Servus und baba, Thomas!

 
Ich habe Thomas endlich rausgeschmissen.
Das wollte ich schon lange. Gut, nach so vielen gemeinsamen Jahren hat man Hemmungen.
Mein Vater war seinerzeit ein großer Befürworter von Thomas gewesen, dagegen war meine Mutter nie so ganz überzeugt und begeistert, trotz der ganzen Rosen. Daß es aber, trotz der zahlreichen Veränderungen unserer aller Lebensumstände, so lange mit uns dauern würde, hatten wohl beide nicht erwartet.
Aber heute war es soweit:  wer mit fast 50 Jahren nur blöd herumsteht, dachte ich, der ist dran, und machte einen Plan. Zugegebenermaßen: einen gewalttätigen. Vielleicht hätte eine andere Thomas genommen, aber ich wollte das nicht.
Es geschah in der Küche. Typisch Frau, oder? Aber darüber können wir uns ein anderes Mal unterhalten: lass mich weiterschreiben, bevor ich mich anders besinne, eine so dumme Geschichte zu erzählen.
Nun, es war improvisiert, weil so spontan, aber mit dem Gefühl, mich endlich von einem langjährigen Albtraum befreien zu  können, schlug ich zu.
Das Geräusch war häßlich und anfangs fühlte ich mich noch zögerlich und gehemmt, dann spürte ich die wachsende Überzeugung, daß es richtig war, und schließlich wich auch das letzte Restchen Reue einer großen Erleichterung.
Als ich fertig war, paßten die zahlreichen Teile von Thomas prima in einen normalen Müllsack. 
Den trug ich hinaus zur Garage und warf ihn auf den Anhänger, zu dem Haufen von Gartenabfällen, die demnächst zum Müllplatz gefahren werden sollten, ging wieder ins Haus und beseitigte die Spuren.
Ich dachte einen Moment an meine Mutter. Ihr hätte so ein Befreiungsschlag auch gefallen, glaube ich.
Sie hatte sich nie getraut.
Endlich wieder Platz im Geschirrschrank.
 
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8 Gedanken zu “Servus und baba, Thomas!

  1. Also mein Thomas steht noch im Schrank. Allerdings ist es auch mein erstes selbstangefangenes Sammelgeschirr… …Family blue, ganz ohne Rosen und, wie ich finde, vollkommen zeitlos. Nachdem man nun nichts mehr davon nachkaufen kann und es schon diverse Teller und Tassen aus versehen zerlegt hat, ist eigentlich zu überdenken, mal etwas neues auszusuchen. Hmmmmmm… …will nicht… 😦 …allerdings kann ich so etwas nachvollziehen. Als ich damals von zu Hause auszog habe ich als erstes die geblümten Frotteehandtücher zerschnitten und mir schicke einfarbige gekauft. War auch so eine Loslösung…

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  2. hm, wenn es mein altes gewesen wäre, wäre es vielleicht sogar schon eher soweit gewesen, Thomas rauszuwerfen, aber es war sozusagen Sonntags-Kindheitserinnerung, und da mußte ich erst ein bißchen Abstand bekommen, bevor ich mir z.B. selbst ehrlich beantworten konnte: wie toll waren die Sonntage eigentlich, bei denen Thomas dabei war?

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  3. @ Harry – außerdem hat die Kanne gekleckert und deswegen war so ein kleiner rosa Plastikplastikschmetterling mit einem Schaumgummiröllchen auf einem Gummiband um die Tülle … ähm … nein, oder?

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  4. Hi Fee,Erstens: Bis zum letzen wort hatte Ich geglaubt das Thomas deine mann war!!! lol …Nur nach ich hatte geschaut das Thomas Kuechen geschirr war …lol…super Schreibungs Style…Danke dir auch fuer die link von Puzzle..Sie hat sehr schoene bilder…@ your response to my blog post: I’m touched by your concern…and now luckily it isn’t cancer…It’s some sort of infection and I’m on medication for it…It’s great to know that your mom lived a full and healthy life… it’s also some sort of reassurance… thanks for sharing yours and her experience with me…makes me feel a lot better…

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