„Die Scheidungsklage kann schriftlich eingebracht oder bei Gericht an Amtstagen (meistens Dienstag und Freitag vormittags) zu Protokoll gegeben werden.“ (Bücherberg 7/77/5)

„Die Scheidungsklage kann schriftlich eingebracht oder bei Gericht an Amtstagen (meistens Dienstag und Freitag vormittags) zu Protokoll gegeben werden.“ – so steht es als 7. Satz des „Formalitäten-Wegweisers“ auf Seite 77, und Professor Dr. Werner Olscher hat damit ein umfassendes, informatives und praktische Orientierung gebendes Werk verfasst, und es war mir während zehn Jahren als deutsche Expatriat in Österreich wichtige Informationsquelle.

„Formalitäten-Wegweiser“, Professor Dr. Werner Olscher. Nie mehr Probleme mit Behörden, Insitutionen, Betrieben, Mitmenschen.
Mit allen wichtigen Adressen und Telefonnummern.

Wie man unschwer an den gelben Zettelchen erkennen kann, brauchte ich eine Menge Orientierung zu beinahe eh allem.
Die Seite 77 glücklicher Weise nicht, aber interessant ist sie allemal, denn das österreichische Vorgehen ist auch beim „sich scheiden lassen“ ein völlig anderes als in Deutschland. Bis eben war mir dieser Weg, damit direkt in die Amtsstube marschieren zu können, sofern Dienstag oder Freitag vormittags wäre, noch unbekannt.
Als ich in die Nähe von Wien – an den Neusiedler See – zog, mußte ich mich nicht nur schlau machen über alles, was notwendig war, um als „Fremder“, also Person, die die österreichische Staatsbürgerschaft nicht besitzt, überall gemeldet zu sein, wo es notwendig war, sondern für mehr als eine Person, für Familie.
Familie bedeutet: es gibt mehr Multiplikatoren für die Notwendigkeiten, nicht nur die Meldeverfahren und Versicherungsbedingungen, sondern auch unbedingt die Spezialitäten der Sprache zu lernen, um den Kindern für der Schule bei den Hausübungen helfen zu können, statt sie zu verschlimmbessern, wenn sie lesebuchgemäß „die rechte Tuchent [sei] dünkler gepünktet als die linke“ schrieben. Darüber hinaus mußte ich die österreichische Schulschrift zu lernen versuchen, um zu verstehen, dass zahlreiche Schreibschrift-Buchstaben einen Schulanfänger vor ganz andere Schwierigkeiten stellten, als ich aus Deutschland wußte.
Meine Kinder haben umgekehrt später den niedersächsischen Lehrern abgetrotzt, dass sie weiter so schreiben, wie sie es gelernt hatten.
Das hat mit dem Buch nichts zu tun, aber es fiel mir gerade ein, weil auch das Buch gespickt ist mit solchen Spezialitäten.
Die berüchtigte österreichische Bürokratie ist übrigens nicht schlimmer als die deutsche. Anders, aber nicht schlimmer. Man muß mehr Mozart hören in den Warteschleifen.
Der rotweissrote Wälzer ist nun 13 Jahre alt und damit zwar sicher nicht in jeder Hinsicht überholt, aber ich würde mir, sollte ich es noch einmal benötigen, doch lieber eine aktuelle Ausgabe besorgen, dann aber ganz bestimmt.

11 Gedanken zu “„Die Scheidungsklage kann schriftlich eingebracht oder bei Gericht an Amtstagen (meistens Dienstag und Freitag vormittags) zu Protokoll gegeben werden.“ (Bücherberg 7/77/5)

    • Ja, wirklich. und ich war recht froh darüber, damit etwas „erwischt“ zu haben, das tatsächlich zumindest im Jahr 2000 wesentlich anders war als in Deutschland.
      Dass einem das Thema öfter begegnet, liegt vermutlich an den Altersgruppen, in denen man sich hauptsächlich bewegt und nach 30 zieht’s halt etwas an mit der Häufigkeit, mit der darüber gesprochen wird. Vorher trennt man sich ja bloß.

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  1. Das (Wenige) ,was ich von österreichischer Bürokratie kenne, wirkt auf mich immer etwas schrullig, während die deutsche Variante oft technokratisch-kühl ist.

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