Der Hippokampos am Zusammenfluß von Raab und Kleiner Donau


Oben erkennt man die große Bronzeplastik gerade so eben, auf der Landspitze stehend, oberhalb des von links kommenden Flusses Rába (Raab) die sich dort mit der Mosoni Duna (Kleine Donau) vereinigt. Es war ein bißchen mühsam, zu dieser Statue Informationen zu bekommen. Sehr alt scheint sie ja noch nicht zu sein, vielleicht etwa zwischen sechzig und siebzig Jahren, auch wenn anscheinend mit uralten mythologischen Fruchtbarkeits-Themen gespielt wurde: Der Hippokampos, also das sagenhafte Pferd aus dem Wasser, das auch dem ganz realen Meeres-Seepferdchen seinen Namen gegeben hat (und dieses verwirrender Weise den seinen einer Region des Gehirns), wird geritten von einer Frauengestalt, vielleicht einer Andeutung des Kybele-Kultes, der Großen Mutter, der hier in den Zeiten der römischen Besiedlung auch bekannt gewesen sein könnte.
Ich finde das eine sehr interessante Verbindung von Themen, die an sich nichts miteinander zu tun haben, aber dennoch Ähnlichkeiten aufweisen.
Das Thema Vereinigung von Elementen bzw. Männlichem und Weiblichem wohnt in den Aspekten der hier zusammengebrachten Wesen, nicht nur das augenfällige Mischwesen des Pferdes mit Unterleib eines Fisches, Symbolik für eine Verbindung von Wasser und Land, sondern auch die Eigenheit des männlichen kleinen Seepferdchens aus dem Meer (Hippocampus), das die sonst weiblichen Lebewesen zugeschriebene Brut- und Aufzucht übernimmt, und falls sich in der Gestalt der Frauenfigur die Kybele, die „Großer Mutter“ wiederfindet, dann hat auch sie eine solche Geschichte, denn gemäß dem Kybele- und Attis-Kult waren sie und ihr Liebhaber Attis (über interessante, unglaubliche und verschlungene Umwege, in denen auch ein Mandelbaum, seine Frucht und der Schoß der Tochter eines Flußgottes eine Rolle spielen,) durch gewaltsame Teilung eines von Zeus im Schlaf durch einen Samentropfen aus dem Erdboden gezeugten Zwitterwesens namens Agdistis entstanden.
Kybele und Attis fanden durch schicksalhafte Anziehung wieder zusammen, zumindest versuchten sie es immer wieder, in der einzig möglichen Form…
Kurz zusammengefasst ist es in Anbetracht solcher Komplikationen und sexueller Erklärungs-Notstände überhaupt kein Wunder, dass anscheinend keiner auf sich nimmt, diese Symbolfigur der Vereinigung zweier Flüsse zu erklären und man sich einfach darauf verläßt, dass „gefühlt“ eh klar ist, worum es hier geht: um Fruchtbarkeit.Mich würde noch interessieren, wer der Künstler war, und ob er wohl gewußt hat, dass der Hippocampus im Gehirn funktional für (sehr vereinfacht) Erinnerungen und Orientierung zuständig ist?
Ich zumindest habe bei dieser Mischung aus Mythologie und Praxis ein zufrieden-staunendes Dauergrinsen auf den Gesicht.

15 Gedanken zu “Der Hippokampos am Zusammenfluß von Raab und Kleiner Donau

  1. Bloggen bildet. Ich finde gerade die Verbindung von Themen die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber doch gemeinsame Merkmale aufweisen, interessant. Leider kann ich mit dem Namen des oder die Künstler nicht dienen. Aber es verwundert schon, dass es nur wenig Informationen darüber gibt. Bin mal gespannt ob Du noch mehr darüber heraus finden wirst.

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    • Danke, Stefan, dass du dem verworrenenen Fadenverlauf im Text gefolgt bist!
      Eine Tabellenform mit Überschneidungen wäre übersichtlicher gewesen, aber das bietet WordPress leider nicht an, und es hätte nach meinem Gefühl wieder getrennt, was ich im Text zusammenführen wollte.
      Oder doch lieber ein Mengendiagramm?, das hätte zumindest optisch die weiblichen Formen der Statue aufgenommen ^^
      In der offiziellen Touristeninformation von Györ nannte es der Karten-Gestalter fälschlicherweise“Pegasus“, aber dafür fehlen dem Wesen die Flügel.
      Demnach ist diese Skuptur zwar jedem „irgendwie bekannt“, aber auf eine so beiläufige Weise, dass sich keiner in das Thema so vertieft hätte, dass es im Web erscheint, auch nicht unter „Pegasus“ und des Begriffs „Hippocampos“ hat sich offenbar lediglich das in der Nähe davon gelegenen Altstadt-Hotel „Schweizer Hof“ als Teil des Restaurant-Namens angenommen.

      Na, vielleicht stolpert mal jemand, der es auch wissen wollte, über diesen Eintrag, und ergänzt mit seinen eigenen Überlegungen.

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  2. Das Thema hatten wir ja schon und ich bleib dabei…das ist Demeter/Ceres 😉

    forest123456 schreibt:
    2013/10/11 um 18:49
    In Bezug auf diese Statue, – die doch ziemlich dominant am Zusammenfluss der Flüsse Raab und „ Mosoni Duna“, (ein Seitenarm der Donau) steht – ist das eine interessante Frage, denn in der offiziellen Tourismusbröschüre (Link entfernt) wird diese Statue als „Pegazus“ bezeichnet, was offensichtlich nicht stimmt, denn in der griechischen Mythologie ist das ein Pferd mit Flügeln.

