Bongo – 2 Jahre her: der 27. September 2009

2 Jahre ist es her, fast auf die Stunde genau, daß ich ein Zuhause bekommen habe, und das war so: Puzzle hatte mich auf der Webseite gesehen, die Beschreibung gelesen und Claudia angerufen, dann haben sie einen Fragebogen hin- und hergeschickt und schließlich den Termin festgelegt, an dem ich nach Wien kommen  und abgeholt werden konnnte.

Es war eine schrecklich lange Autoreise gewesen, und ich war froh, nicht mehr darin zu sitzen. Darum wollte ich zuerst gar nicht wieder ein ein anderes Auto einsteigen. Aber diese vier Menschen, die nun meine Leute sein wollten, hatten eins, das war hinten ganz leer, ohne andere Hunde, und es roch gut darin. Also ließ ich mich hineinheben. Warum ich nicht selbst sprang, sahen sie erst später: ich war während der langen Reise von Sarajewo so verzweifelt vom Jucken an der Wunde  an meinen –  … also habe ich die gerade erst vernähte Wunde aufgebissen;  ich denke da nicht gern dran, sie waren weg, die Bällchen. Anfangs sah ich noch aus dem Fenster: wir fuhren durch eine große Stadt. Dann schien mir keiner meiner neuen Menschen irgendwie unruhig, also dauerte die Fahrt bestimmt noch länger. Darum legte ich mich gemütlich in der Decke zurecht. Erst als das Auto länger stehen blieb und es hinten aufging, wurde es wieder spannend: sie wollten, daß ich aussteige. Ich sprang heraus. An der Leine. Hätte ich nicht gebraucht, aber das wußten sie ja nicht, daß ich sowieso mitkommen wollte. Es ging in ein Haus und ich durfte mit! Drinnen roch es nach diesen neuen Menschen und nach Essen und es war leise darin. Herrlich. Dann machten sie mir die Leine ab und ich konnte hinauslaufen in den Garten:

Woah – war ich durstig! Das Wasser schmeckte nach Vögeln. Ich mag das. Es ließ sich gut an hier. Dann durfte ich das Haus erforschen, wie ich wollte. Puzzle ging zwar mit, aber sie sah mir nur zu.

Schließlich hatte ich genug gesehen und geschnuppert, und legte mich einfach an eine Stelle, an der es am meisten nach allen diesen Menschen roch, die hier anscheinend wohnten. Das gefiel ihnen, das merkte ich. Auch daran, daß ich eine Kaustange bekam. Sehr aufmerksam. Mir war klar, daß ich mich in diesem Haus, bei diesen Menschen wohl fühlen würde.

Ein bißchen nagte ich daran herum, und sie sahen mir anfangs noch zu, aber als sie gesehen hatten, daß ich zufrieden war, entspannten sie sich auch und taten irgendwas. Ich weiß nicht mehr was, ich bin dann eingeschlafen. Später, als sie wieder unruhig wurden und einige die Treppe hinaufgingen, ging ich mit, suchte mir einen Platz zwischen den Zimmern, wo ich mich wieder hinlegte. Puzzle fand den Platz wohl gut gewählt, jedenfalls legte sie mir einen Teppich hin, für mich. Das zeigte sie mir, als ich  mich darauflegte, wurde ich schön gestreichelt. Dann ging der kleinste der Menschen in ein Zimmer, plantschte ein bißchen mit Wasser, sagte mir „Gute Nacht“ und die anderen gingen mit mir wieder hinunter.  Ich sah ihnen wieder von derselben Stelle an der Treppe zu.
Nach einiger Zeit zog Puzzle sich wieder Schuhe an und nahm mich an die Leine: wir gingen hinaus ins Dunkle. Draußen roch es fremd. Sehr spannend. Ich mußte andauernd stehenbleiben und schnuppern. Sie ließ mich auch alles in Ruhe untersuchen.
Als wir wieder zurück waren, kippte ich vor Müdigkeit fast um. Zum Glück gingen alle schlafen. Ich durfte auf meinem Teppich direkt vor Puzzles offener Zimmertür liegen. Das hat mir gefallen. Einmal bin ich nachts aufgewacht und habe mich ganz doll gefreut. Da  bin ich zu ihrem Bett gegangen und habe sie angestuppst und mit dem Schwanz gewedelt und wieder gestuppst. Das hat ihr gefallen. Sie hat gelacht. Ich habe mich dann neben das Bett gelegt. Ausnahmsweise, hat sie gesagt, darf ich das auch. Ich war ja erst 6 Monate alt, noch ein Hundekind, wenn auch ein Straßenkind.
Am nächsten Morgen hat sie mich gelobt, weil ich wieder auf meinem Teppich draußen lag, wo ich auch alle anderen Türen im Blick haben konnte.

