Eine Art Urlaub – 15. bis 23. Oktober 2011 / Tag 1

Eine Art Urlaub habe ich gemacht, vom 15. bis 23. Oktober 2011, nur etwas Ähnliches wie Urlaub, denn mit 2 Kindern und einem Hund innerhalb einer Woche rund 2’000 Km zu fahren, war eigentlich kein erhol- oder womöglich bildsamer Urlaub. Die grausen Bilder und die dazugehörende Beschreibung der Hintergründe derselben gegen Schluß dieses ersten Reisetag-Eintrags weisen sogar einen beklagenswerten Mangel an Kultur auf. Hundebesitzer und Eltern von Teenagern werden es wahrscheinlich aushalten.

Dass ich seit über einem Jahr nach langem wieder in Lüchow im niedersächsischen Wendland lebe, wissen viele, die hier lesen. Dass ich vorher über ein Jahrzehnt im österreichischen Burgenland, am Neusiedler See, gewohnt habe, auch. Darum war es naheliegend, mein kleines, sieben Jahre altes Auto zu einer gut bekannten, noch richtig altmodisch arbeitenden Autowerkstatt in der Nähe von Györ, nach Ungarn zu bringen, weil nach einem innerfamiliär verursachten Schaden die Wiederinstandsetzung weniger als ein Fünftel des hier um die Ecke errechneten Betrages kostete, und auch nur die Hälfte der angeblich notwendigen Eingriffe.
Überflüssig teuer hätte nur das Flugticket werden können, das man innerhalb weniger Tage hätte kaufen müssen, um das Auto während der Herbstferien wieder abzuholen. Und so kam es zu dem Plan, daraus richtige Herbstferien werden zu lassen, und so machten wir: die Kids, Bongo und ich, am Vormittag des 15. Oktober mit meiner Fahrmupfel auf den Weg nach Südosten.
Wir nahmen die Strecke Magdeburg – Leipzig – Regensburg, deutsche Autobahn, ziemlich zügig. Für die Rückfahrt war die langsamere, wenn auch hoppeligere Variante über Bratislava und Prag geplant, zum Angewöhnen für den Alleinfahrer hinter mir.
Weil wir mit Bongo gefahren sind, haben wir auch brav Pausen gemacht, und Spaziergänge, den ersten sogar schon vor Magdeburg, am Übergang von der Altmark zu Börde, in einem Kiefernwald:

Dort fotografierte ich die Glockenblumen. Für die Fliegenpilze waren wir bereits im Thüringer Vogtland, in der Nähe von Schleiz, wo wir eine Gaststätte neben der Autobahn kennen, nahe bei einem schönen Auslauf für Bongo. Waldweg und Goldrute sind dort fotografiert:

Es war Sonnabendnachmittag, schönes Wetter, wenig Verkehr und angenehm zu fahren, über 1000 km an einem Tag zu fahren, ist mir aber zuviel, darum war eine Übernachtung in Bayern geplant, der Nähe von Regensburg. Ein „Hotel-Gasthof“ in Obertraubling hatte auf seiner Webseite Hunde erlaubt und ein Restaurant oder Wirtshaus im Haus, direkt neben der Kirche.
Vielleicht war es einmal ein hübsches Kirchdorf, aber der Bedarf an Gewerbe- und Wohngebieten im Umland von Regensburg frißt es einfach auf, das Hotel lebt nicht mehr von Freizeit-Touristen und Geschäftsreisenden, sondern beherbergt Monteure. Das Zimmer war ein bißchen schrottig wenn auch sauber, aber das Restaurant war ausgerechnet an diesem Tag zu! Auch in 2 km Umkreis gibt es kein weiteres, trotz dichter Bebauung. Dabei hatte ich nicht nur die Nase vom Autofahren voll, sondern auch Hunger. Meine Familie weiß, was das bedeutet: Vorsicht, bitte nicht reizen, nur füttern!
Später sagte mir mein Sohn, ich sei nicht nett gewesen, als wir unsere Zimmerschlüssel für den Raum im 5. Stock (ohne Lift) bekamen. Mag sein.
Das notwendige Gepäck schleppten wir nach oben. Hunde und Raucher sperrt man, wie es scheint, gern zusammen. Das erinnerte mich an die Strandkombination „Hunde mit FKK“ in manchen Urlaubsgebieten. Die Nackten wären mir lieber gewesen.
Weil Bongo nicht allein bleiben sollte, machten der Kleine und ich uns mit dem Auto auf, um eine Pizzeria oder Ähnliches suchen, mit Essen zum Mitnehmen.
Ein befragter Werbeblatt-Austräger wies uns endlich zu einem Einkaufszentrum namens „Globus“, im Industriegebiet von Neutraubling, in der Nähe des BMW-Werkes und diverser anderer Gewerbe-Betriebe. Es ist groß und hässlich, hat aber Imbiss-Stände reihenweise, die gegen Abend schon ziemlich leer gefuttert waren.
Doch der Kebab-Fuzzi hatte noch genug vorrätig. Der Mann agierte, als wäre das Aufrollen der großen Lahmacun-Pizza ein Auftrag höchster Wichtigkeit und das Zusammenstellen unsere Döner-Boxen pure Magie – meine Lichtgestalt in einer solchen Ödnis, nicht nur, weil ich hungrig war. Vielleicht habe ich darum das Besteck mitzunehmen vergessen.
Es gab deshalb ein Riesengemetzel von Weißkraut, Fleisch, Cacık, Weißbrot und Diversem auf Alufolie und Papierservietten, als wir zu dritt und mit den Fingern unser bei der Ankunft aufgeweichtes Abendessen vom kleinen, etwa ein Laptop und ein Telefonbuch breiten Tischchen im Hotelzimmer zu essen versuchten.

