Erinnerungen sind ein seltsamer Stoff

Das ist nicht die Einleitung zu schweren Funden in meinem verpuzzelten Unterbewußtsein, sondern der erste Gedanke, der mir beim Anblick dieses apophysischen Gewebes durch den Kopf blitzte.
Zu mehr reicht es nämlich oft nicht: mein visuelles Gedächtnis vermißt nur allzu oft eine Verbindung zum Speicher der anderen, konkreteren Daten, die mir Aufschluß geben könnten über das Wann, Wo, Warum und mit Wem.
Es stellt nur eine vage Verbindung her, von einem wie daraufgezoomt wirkenden Bildausschnitt zu einem anderen, erinnert geglaubten, ebenso als isolierte Momentaufnahme wahrgenommen wirkenden Bild, nichts als gefühlte Kongruenz des Neuen mit dem Alten, angereichert mit Gerüchen und befremdlichen Assoziationen, und – wenn ich etwas zweifelhaftes Glück habe – Emotionen.
Bei diesem Bild? „alter Mantel – Rostschutzfarbe* – Staub – … “ und noch einiges mehr. Nur keine Gesamtsituation. So geht es mir bei vielen Erinnerungen, auch positiven. Schon lange, bevor ich überhaupt wußte, wie man fotografiert, hat mein Gedächtnis das schon gemacht, so lange meine Erinnerungen (dieser Art) überhaupt zurückreichen, und das ist weiter zurück, als mir jemand glauben möchte. Wie denn auch: andere Leute erinnern sich nur an gemeinsame Situationen. Die haben mein Bild ja nicht gesehen.

Ich vermute, der „Türöffner“ für diesen Gedankengang war mal wieder eine Mischung aus Blog-Besuchen bei Erinnye  und ihrem letzten Störstoff-Posting über einen vermolchten Gedächtnispool (> hier) und einer Mischung verschiedener Bildwirkungen auf dem Haushundhirschblog ( > dort), die ’sowas‘ beinahe immer mit mir machen.

(*Bleimennige, weiß ich heute)

9 Gedanken zu “Erinnerungen sind ein seltsamer Stoff

  1. Alles Vergangene und Zukünftige kommt in einen Hut: Emotionen. Jede Art, positiv und negativ…abgerufen durch Bilder/Farben, Gerüche, Hören usw. Man kann sich nicht wehren..möchte man vielleicht auch nicht. Sollte man nicht…

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  2. Ich hatte Deine Überschrift erst geistig unter „schwerer Stoff“ abgespeichert, vielleicht wegen der schweren Funde, die Du ja gerade nicht meinst. Eine Art heavy-weight Trevira-Samt, an den Rändern ausgefranst, manchmal zieht man daran und stellt fest, dass die Fäden bis in die Gegenwart eingewoben sind, in die Pullover aus glücklichen Alkantara-Ziegen.

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    • Letztendlich bildet alles miteinander ein gigantisches Persönlichkeitsgewebe, und dein Kommentar, Erinnye, läßt mich schon wieder weiterphantasieren von Aranpullovern mit den in die verflochtenen Muster hineingestrickten Haaren der Liebenden, die heil von hoher See zurückbringen sollen ….🙂

      Aber was Tina schreibt, ist auf jeden Fall für mich auch gültig: ich begrüße jedes Bild, was mir erscheint, ich bedaure eben nur, daß es ein so unglaublich langsamer, gedankenaufwendiger Prozess ist, sie zu entschlüsseln. Denn das versuche ich immer, teils weil ich vermute, daß es wichtig ist, teils nur aus einer Art sportlichem Ehrgeiz.

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  3. Für uns sind es Daunen, die von einem leichten Windhauch zu immer neuen Flügen angetrieben werden. Sich neu finden und formieren, um vom nächsten leisen Windzug wieder durcheinandergewirbelt zu werden.
    Allerdings könnten es auch schwere Eisenspäne sein, von Magneten in eine bestimmte Richtung getrieben.

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  4. Ich dachte spontan an Eisblumen… …bunt gefärbte…🙂

    Das mit den Bildern im Kopf kenne ich auch. Und das Grübeln, wo man welches Bild gesehen hat, das gibt es auch…

    …und manchmal sogar Streit darüber, wo echte Positive entstanden sind. Ich habe letztens das einzige Babyfoto welches es von mir gibt, bekommen. Ich im Wippie im Garten meiner Großeltern neben dem Kirschbaum, von dem man nur Teile des Stammes sieht und dahinter der alte Holzschuppen. Neben mir ein Dackel der Männchen macht.

    Gut, nun weiß ich nicht, wer dieser Dackel ist und ich kann mich auch an ihn nicht erinnern, weil er wohl kurze Zeit später verstorben ist. Aber der Kirschbaum und der Schuppen standen noch bis vor ein paar Jahren so da, wie auf dem Bild. Meine Schwester (8 Jahre älter) und auch meine Mutter behaupten steif und fest, dass es im Innenhof neben dem alten Eierpflaumenbaum entstanden ist.

    Ich weiß es besser. Schon die Rinde sieht nach Kirschbaum aus…🙂

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