Ambivalentes Gelb

Mahonie (oben) und Forsythie (unten) – zwei leuchtend gelbe Frühlingsblüher, die außer ihrer heiteren Farbe auch merkwürdig ambivalente, weniger freudige Assoziationen heraufbeschwören: anscheinend denke nicht nur ich bei ihrem Anblick an die Umpflanzungen von ältlichen Mehrparteienhhäusern, aus deren Treppenhäusern es muffig dünstet, an magere, halbherzige Spielplatzumpflanzungen, die regelmäßig einmal jährlich bis auf Wadenhöhe abgeratzt wurden, an besessen geharkte Gärten, in denen unter den Sträuchern dem trockenen Erdboden streng jedes heimlich gekeimte Pflänzchen ohne Ansehen welcher Art entrissen wird, oder an Schulhöfe, wo sich zwischen den dornigen Blättern der Mahonien zerdrückte Getränkedosen und Milchschnittenpapiere verfangen haben, oder ein Dutzend anderer, ähnlicher Plätze. Wellensittiche lieben Forsythienknospen, Bienen mögen Mahonienblüten. Als Kinder haben wir die blauen, ovalen Beeren zerdrückt und „Blut“ damit aufgemalt für unsere Spiele, unter den Forsythiensträuchern mit Decken und anderen Zweigen Hütten gebaut, bis jemand kam und wegen der Zerstörung schimpfte … Sie können nichts dafür, diese beiden Sträucher, aber richtig lieben kann ich sie nicht.

19 Gedanken zu “Ambivalentes Gelb

  1. Man muss sie nicht lieben, aber wenn man sich Anfang Januar ein paar staksige kahle Forsythienzweige ins Haus holt, und die sind, in eine Vase gesteckt, einige Tage später mit leuchtenten Blüten bedeckt, dann muss man sie zumindest mögen😉

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  2. Es mag sein, dass die Forsythie für uns im Allgemeinen, für Laubenpieper aber im Speziellen einer der Lieblingssträucher ist. Es ist aber auch möglich, dass jeder Schrebergärtner per Vereinssatzung verpflichtet ist, einen dieser Gelbblüher in seiner Parzelle zu hegen und zu pflegen. So sieht es zumindest aus, wenn man aus dem Fenster eines Hochhauses am Rande der Frankfurter Bürostadt auf das umliegende Grün – und Gelb – schaut:

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  3. Ich mag Forsythien. Ich bin aber auch nicht in meiner Kindheit damit „traumatisiert“ worden. Wir hatten keine. Als wir hierher zogen, standen zwei in der Gegend rum. Wir haben sie belassen. Sie färben sich im Herbst so schön dunkelrot, die Blätter. Allerdings hege und pflege ich sie überhaupt nicht. So wie alles im Garten. Entweder es kommt wieder, oder es lässt es bleiben. Alle paar Jahre werden sie radikal beschnitten. Allerdings nicht in Form. Es soll ja Menschen geben, die sie rund oder quadratisch schneiden (schon gesehen, *grusel*

    Quitschrote Geranien mag ich auch nicht. Im letzten Jahr hatte ich so ganz dunkelrote, so blutrot noch mit einem Tröpfchen schwarz gemischt. Die fand ich interessant. Tolle Farbe. Die erstem Blüten vielen relativ schnell ab und dann kamen neue nach in – QUITSCHROT! Iiiiihhh! Naja, sie waren nun mal da und durften bleiben. Gerne mag ich die blassrosa einfachen Geranien. Sie sehen so filigran aus.

    Ich mag keine auch keine Dahlien, weil die so stinken und man sie im Winter lagern muss. Allerdings liebt meine Tochter sie und so gibt es jedes Jahr ein zwei Tüten aus dem Supermarkt. Gerne die kleinen einfachen…🙂

    Manchmal muss man halt einige Kompromisse eingehen… ^^

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    • Pelargonien sind den Geranien sehr ähnlich, die nehme ich auch – die haben aber auch nicht den ekligen Geruch an sich und oft, zumindest für meinen Geschmack, hübschere Farben.
      Dahlien sind für mich „Ohrenkneiferblumen“: nette Blüten, aber dauernd zerfressen.
      Ja, es ist bestimmt so, daß man durch bestimmte Erinnerungen Tendenzen zum Mögen oder Ablehnen hat, die sind bei mir sogar tiefer verwurzelt als das Nichtmögen bestimmter Gerichte, was bei anderen Menschen wieder stärker ausgeprägt ist.
      Kompromisse im Garten? Nee. Aber ich hab ja auch keine Tochter.

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