Noch einmal an der Plaça de Catalunya (Teil 2)

2015-04-10 Barcelona IMG_2019 Rinderskulptur an der Plaza de Catalunya

Oberhalb des Platzes verläuft eine Straßenlinie mit mehreren Einmündungen; die Ronda de la Universitat trifft hier, von links kommend, auf die Rambla de Catalunya und stößt dort auf den Verkehr, der südlich von den Ramblas und der Carrer de Pelai herkommt, nordöstlich vom Passeig de Gràcia, der Ronda de Sant Pere und der Carrer de Fontanella, sowie südöstlich von der Avinguda Portal de l’Àngel um den Platz strömt.
Auf dem ersten Bild bin ich gerade auf dem Weg zum linken oberen Rand der Plaça de Catalunya.
Links hinter dem roten Stadtrundfahrten-Bus und der gerade grünenden Baumkrone verbirgt sich die Eckfassade der Casa Augustí Manaut, auf der rechts gegenüber liegenden Ecke sieht man die abgeschrägte Ecke der Casa Pich i Pon, gebaut für den Geschäftsmann und Politiker Joan Pich i Pon. Die gegenwärtige Erscheinung geht auf den Entwurf des Architekten Josep Puig i Cadafalch von 1919 zurück, den ersten Vertreter der Stilrichtung des Noucentisme, der katalanischen Variante des Neoklassizismus, mit dem der ursprüngliche Bau nach Josep Vilaseca i Casanovas von 1910 verändert worden war und 1921 fertiggestellt: man hatte es den Größenverhältnissen des Hotels Colon zu seiner Rechten angepaßt. In den folgenden Jahrzehnten veränderte sich das Aussehen immer wieder, Türmchen kamen, gingen und wurden wieder aufgesetzt, nachdem das Hotel der heute benachbarten Banco Español de Crédito gewichen war > hier.
Zur Beschreibung des anderen Hauses komme ich unter dem nächsten Foto, auf dem man die Casa Augustí Manaut vollständig und unverstellt sehen kann:

2015-04-10 Barcelona IMG_2024 Casa Bosch i Alsina (links) an  Ronda de la Universitat

Auf der der Casa Pich i Pon gegenüberliegenden Straßenecke, ebenfalls mit der chaflàn oder ochava genannten abgeschrägten Ecke, steht die Casa Augustí Manaut zwischen der Ronda le la Universidad und der Rambla de Catalunya.
Das Haus heißt nach Agustí Manaut i Taberner und wurde zunächst vom Architekten von Eduard Mercader i Sacanella geplant; 1892 ursprünglich war es ein Theater und hat eine noch umfangreichere Umgestaltungshistorie als das andere Eckhaus; im Zuge diverser Firmengeschichten, ohne und mit Türmchen und Kuppeln ist es > hier anzusehen.
Das Haus mit der Reihe Zierobelisken am linken Bildrand ist ein Teil der Casa Bosch i Alsina, von Bonaventura Bassegoda i Amigó im neogotischen Stil entworfen für den Arzt, Geschäftsmann und Politiker Ròmul Bosch i Alsina, und 1892 fertiggestellt.
Schon als ich noch unter der Nase des Bullen oder der Kuh von Girona (erstes Bild) hindurch ging, konnte ich in der abzweigenden Rambla de Catalunya noch mehr imposante Gebäude mit interessanten Details erkennen. Jetzt, wo ich direkt am Ende der Plaça de Catalunya auf der Straßenkreuzung stand, war zu erkennen, dass die Rambla de Catalunya am Ende der Sichtachse den Blick zum Berg Tibidabo freigibt:

2015-04-10 Barcelona IMG_2020A Rambla de Catalunya

Um noch besser in die Einmündungen hineinsehen zu können und um mit einige Meter näher das Zoomflimmern etwas zu verbessern, ging ich auf die andere Straßenseite, und tatsächlich wurde der Berg mit dem bald 120 Jahre alten Vergnügungspark, gekrönt vom dem der auf dem Pariser Montmartre stehenden Basilica de Sacré-Cœur nachempfundenen Temple Expiatori del Sagrat Cor, unterhalb dessen das Riesenrad steht, wenigstens etwas besser erkennbar.

