder und ganz leise zuckte sein Schwanz. Einige Augenblicke schwieg er und starrte hinaus in den Sternenhimmel.
Liberty stand einfach da, legte eine Hand auf seinen Kopf, fuhr einer Augenbraue nach und tätschelte ihn dann freundlich, als wäre er ein alter Hund.
Die ewige Band ihrer Liebe tat ihm wohl und in seinen Augen glitzerte es, als er sagte: „Ja, ich weiß, die gute alte Zeit ist dahin, darum schlummere ich ja so viel. Du aber siehst so gut aus wie nie zuvor! Doch warum reibst du deinen Ellbogen?“
Der Drache nahm noch einen Schluck Drachentrunk, während Liberty lächelnd atwortete: „Es ist nichts, es schmerzt nur ein wenig vom Halten der Fackel, aber reden wir später darüber.“ So sprach sie und rückte näher an den Drachen heran, so daß sie beim Sitzen je einen Flügel und einen Arm um ihn legen konnte. So saßen sie ruhig, Kopf an Kopf geschmiegt, während Welten und Worte um sie herumkreisten. Die Erinnerung an die gute alte Zeit und Gedanken an neue Welten verdrängten das Jetzt. Oh ja, die Erinnerungen! Liberty und der Drachen tanzten zusammen mit den „Lords und Ladies“, den Engeln, Feen und Elfen, den Geistern des Waldes, der Berge, der Felsen, Flüsse, Meere und all den Irrlichtern und Elmsfeuern, die die Nächte und Vorstellungen erleuchten. So war es immer gewesen und würde es immer sein …
Da streckte der Drache lächelnd seine Hand aus und sagte: „Schere, Stein, Papier?“
Liberty lachte laut auf, ein Lachen, so klar und süß, daß es widerhallte in allem was war.
Während sie ihren Ellbogen rieb, blickte sie den Drachen an und sagte mit einem Lächeln: „Liebster Drachen, es steht irgendwo geschrieben, am Anfang sei das Wort gewesen. Das Wort war es, was uns in den menschlichen Geistern zum Leben erweckt hat. So konnten wir wiederum der Menschheit Schönheit und Heilkräfte durch die Magie der Märchen schenken, Dichtung und Kunst, den Traum von anderen Welten und der Schönheit in allem.“
Da saßen sie nun beide in tiefes Schweigen versunken und in die Betrachtung des traurigen Zustands der menschlichen Geschichte. All der Terror, die Kriege, Hungersnöte und Gier, Katastrophen und Seuchen, menschliche Grausamkeit gegen Seinesgleichen, das Vergewaltigen und Zerstören des Planeten Erde, das vieles davon erst hervorgerufen hatte. Das Leben: etwas so Süßes, Heiliges – Wunsch, Traum.
Liberty seuzte und sprach: „Mein Ellbogen schmerzt mich so vom Hochhalten der Fackel,“ und sie weinte in den Armen des Drachen.
Der Drache trocknete ihre Tränen und sagte: „Liebe Liberty, auch wenn sie uns für die Dummheiten in ihrem Leben nicht brauchen, brauchen sie uns doch immer, um ihnen mit der Magie der Märchen die Schönheit und das Großartige in allem zu zeigen.
„Ja, dort wird es uns immer geben.“ So breitete Liberty ihre Flügel aus und schwebte mit einem Lied der Freiheit empor, und sie hielt die Fackel hoch, damit alle ihr Licht weithin sehen sollten.

Die Schönheit der Märchen sollte genausoviel wert sein wie die Wirklichkeit. Wir brauchen Geschichten und Vorstellungen, die mehr sind, als bloße Unterhaltung. Wir haben diese Gabe des Wortes bekommen, und den Wunsch, diese Gabe zu teilen, denn sie ist der größte Schatz für unsere Zukunft.Dieses Märchen ist nicht von mir erfunden, sondern nur aus dem Englischen übersetzt.

> Original von Stephen Craig Rowe : „LIBERTY AND DRAGON-ECLIPSE, MAGIC, MYTH AND SOMETHING ABOUT THE MOON“ 

5 Gedanken zu “Liberty (Freiheit) und Drachendämmerung, Magie, Mythos und irgendwas über den Mond

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