Révfalu

„Révfalu“ – so hieß eines von drei Dörfern auf dem gegenüberliegenden Ufer der Kleinen Donau, und danach benannt wurde dieser Stadtteil von Györ, den man über die Révfalusi mit dem eisernen Bogen, die in gelblichem Beige gestrichene, etwa siebzig Jahre alte Kossuth-Brücke, erreicht. Wahrscheinlich gibt es noch eine kleine Anzahl sehr alter Einwohner, die sich aus ihrer Kindheit an die 1929 gebaute Brücke über die Mosoni Duna erinnern.Und wahrscheinlich erinnern sich noch einige mehr auch daran, dass sie im Krieg von den Deutschen gesprengt, und nach Kriegsende bis 1950 wieder nachgebaut und fertiggestellt worden war. Damals hatte man von ihr noch auf Schiffsanlegestellen für richtige Kähne hinuntergesehen, heute nur noch auf Sport- und Anglerboote.

 

Auf der westlichen Seite blickt man hinunter auf das Zusammentreffen der beiden Flüsse Rába (Raab) und Mosoni Duna (Kleine Donau), was man oben auf den beiden Fotos auch erahnen kann, auf der östlichen Seite liegt noch ein alter Raddampfer, in dem ein beliebtes Restaurant untergebracht ist, aber ein Foto davon kommt erst in einem der nächsten Blog-Einträge. – Györ hat sehr aktive Wassersportler, Ruderer in verschiedenen Variationen, von denen man beinahe ständig jemanden trainieren sieht. Jenseits der Brücke liegt ein seltsames Gebäude, dem Dekor nach zu Beginn des 20. Jhs gebaut, aber dessen ursprünglicher Zweck ist mir nicht klar.
Ich habe es im Web nur als „Csónakház“, als Bootshaus gefunden, und heute werden dort anscheinend tatsächlich auch Sportboote gelagert, aber früher? So etwas wie ein Fährhaus mit Restauration, vielleicht, dachte ich … dann würde auch der Turm Sinn machen, hm? Für Vorschläge wäre ich aufgeschlossen.
Hinter diesem Gebäude liegt ein Kálólczy tér genannter, als Park angelegter Platz, ebenfalls dort auch Tennisplätze und einfache Restaurants, in denen Leute ihre Mittagspause verbringen, und wenn man daran vorbei gegangen ist, erreicht man tatsächlich die „Regenbogen-Brücke“, die nachts so bunt beleuchtet wird.
Aber ich wollte ja nicht schon wieder auf das andere Ufer, sondern überquerte die Straße, die den Namen des Platzes trägt, bog gegenüber in eine Weggabelung, der entweder links oder rechts unten, oder oben auf einem Deich zu gehen zur Auswahl bot, und endlich bekam Bongo, wonach wir die ganze Zeit gesucht hatten: Bäume und großflächigeres Grün, so eine Art Freizeit-Anlage, wo im Sommer ganz bestimmt viel Betrieb herrscht, mit Liegewiese, großen Bäumen, verschiedenen Spielplätzen, Kiosk und sogar mit ein wenig „Sandstrand“.
An diesem sonnigen aber kühlen Mittwochnachmittag Anfang Oktober waren nur wenige Leute dort, aber einige doch, mit Kindern, mit Booten, allein und in Gruppen joggend oder mit Pärchenkram beschäftigt, auch einzeln, lesend mit Blick auf das Wasser.

 

An dieser Stelle war es friedlich. Auch der Baulärm war weit … nicht sehr weit entfernt, allerdings. Nur einige hundert Meter weiter arbeiten die Bagger an der Uferbefestigung wie auch sonst überall. Aber hier gab es sogar wilde Blumen:

 

Feinstrahl-Astern vor allem, gab es viele, sie säumten auch das Ufer. Außerdem entdeckte ich violetten Beinwell und Alant. Die großartigste Entdeckung machte ich aber erst auf der anderen Seite des Deiches, wo erkennbar wurde, dass hier der Stadtrand erreicht war. Neugierig bog ich mit Bongo in einen Weg ab, entlang eines alten Arms der Mosoni Duna, den wohl sonst nur Angler begehen. Wenige Schritte weiter fand ich mich in einem zauberhaften Auwald. Die Laubbäume standen hoch und licht, jeder Baum trug ein Kleid aus dichtem Wildem Wein, urwaldhaft, stadtfern wie der Übertritt in eine magische Parallelwelt. Euphorisch, einen schönen Moment lang.

 

Dann kam mir leider zu Bewußtsein, dass wahrscheinlich dort eine Legion hungriger Zecken wartete, und auch die Wegführung nicht nur sehr matschig, sondern auch sehr ungewiss war, ein markierter Wanderweg war das nicht, und mein Ungarisch wäre mit „Jó napot!“ oder, falls ich bis zum Abend niemanden getroffen hätte, mit „Jó estét!“ erschöpft gewesen.Ich machte kehrt und ging den gleichen Weg zurück, den ich gekommen war.

 

Fotos vom 9. Oktober 2013, Györ-Révfalu (Ungarn) – zum Vergrößern bitte die kleinen Bilder anklicken.

3 Gedanken zu “Révfalu

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