„Wenn Ihr unsern Erwartungen fehlt, so wollen wir Euch zwar nicht mit spitzigen Lanzen wie der böse König von Elis, wohl aber mit spitzen Zungen durchbohren.“ (Bücherberg 7/77/3)

Donna Isabella d’Este, verwitwete Gonzaga, spricht den an Kardinal Ippolito de‘ Medici gewandten 7ten Satz auf Seite 77 in Isolde Kurz‘ „Nächte von Fondi“.

Isolde Kurz „Nächte von Fondi“, in München bei C.H.Beck. 1922 erstmals erschienen

Es ist ein mittlerweile beinahe neunzigjähriges Buch. Wegen des empathischen Stils reizt es zum lauten Vorlesen, aber es mehr als einmal zu lesen wäre eine Schwindel erregende Überdosis. Der sprachliche Stil, die unzähligen, verschlungenen Verweise auf die griechischen Antike, oder anderes historisch und kulturell Interessantes, bei meiner Ausgabe auf nur 221 Seiten, beanspruchen extrem. Dabei handelt es sich im Grunde „nur“ um eine kurze, lediglich ein Jahr dauernde Liebesgeschichte zwischen Julia Gonzaga, verwitweter Colonna, Gräfin von Fondi, Herzogin von Trajetto mit dem Kardinal Ippolito de‘ Medici …
Will man der enthaltenen Fülle des Buches auf den Grund gehen, kommt man aus dem Googeln gar nicht mehr heraus, weshalb, erklärt sich wahrscheinlich aus der Biographie der Schriftstellerin:
Isolde Kurz wurde 1853 geboren, Tochter des Schriftstellers und Bibliothekars Hermann Kurz und dessen Frau Marie Kurz, geb. Freiin von Brunnow. Die Eltern hatten einen hohen, ihrer Zeit entsprechend die Antike idealisierenden Bildungsstand, gleichzeitig aber auch einen politischen Hintergrund als patriotischer Burschenschafter väterlicherseits und revolutionäre Sozialistin mütterlicherseits. Es lohnt sich tatsächlich, auch diesen Hintergründen nachzugehen, sie haben Leben und Bücher Isolde Kurz‘ geprägt, bis sie 1944 starb, etwa so alt, wie ihr Buch hier vor mir heute. Ihre Auflagenzahlen müssen damals beachtlich gewesen sein.
In einem der weiteren Kartons müßte noch ein zweites Buch von ihr liegen, auch noch aus Beständen meiner Großmutter, „Vanadis“ heißt es. Ich wollte beide wenigstens einmal gelesen haben, deshalb.

Das ganze Buch kann online gelesen werden bei > openlibrary.org, Isolde Kurz „Nächte von Fondi – Eine Geschichte aus dem Cinquecento“

11 Gedanken zu “„Wenn Ihr unsern Erwartungen fehlt, so wollen wir Euch zwar nicht mit spitzigen Lanzen wie der böse König von Elis, wohl aber mit spitzen Zungen durchbohren.“ (Bücherberg 7/77/3)

  1. Das Buch kann man wirklich nicht on-line lesen. Da gebe ich Martina schon recht. Zum Lesen solcher Exoten braucht man körperliche Umgebung mit allem Drum und Dran und nicht wie ein Leseanalytiker vorm Bildschirm oder sowas. Es ist doch ne Lovestory!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..