2015-04-10 Barcelona IMG_2023 von der Plaza de Catalunya zum Tibidabo gezoomt

Der Berg gehört zum Küstengebirge, der Serra de Collserola, der Name nimmt Bezug auf die Versuchungen des Jesus Christus durch den Teufel – aber für den hatte ich keine Zeit, für den Berg.

Näher dran und deutlicher zu fotografieren war das Haus mit den vielen hübsch kupfern schimmernden Erkertürmchen, das auf der Straßenecke der Rambla de Catalunya mit der Gran Via de les Corts Catalanes steht, die Casa Pia Batlló:

Die Casa Pia Batlló wurde zwischen 1891 und 1896 nach einem Entwurf des Architekten Josep Vilaseca i Casanovas gebaut, im Stil des katalanischen Modernismus mit eklektischen Aspekten und historizistisch beeinflußt von der venezianischen Gotik, mit sehr verspielten, märchenbuchhafte Einzelheiten wie mythologischen Drachen- und Greifenwesen sowie Blumenornamenten.
Gleich Wand an Wand benachbart zur Casa Pia Batlló befindet sich das von Francesc de Paula Nebot entworfenen und 1923 Kino und Theatergebäude des Coliseum; davon habe ich aus der Entfernung nicht so viel gesehen, nur Türmchen, Kuppel und Inschrift wie auf den Fotos zu sehen:

Wer sehen möchte, wo in der Umgebung der Plaça de Catalunya das zu finden ist > hier ist es verlinkt.

Für den nächsten Blick auf die auffallenden Gebäude der Umgebung am oberen Rand der Plaça de Catalunya muß man zuerst wieder zurück auf den Platz, von wo rechts vom weißen Bankhaus der Banco Español de Crédito und dem treppenförmigen Monumento a Francesc Macià andere „märchenbuchhafte“ rostbraun gedeckte und reich verzierte Türmchen ins Auge fallen:

2015-04-10 Barcelona IMG_1994 an der Plaza de Catalunya

Sie ragen rechtsseitig am Passeig de Gràcia an der Einbiegung zur Carrer de Casp über die Reihe der Baumkronen und gehören zu den Cases Rocamora. Unten sieht man sie noch einmal herangezoomt:

2015-04-10 Barcelona IMG_1988 Cases Rocamora Passeig de Gràcia

Die Cases Rocamora wurden 1914 bis 1917 im modernistischen Stil mit neogotischen Elementen nach Plänen von Joaquim i Bonaventura Bassegoda i Amigó für Antoni Rocamora, einen erfolgreichen Seifenfabrikanten, gebaut. Der Hausname steht im Plural, weil es sich um drei (oder vier?) sechsetagige Häuser in Reihe handelt, jedes mit separatem Eingang.

Geschafft! Die nächsten Artikel vom Weg zur Sagrada Familia werden erholsam kürzer ausfallen. – Diese Fotos sind am Vormittag des 10. April 2015 in Barcelona aufgenommen. Katalonien, Spanien; klickt bitte zum Vergrößern die kleineren Bilder an.

5 Gedanken zu “Noch einmal an der Plaça de Catalunya (Teil 2)

  1. Ja, da hab ich gerade überlegt, ob du nicht vllt. Gefallen an der Herausgabe von Städteführer haben könntest. Aber dann nicht nur nebenher hier, sondern neuer Blog by Puzzleblume. Und dann auch mit Details zu den Versuchungen des Jesus Christus auf dem bald 120 Jahre alten Vergnügungspark von Barcelona. Ansonsten hat Bayern gestern dramatisch durch den echt genialen Messi die Grätsche gemacht. Ja, so kanns gehen. LG Claus

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