Fotos vom 16. Oktober 2011 – zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder der Galerie anklicken.

Das Schlimmste habe ich gar nicht fotografieren mögen. Die Erinnerung ist schlimm genug. Fortsetzung folgt.

 

67 Gedanken zu “Eine Art Urlaub – 15. bis 23. Oktober 2011 / Tag 1

  1. ( leiselach damit es nicht hörst) Dein Gesicht kann ich mir tatsächlich vorstellen…inDeckungschmeiss..
    Ich weiß im Moment nicht, wen ich mehr bedauern soll….den Hund?…die Kids?…dich?…den „Hotelier“..oder gar den ImbissFredi…
    Oh Himmel hilf…und das war nur der Anfang….;-)

    Gefällt mir

  2. Teilweise war es wohl ein kleiner „Höllentrip“, aber für den, der es nur nachlesen und nicht nach-erleben muss, ein sehr gut und witzig beschriebener. Man kann nur gespannt auf die Fortsetzung sein … und das sind wir auch!!!

    Gefällt mir

  3. Danke für die spannende Fortsetzungsgeschichte. Frage mich bereits, was das mit der Malerfolie war. Es ist mancherorts wirklich traurig zu sehen, wie sich die Städte in das Umland vorfressen. Vor einiger Zeit war ich bei Nürnberg in einem Hotel und es war ein ähnliches Feeling. Wobei mich schon einmal interessieren würde, was denn das Schlimmste war, das Du nicht fotografiert hast…

    Gefällt mir

    • Es sah vorher wirklich übel aus, eben wie drei Personen es unter ungünstigen Umständen mit Nahrungsmitteln zustande bekommen, die nicht dazu gemacht sind, mit Fingern und ohne Teller gegessen zu werden. Nur konnte ich da wegen meiner Cacık-, Fleisch-und Salat-vermanschten Finger keine Kamera anfassen. Ah, beinahe hätte ich die aufgeweichten Kartoffel-Smilies zu erwähnen vergessen. Ich wußte nicht, daß sie schon vor dem Essen wie nach dem Essen aus sehen könnten. Zwar hält das einem Vergleich mit einem halben Schwein im Papierrecyling immer noch nicht stand, aber ich dachte zwischenzeitlich durchaus daran. ^^

      Gefällt mir

  4. 🙂 ich liiiiiieeeebe solche Geschichten.

    Nicht das ich sie selber erleben wollte, aber es passiert ja trotzdem irgendwie irgendwann. Sei es das Zimmer mit Meerblick wo man sich so weit über die Balkonbrüstung legen muss und der Partner die Füße festhalten muss, damit man einen Blick auf das Meer erhaschen kann. Wenn man dafür Aufpreis bezahlt hat, dann will man es auch sehen PUNKT!!! Oder die Dusche ohne Duschkopf. Oder oder oder. Jeder hat ja solche Geschichten im Kopf.

    Toll geschrieben, ich habe laut gelacht (sorry, aber ich konnte nicht anders)…

    Der einzige, dem es bestimmt an nichts gefehlt hat, war Bongo. Da man ja nicht damit rechnet, irgendwo in einem Hotel Hundefutter zu bekommen, hat man es ja mit… 🙂

    Ich freue mich schon auf die nächsten Tagesberichte… :)))

    Gefällt mir

    • Ja, ganz genau – Reservierung ohne genauere Ortskenntnis; das wäre kein Problem ohne Hund, dann fährt man einfach zum nächsten. Aber mit einem Hund mit „Überkniehöhe“ ist es nicht selbstverständlich, auch dort schon Erfolg zu haben.
      Laut Lachen ist nicht nur erlaubt sondern ausdrücklich erwünscht 🙂 Bongo fand an dem Zimmer nur auszusetzen, daß es einen glatten Fliesenboden mit keinem noch so kleinen Fitzelchen Fleckerlteppich hatte … ach, eigenlich geht damit der nächste Eintrag weiter ^^

