Wen? Wie jetzt?

20 /100 aus der > „100 Fragen“-Pralinenschachtel

20. Frage: „Wenn Du jemanden treffen könntest, wer wäre das?“
– solche Fragen kommen in den standardisierten Interviews vor, wie sie am Wochenende in den Feuilletonbeilagen größerer Tageszeitungen zu finden sind: darin offenbart jede Woche eine andere Medienbekanntheit z.B., welcher lebenden, verstorbenen oder literarischen Persönlichkeit sie begegnen möchte. Als Leser kann man sich positionieren: Ja, ich auch! oder Joah – warum nicht? oder Nee, echt nicht! Das bietet angenehme Unterhaltung beim Sonntagsfrühstück: „Du, guck mal, die sagt doch tatsächlich, sie würde gern mal XYZ treffen. Würd‘ ich ja nie wollen – der ist doch laaaangweilig! dann lieber den ABC, der hat …viel mehr Kohle. Sex-Appeal. Einfluss. … hat was.“ – Bücher und Filme verwenden gern Zeitreisen oder Sprünge in Romane hinein, so daß es zu Begegnungen in Form echter Erlebnisse mit historischen oder literarischen Figuren kommt: Woody Allen läßt in „Intermezzo mit Kugelmass / The Kugelmass Episode“ seine literarische Figur, den Altphilologen Prof. Kugelmass, gemäß dessen Wunsch nach erotischer Romantik der Flaubert’schen Mme Bovary begegnen, sehr zur Verwunderung der Leser des Romans – zum Auf-dem-Teppich-liegen-und-mit-den Füssen-Strampeln komisch! Fazit: lieber doch nicht. – Mel Brooks‘ „Die verrückte Geschichte der Welt / History of the World, Part I“ spielt im ganz großen Rahmen damit herum, Cäsar, Jesus, Ludwig XVI.; mich selbst habe ich aber noch nie dabei erwischt, mir so eine Gelegenheit zu wünschen, auch nicht als Kind, in ein Märchen hinein oder ähnliches. Die haben wir nur nachgespielt. Es ist einfach nicht dasselbe, wenn das edle Pferd ein Zweig mit grünen Blättern ist, und der Prinz ein Mädchen. Eher habe ich mir Unwirkliches zu treffen vorgestellt, etwa dieser Art: Würde sich ein kleiner, geflügelter Drachen auf der Hand sehr anders anfühlen als mein Wellensittich? Damals habe ich auch das Foto meines mir unbekannten Großvaters auf der Anrichte meiner Oma so lange angeguckt, bis er zurückguckte und noch ein bißchen mehr lächelte …
Kompliziertdenkmodus-aus, neuer Ansatz: Treffen … Ja! In Moorfleet mit meinem Einkaufswagen voller Weihnachtspapierrollen, Teelichter, schwedischer Kekse und Gedöns gegen den von Tina zu dotzen, oder von jemand anderem, der mir bisher nur als Flachbild bekannt ist: das fände ich interessanter als gegen den von George Clooney. 😀

 

24 Gedanken zu “Wen? Wie jetzt?

  1. Soll ich mal schreiben, was ich beim Lesen so gedacht hab?? hm, ob sie beim Sonntagsfrühstück denn auch immer die Wahrheit sagt? ich selbst – oh, da fällt mir ein – zweitesselbst ^^ – hab mir zumindest früher gern vorgestellt, mal der oder der zu sein. auch wenn mir das nicht so bewußt war. aber wenn ich den nachm Western oder so später auf der Straße gefragt wurde, wie gehst Du denn?? war das schon klar (H) vermutlich aber nur gewöhnliche Allmachtsphantasien. und heutzutage beim Spielen isses eh so: Am besten spielts sich, wenn ich mit meinem Spielcharakter verschmelze, sozusagen Eins werde!! dh ohne ohne zweitesselbst ^^

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  2. Wirklich sehr verwirrend das Ganze – ergo reduzier ich das jetzt einfach mal auf den letzten fetten Satz und gebe dir recht. Auch wenn bei dir und Tina die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer ist als bei allen anderen Flachbild-Gesichtern 😉

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