So. Jetzt wißt ihr Bescheid über meinen ersten Tag bei der puzzeligen Familie. Alles andere könntet ihr im Blog nachlesen, nämlich in der Kategorie „Bongo | the dog“ , ab Ende September 2009. | I hope, my english-reading friends, you understand, that I don’t translate the whole story: it is about my first evening with Puzzle & family, after my long journey from Bosnia to Austria and how I made it my home. Tonight, it has been exactly 2 years.

14 Gedanken zu “Bongo – 2 Jahre her: der 27. September 2009

  1. Lieber Bongo, ich freue mich sehr, dass Du heute, jetzt, schon zwei Jahre in der puzzeligen Familie leben kannst. Alles, was Du über Deine Reise geschrieben hast, kann ich so gut nachvollziehen. Wie schön, dass Du Menschen angetroffen hast, die so sensibel und schlau waren, ganz auf Dich und Deine Bedürfnisse zu achten. Wie schön, dass die verstanden haben, wie es Dir ging. Jetzt wird mir aber ganz blümerant, die Puzzle weiß, was ich jetzt meine. Und ich schreib jetzt gleich mal für Dich auf, wie mein Ankommen hier war. Übrigens: Du siehst toll aus!!

    Liebe Grüße,
    Socke

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    • Liebe Socke, du kennst das auch, haben deine Menschen schon einmal angedeutet, und ich bin gespannt, was du zu erzählen hast. Diese andere Sache, sagt Puzzle, ist bestimmt nicht so schlimm, wenn man jemanden hat, der auf einen aufpassen kann. Und danke für das Kompliment. Wenn ich diese alten Bilder da angucke, staune ich selbst. Da war ich noch eine richtig halbe Portion, ich bin gewachsen, bis ich eineinhalb Jahre alt war! ich freue mich schon sehr auf deine Geschichte!
      Liebe Grüße, B0ng0

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          • Lieber Bongo,
            jetzt möchte ich Dir aber endlich die längst versprochene Antwort schicken!
            So war das bei mir:
            Im November 2008 wurde ich mit ein paar Geschwistern im spanischen Castellbisibal geboren. Ich stand auf der Liste für eine Familie, die in Deutschland lebte, und als ich aus Sicht der Betreuer alt genug war, setze man mich zusammen mit meinem Bruder in eine Box, packte sie in ein Auto, in dem bereits etliche andere Boxen mit spanischen Welpen standen. Es war sehr laut, da viele der anderen Hunden jaulten, bellten und piepsten, weil sie mal pinkeln mussten und weil sie Angst hatten. Und es war heiß, wir hatten Durst und keine Ahnung, wie lange wir noch so untergebracht sein würden, oder ob es überhaupt einmal irgendwann aufhören würde. Nach einer langen Zeit kamen wir in Deutschland, in Hessen, an. Da war es noch lauter, und etliche Menschen lachten und riefen sich was zu. Jemand öffnete unsere Box und eine Frau nahm mich auf den Arm, gab mir zu trinken, streichelte mich und redete mir gut zu. Später zeigten sie mir, wo ich künftig wohnen würde. Ich durfte in einem Zimmer mit ihr und ihrem Mann und einem kleinen Jungen schlafen. Meine Decke lag vor deren Bett, und wenn ich ein wenig gewinselt hätte, dann hätten sie mich vielleicht ja auch beruhigt und gestreichelt. Aber ich habe mich nicht getraut, auch nur einen Laut von mir zu geben. Ich hab mich einfach nur ganz klein gemacht, damit man mich einfach nicht bemerkt. Der kleine Junge war nett, vor allem war er aber klein. Das gefiel mir. Außerdem rochen seine kleinen Händchen immer nach was Leckerem. Wenig später kam noch ein kleines Mädchen dazu. Die roch auch gut, aber es wurde immer lauter in der Wohnung, und die Spaziergänge wurden natürlich eher kürzer. Aber es gab ein Feld, auf dem ich ohne Leine herumlaufen, schnüffeln und um mein Rudel herumrennen konnte. Vor anderen Menschen hatte ich riesige Angst. Außer meiner Familie durfte mich niemand anfassen, eigentlich nicht mal richtig ansehen, dann hab ich meist schon das Zimmer verlassen. Der kleine Junge durfte alles mit mir machen, aber manchmal hat mich die Lautstärke und das Rumrennen und manche Unregelmäßigkeiten im Familienalltag arg gestresst. Ich war so dünn, dass man meine Rippen sehen konnte, zum Fressen fand ich einfach nicht die Ruhe. Das war schon in Spanien so. Ich hatte immer Angst, dass gleich vielleicht jemand kommt, der mich wegschubst. Der kleine Junge durfte mich irgendwann nicht mehr anfassen, weil er sonst Schnupfen und Atemnot bekommen hätte, das war im Frühling dieses Jahres, und an einem Samstag bekamen wir plötzlich Besuch von einer Frau, die mich lange nur freundlich ansah. Diesmal habe ich mich nicht versteckt, sondern mich ein bisschen entfernt von ihr hingesetzt, und dann habe ich sie auch einfach nur angesehen.
            Sie hat mich dann mitgenommen, das war schlimm. In der neuen Wohnung wohnte auch ihr Lebensgefährte, der schon alles für mich vorbereitet hatte. Sie haben mir alles genau gezeigt, es gab auch einen Hundekorb für mich. In den hab ich mich reingesetzt, und wenn sie sich mir näherten, habe ich sie angeknurrt, immer und immer wieder. Aber die haben sich nicht beeindrucken lassen, weil sie wussten, dass ich einfach nur unglaubliche Angst und Heimweh hatte. Nach ein paar Tagen wusste ich, dass ich hier sicher bin, und dass es mir hier gut gehen würde. Seit ich hier bin, habe ich endlich richtig viel Auslauf, meine Rippen sieht man gar nicht mehr, weil ich jetzt ganz in Ruhe fressen kann. Und ich bin nur ganz selten mal allein. Sie hauchen mir manchmal ins Ohr, dass ich hier nie wieder weg muss. Noch was, Bongo, seit ich hier bin, habe ich auch schon etwa fünf oder sechs Mal gebellt. Ich traue mich immer mehr.