      Gefällt mir

    • Merci du compliment, empereur … ^^
      Vielleicht wundert es dich, daß ich – trotz der Option, deinen Kommentar einfach „unter den Tisch zu moderieren“ – ihn genehmigt habe, vielleicht auch nicht.
      Schicke Mail-Addy, übrigens. Nicht ganz unschuldig daran, daß ich überhaupt darauf eingehe, denn wenn ihr beiden großen Jungs euch im Web-Sandkasten gegenseitig mit allem bewerfen wollt, was ihr in die Finger bekommt, ist das ausschließlich euer persönliches Ding.
      Vorausgesetzt, deine Besorgnis um mein Wohl sei ungeheuchelt und kein Vorwand, eine Verunglimpfung abzusetzen, möchte ich mich hiermit bedanken für so viel Altruismus gegenüber Unbekannten.
      Mir gefiele es andernfalls gar nicht, wenn jemand begänne, einfach nur denunzierend durch die Webseiten der Kontakte seines Kontrahenten zu streifen, und das Ganze über den Rand hinauszutragen.
      Ich wünsche ebenfalls alles Gute.

      Gefällt mir

    • Please allow me to introduce myself
      I’m a man of wealth and taste
      I’ve been around for a long, long year
      Stole many a mans soul and faith
      And I was round when jesus christ
      Had his moment of doubt and pain
      Made damn sure that pilate
      Washed his hands and sealed his fate
      Pleased to meet you
      Hope you guess my name
      But what’s puzzling you
      Is the nature of my game

      Gefällt mir

        • Ist okay, Raini – ist das nicht mal wieder typisch, daß immer die Mädels, die brav mit ihren Förmchen Kuchen backen, den Sand in die Augen bekommen, wenn zwei Jungs sich die Schippchen auf die Köpfe hauen?

          Gefällt mir

            • Aber das ist er doch gar nicht, er nennt sich Kaiser und ist ein Exfreund vom Max – womit das Hauptproblem erklärt wäre – und er ist mir heute zugelaufen.
              Eine IP wird beim Kommentieren immer angezeigt, und ich nehme an, das da oben ist eine Handynummer? wenn’s mich nervt, setze ich alle Kommentare auf Moderation, das tut mir zwar leid für euch anderen, aber meine Kinder sagen nicht umsonst, ich hätte „Lois-Tendenzen“ („Malcolm mittedrin“ kennst du?), und ich fürchte, sie sind nicht vollkommen daneben damit.

              Gefällt mir

              • Ja, die ist Klasse, die Lois… 🙂 Sei so wie sie… …los!!!

                Mit dem auf „freischalten warten“ kann ich leben… 🙂

                Hätte ich wohl schon längst gemacht! Also auf Moderation gesetzt.

                Gefällt mir

  5. klingt das gut: der himmel ist über uns…doch du spürst einen grossen onkel nicht…z.b.!!!, wir texten jetzt….nur du und ich, meine prinzessin

    Gefällt mir

  6. Oh, ist das „Herr Kaiser“ von der Hamburg-Langweiler …,
    egal, ich freue mich auf die nächsten Folgen – deines Artikels, nicht vom „Kaiserwirrwarr“
    bis später, lG v Sven

    Gefällt mir

    • Ja, du zugeflogene kaiserliche Fledermaus. Bitte vergiß nicht dein Abendessen, sonst mache ich mir Sorgen um deine Gesundheit. Du hast mir zeitweilig soviel Vergnügen bereitet, daß ich es nicht ertragen würde, wenn du meinetwegen verhungerst und verdurstest. 🙂

      Gefällt mir

  7. Im Rahmen einer ordentlichen Familienzusammenführung sollte sich Herr Kaiser dann aber auch mal mit seinem richtigen Namen vorstellen. Das ist doch son oller Gag der Hamburg-Mannheimer. Gibts die Versicherung eigentlich noch??

    Gefällt mir

  8. Oh Mann, hier is was los. Lustige Geschichten wie sie anderer Menschen Leben so schreibt ( meins jedenfalls nicht, da ich ja nie unter meinem Stein hervorkrieche ) und nun auch noch ein Troll. Wenn auch ein blaublütiger. Don`t feed them !

    Ansonsten erwarte ich weitere Reisegeschichten die sich doch so anders lesen wie die Dokusoaps a la Karl May. Bitte vertreibe mir weiter die Zeit.

    Gefällt mir

    • Motzi, ich staune selbst über die abenteuerlichen Zustände , und falls hier jemand das ‚Cowboy-und-Indianer‘ spielen übertreibt, wird eben das Kommentieren bis auf weiteres nicht mehr automatisch freigeschaltet. Die Reisegeschichten gehen schon weiter. 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.