Hin und Her auf den Ramblas

Für halb elf am Vormittag war es ein beachtliches Hin und Her von Menschen, das sich auf der Mittelpromenade der Ramblas bewegte. Einige schauten sich die Souvenir- und Zeitungskioske genauer an, manche gingen zielstrebig daran vorbei, davon blieben wieder jemand plötzlich stehen, um zu handyfonieren oder vielleicht auch nur den Stadtplan abzulesen, ein paar fotografierten auch, so wie ich. Dazwischen trippelten Tauben herum und einige alte Männer saßen auf den Bänken unter den Platanen, lasen oder schauten dem Treiben zu.
Besonders denen mit Rucksäcken und hinterhergezogenen Koffertrolleys konnte man den Touristen ansehen, oder denen mit Jacken im Partnerlook, oder den wild zum Urlaub im Süden Entschlossenen in kurzen Hosen oder Sommerkleidchen, während die Einheimischen noch warme Kleidung vorzogen und Stiefel an den Füßen. Wer von ihnen zum Einkaufen ging, blieb eher auf dem Gehsteig entlang der Häuserreihen, statt zwischen Souvenirständen umher zu spazieren.
Weil man auf den Fotos ständig die gelben Ampel-Pfosten sehen kann, fällt mir außerdem noch positiv zu erwähnen ein: Ich habe Barcelona entgegen meiner Erwartung als sehr fußgängerfreundliche Stadt kennengelernt. Die zahlreichen Fußgängerampeln lassen einen nicht allzu lange warten, die Geh-Phasen sind häufig und lang genug, an Zebrastreifen halten mehr Autofahrer freiwillig, als durchfahren – zumindest war dies meine Beobachtung.

  1. Das erste in der Reihe ist auf der Rambla de Sant Josep gemacht, auf der rechten Seite ist der Palau de la Virreina wieder zu erkennen, oben mit der Reihe von steinernen Vasen, ein Plakat mit dem „Auge“ der Sophie-Calle-Ausstellung kann man auch entdecken.
  2. Das zweite Foto zeigt etwas Menschengewusel zwischen den Souvenir-Kiosken auf der Rambla dels Estudis, gleich neben der Kirche Església de Betlem. Den Namen trägt dieser Teil der Rambla nach den Studierenden, die hier früher, vor dem Abbruch der Stadtmauer, in verschiedenen Universitäts- und Lehrgebäuden unterrichtet worden waren. Sie wurden größtenteils ebenfalls abgerissen.
  3. Das dritte Bild zeigt einen Abschnitt der Rambla de Canaletes, zurück fotografiert. In Gehrichtung waren es von dort nur noch etwa hundert Meter bis zur Plaça de Catalunya. Hier werden traditionell vorwiegend Zeitungen gekauft, verkauft und sofort gelesen; beim Fotografieren dieser Stelle befand sich in meinem Rücken unweit davon der Treffpunkt der Fußballfans und die durch einen eisernen Brunnen mit Lampe geleitete „Wunderquelle“, von der jeder, der von diesem Wasser trinkt, immer wieder nach Barcelona gebracht werden soll: die Font de Canaletes. Die Bezeichnung „Canaletes“ beschreibt das uralte römische Wasserversorgungs-System, das bereits von den ersten römischen Gründern angelegt worden ist, um Wasser aus dem Rio Besós und dem Küstengebirge Serra de Collserola heranzubringen, und die im 10. Jh. in Rinnen zur Bewässerung der Felder und Tränken des Viehs umgebaut wurden, bzw. um Abwässer wegzuleiten, so dass sie früher bis zum Abriss der alten Stadtmauern im 19. Jh. dort vorbeigeführt haben, wo sich heute die Promenade befindet. Der Brunnen soll sich ursprünglich auf dem Gelände der ebenfalls abgetragenen alten Universität befunden haben und wurde bewahrt, aber wegen der Industrialisierung und Kontaminierung mit deren Abwässern hat man das offene Kanalsystem aufgegeben.

Die Fotos sind vom Vormittags des 10. April 2015, ungefähr zwischen halb und Viertel vor elf Uhr vormittags auf den Ramblas, Barcelona.

4 Gedanken zu “Hin und Her auf den Ramblas

  1. Am Wochenende gehen die Barcelonesen gerne mit der Familie die Rambla rauf und runter. Weihnachten werden auch gerne die neuen Pelze getragen und gezeigt. Mir gefällt das, einmal rauf und runter und Freunde und Verwandte grüssen.

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  2. Für fußgängerfreundlich halte ich die Ramblas auf jeden Fall auch.
    Wie sieht es für (Stadt-)Radler dort aus? Dürfen die (zeit-/streckenweise) auf die Promenade und/oder auf die Fahrbahnen daneben?

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    • Sich ein Fahrrad zu leihen ist vermutlich gescheiter, als mit einem eigenen Rad immer wieder einen Abstellplatz suchen zu müssen, während man etwas besichtigt.
      Es gibt zahlreiche touristische Fahrrad-Führungen (neben Skates und Segways).
      Es gibt Radwege und man darf wohl auch Fußwege benutzen, trotzdem sind mir Radfahrer dort und in Parks wenig aufgefallen, es scheinen einfach weniger zu sein.
      Der Einheimische an sich fährt Öffis, nicht eigenes Rad (Diebstahlgefahr) oder City-Rad (nur Einheimische) aber innerhalb der Stadt aus Zweckmäßigkeit. Wer es in seiner Freizeit als Sport tut, verläßt dazu die Stadt und tut dies in den Bergen des Hinterlandes.

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