    Vielmehr handelt es sich hierbei um ein “Hippokampos” (griechisch ἱππόκαμπος, von ἵππος „Pferd“ und κάμπος „Monster“[1]) – in latinisierter Schreibung Hippocamp – ist ein Fabelwesen, vorne ein Pferd, hinten ein Fisch. In Darstellungen der griechischen Mythologie – wie auf Münzen – wird es als Zug- oder Reittier verschiedener Meeresgötter dargestellt.

    Die Frau von der Statue ist aber vermutlich – wegen der Fackel – nicht eine Meeresgöttin sondern Demeter (griechisch) / Ceres (römisch) – Erdgöttin, Fruchtbarkeitsgöttin – bei welchen unter anderem eine Fackel das Erkennungszeichen ist.

    Dass es sich um Demeter/Ceres handeln wird, darauf weist auch das Stück „Boden“ hin auf dem die Frau steht. > Foto bei Panoramio

    Die Statue scheint somit eine mythologische Mischung und Andeutung zu sein, dass das Wasser für die Fruchtbarkeit des Bodens sorgt.

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    • Ob das Zufall ist ?

      (Puzzelblume: Entschuldige bitte, aber wegen Problemen mit WordPress habe ich den Kommentar an dieser Stelle redigiert und den Link der Bäckerei mit dem Namen Ceres wegen Beanstandung von Werbung durch WP entfernt, vielleicht hebt das die Zensur endlich wieder auf.)

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      • Sieht lecker aus, jedenfalls. Bezieht sich wahrscheinlich eher auf den Zusammenhang mit dem verwandten Wort „Cerealien“, vielleicht soll es auch suggerieren, die Sandwiches schmeckten göttlich….
        Ah, 💡 das bringt mich darauf, dass ich Toastbrot brauche. 🙂

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        • die webseite von denen sagt das: (leidlich übersetzt von Google )

          „Über

          Die Namen Ceres ist wohl niemand klingt vertraut, als den Träger (der gleich dem Griechen Déméterével) die Römer von der Ernte, die Göttin der Landwirtschaft, war der Mythologie, Ceres wurde eingeführt, um die Menschheit die Geheimnisse der Anbau von Getreide.
          Das Brot ist dank der Göttin Ceres, ’s stilvolle so unser Name war die Göttin, uns die Gyor Co. Ceres. Bäckerei Unsere Firma in den frühen 50er Jahren gegründet wurde, während einer langen Reihe von Jahren eine Menge Veränderungen, darunter die Namensänderung erfahren wird, so viele Menschen könnten in früheren Firmennamen haben, kann die Bäckerei Gyor wie ein Freund zu sein scheinen.
          Signifikante Jahr für unser Geschäft im Jahr 2002, hat sich seitdem in Ceres Bäckerei wurde als Markenname eingeführt.“

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    • Letzteres wenigstens steht außer zweifel. Um die Fackel hatte ich mich noch gar nicht gekümmert, deren Flamme so seltsam überhängt, als käme da Wasser und ein Fisch heraus. Ich glaube, der Bezug zur Fackelträgerin Demeter / Ceres kann getrost mit dazugenommen werden in dieses Konglomerat aus mythischen Puzzleteilen, die der Künstler da fröhlich vermengt hat, um Vereinigung und Fruchtbarkeit sinnbildlich darzustellen.
      Ob diese unbekümmerte Ungenauigkeit wohl auch der Grund sein könnte, warum keiner eine ernsthafte Aufmerksamkeit darauf lenken mag? Stilistisch wirkt es deutlich nach-klassiszistisch und damit von der ernsthaften Verehrung der Antike (kommunistisch) befreit.

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          • Gerade habe ich mir das von dir gefundene Foto bei Panoramio von Lajos Veér noch einmal angesehen, Forest, darauf sieht man nämlich in dem gnadenlosen Sonnenlicht, wie grob die ganze Statue zusammengesetzt ist, die „Nähte“ sind unübersehbar.
            Ich habe für später einen Eintrag vorgesehen mit einer Aphrodite, die ähnlich skurril wirkt und nur wenig entfernt davon steht.
            Darüber grüble ich nun auch nach: im Burgenland gab es einen Skulpturenpark beim Steinbruch St. Margarethen, in dem Studenten und „fertige“ Künstler ihre Skulpturen schufen und stehen liessen, das Bildhauersymposion St. Margarethen.

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  3. Vier Jahre später war ich wieder auf die Suche und fand endlich eine kleine Notiz, die jemand seinem Stockfoto beigestellt hat und die mir weitergeholfen hat (thx, albaman!) bis zum ungarischsprachigen Wikipedia-Artikel mit der Auflösung: Schöpfer des Hippokampos ist der griechische Künstler Makrisz Agamemnon, Geburtsname: Makrisz, Mémosz, geboren am 14. März 1913 in Patras, Griechenland, verstorben am 26. Mai 1993 in Athen, der lange in Ungarn gelebt hat. … – > selber den ganzen Artikel lesen – … Die Skulptur mit dem korrekten Namen Vízicsikó ( Ungarisch für Seepferdchen) wurde datiert mit 1958, aus Kupferplatten gefertigt und hatte, überraschenderweise, während der nächsten Jahrzehnte ihren Platz am Bahnhof von Györ, als Einweihungsdatum fand sich der 28. August 1962 an anderer Stelle, nämlich > hier, fand ich eine genaue Verortung des ersten Standortes beim Bahnhof, nämlich an der Révai Miklós utca. Tatsächlich hatte es sich um einen Auftrag zur Verschönerung des Bahnhofs gehandelt. Erst 1981 wurde das „Seepferdchen“ nach einer Restauration durch Szlávics László (Bildhauer, 1927-1991) zum heutigen Standort auf der Insel verlegt, wo Rába und Mosoni-Duna zusammenfließen.

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