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            • Oh, Socke, was für eine anrührende Geschichte! du hast es bestimmt nicht leichtgehabt, wenn du es eigentlich gern wirklich ruhig hast. Mir ist das auch lieber. Es macht mir zwar keine Angst, aber ich glaube, Menschen machen Lärm, weil ihnen das ein gutes Gefühl gibt – überleg mal, wie laut sie lachen. Es gibt ja auch welche „von uns“, die bellen, wenn sie Spaß haben. So ganz verstehe ich das auch nicht. Wenn mir etwas Spaß macht, dann wedele ich ganz doll mit dem Schwanz und mache dabei ein „Lachgesicht“ – so ein Grinsen mit Zunge raus. Dann lehne ich mich an die Beine meiner Menschen, daß sie mich streicheln sollen, und dann renne ich eine Runde und komme dann wieder und mache das Gleiche nochmal, und dann haben wir uns alle genug gefreut und ich lege mich irgendwo in der Nähe gemütlich hin.

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              • Ja, Bongo, das habe ich mir auch angewöhnt. Ich laufe so schnell ich kann, in großen Kreisen um sie herum, damit sie sich fein an mir freuen können. Die Streicheleinheiten bekomme ich dann natürlich auch, aber meist will ich meine Leute nur gut stimmen, damit sie nicht so sauer sind, wenn ich mal wieder abhaue, um Fasane aufzustöbern. Wenn ich so intensiv bei der Arbeit bin, höre ich einfach nicht so gut. Danach können meine Chefs schon mal ziemlich sauer sein auf mich. Dann nutzt das feinste Schwanzwedeln nichts mehr. Aber spätestens 100 Meter weiter habe ich sie wieder im Griff. Ein Glück, dass ich genauso ein Glück gehabt habe, wie Du.
                Gruß Socke

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                • Das hört sich auch richtig gut an, Socke, wie du es jetzt hast. Auch, daß sie doch immer wieder mit dir dorthin gehen, wo es Fasane gibt. Wenn du wegen denen nicht richtig weit wegläufst und die nur hochjagst, finden sie es wahrscheinlich gar nicht soooo total schlimm. Aber mach das lieber nur, wenn sonst weit und breit niemand zusieht. Manche Leute sind da komisch.

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  2. Na da hast Du ja was mitgemacht. Wirklich schlau von Dir, Dich an diesen Info-Stand zu stellen, wo man doch sonst bestimmt nur von den Menschen weggescheucht wird, wenn man so auf der Straße lebt.

    Ich war ganz gerührt, als ich jetzt Deine Ankunftsgeschichte gelesen habe. Schön dass Du da bist… 🙂

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