eine Art Urlaub – 15. bis 23. Oktober 2011 – Tag 3/1

 

Am 17. Oktober, morgens: im gläsernen Bierkrug auf dem Küchentisch der kleinen Ferienwohnung befindet sich nicht etwa ein geheimnisvolles alkoholhaltiges Dopingmittel, angereicht mit exotischen pannonischen Pflanzenextrakten, sondern mein Milchkaffee XXL, den ich morgens gern trinke, aber außer in meinem Geschirrschrank kaum Tassen vorfinde, die groß genug sind. Darum mußte der Bierkrug herhalten. Ich werde später am Tag in Ungarn wieder eine Tasse kaufen, denn da trinkt man starken, mokkaähnlichen Kaffee, und zum Frühstück auch Milchkaffee mit einem Stück weichem Gebäck zum Einditschen, wie in Frankreich. Man bekommt nicht nur diverse wirklich große Tassen und henkellosen Schalen zu kaufen, sondern auch eine große Auswahl an „altmodischen“ stromlosen Kaffeebereitern für Gas- oder E-Herdplatten in allen Größen, wie ich es zuletzt nur in Spanien oder Italien gesehen hatte. Merkwürdig: in dieser Hinsicht ist die nahe ungarisch-österreichische Grenze nicht durchlässig, obwohl bis in die 20erJahre der nordburgenländische Teil Österreichs bis ans Leithagebirge heran zu Ungarn gehörte. Historisch hatte es immer wieder Hin und Her gegeben, kulinarische Einflüsse sind unübersehbar, sprachliche auch: die Generation der heute Um-die-Achtzig-Jährigen sprach und schrieb Ungarisch als erster Sprache. Auch in den Familiennamen und -verwandtschaften haben diese ganzen Umstände deutliche Spuren hinterlassen. Viele haben ungarische Wurzeln und Verwandtschaft, aus der Zeit vor der Ödenburger Volksabstimmung von 1921 oder danach, als in 50ern der Eiserne Vorhang geschlossen wurde und zuvor noch dort verwurzelte „Deutschstämmige“ ausgewiesen wurden. Man bekommt diese Verflechtungen überall zu spüren, nur ausgerechnet beim Gebrauch richtig großer Tassen nicht. – Fotos vom Morgen des 17. Oktober 2011, Neusiedl am See, Burgenland, Österreich. Bitte die kleinen Bilder zum Vergrössern anklicken.

 

6 Gedanken zu “eine Art Urlaub – 15. bis 23. Oktober 2011 – Tag 3/1

  1. Wir vermuten, dass der Honigbär vor allem Prinzunverzagt gefallen hat. (Uns aber auch!)
    Immer wieder nett, was man in den Küchen- und Wohnzimmerschränken von Ferienwohnungen findet und dann für ein paar Tage oder Wochen (oft mit Genuss) zweckentfremdet!

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  2. Es war mir, bis ich gerade bei Wikipedia über die Ödenburger Volksabstimmung nachgelesen habe, gar nicht wirklich, allenfalls noch schemenhaft, bekannt, dass das Burgenland so umstritten war.

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    • Schon vorher auch: Wann immer in den Jahrhunderten zuvor „die Türken vor Wien standen“, war damit das Burgenland gemeint, weil dazwischen der Höhenzug des Leithagebirges (wie ein sachtes Mittelgebirge etwa) eine strategische Grenze darstellte, und auch im WKII kamen die russichen Streitkräfte von Osten kommend erst einmal bis dorthin. Die Zusammenhänge von Geographie, Geschichte und traditionellen Grenzen sind immer sehr interessant.
      Das Abstimmungsergebnis war meiner Ansicht nach ein wirtschaftlich begründetes, aber ebenso wirtschaftlich unkluges: man rechnete mit Wien und verlor einen unterschätzen Wirtschaftsraum jenseits des Sees. Während des Nationalsozialismus verhielt es sich ähnlich: die Gemüsebauern des Seewinkel kamen durch die Handelsembargos mit Frankreich z.B. zu bis dahin ungeahntem Wohlstand, exportierten Salat und Majoran bis nach Hamburg hinauf. Die alten Herren meiner Bekanntschaft nannten das ganz unverklemmt einen Segen für die Region und den einzigen Grund, die damaligen politischen Umstände positiv zu sehen. Bevor die Aktivitäten sie auch erreichten, dann war’s nicht mehr lustig und hat beispielsweise Neusiedl vollkommen verwandelt. Arrrgh. So stoppe mich doch bitte jemand!

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