Ein „Goldfisch“ am Strand

El Peix , „der Fisch“ oder auch El Peix d’Or , „der Goldfisch“ wird die große Metallskulptur genannt.
Auf dem ersten Bild sieht man sie von weitem und dank des architektionischen Ensembles der ihn umgebenden Gebäude sieht es aus, als hätte der Fisch eine Perle ausgespuckt.

An jenem Punkt endet die Playa de la Barceloneta mit einer großen, baugewordenen Geste, die auf mich wie eine phantasievolle Szene aus dem Bauklötzchenland wirkte, oder wie eine konstruierte Zeichenaufgabe im Kunstunterricht, zum Üben der Darstellung von geometrischen Körpern, Dreidimensionalität, Größenverhältnissen, Schatten und Strukturen. Statt dessen habe ich es von allen mir möglichen Seiten fotografiert.

DerPeix d’or ist ein Werk des Künstlers Frank Owen Gehry, aus der Ferne wie ein großer Fisch wirkend, aus der Nähe als ein netzartig verflochtenes Dachgebilde erkennbar, aus kupfergoldschimmernden Stahlstreifen auf einem weißlackierten, kompliziert miteinander verstrebten Metallgerüst, dem man vorn eine japanisch anmutende Teich- und Holzterrassen-Landschaft unterlegt hat und, für Gäste des Fünfsternehotels dahinter betretbar, einer Rasenfläche mit Olivenbäumen. Das Gebilde ist 56 Meter lang und 35 Meter hoch und wurde zu den Olympischen Sommerspielen von 1992 in Barcelona errichtet.

Das ebenfalls mit weißen Metallverstrebungen dem Gerüst des Goldfisches perfekt angepasste > Hotel Arts, das dem Fisch am nächsten steht, wurde anscheinend schon 1988 begonnen, aber erst 1994 zum Luxus-Hotel der Ritz-Carlton-Gruppe. (Vermutlich rühren daher die abweichenden Angaben, die man im Web findet.)

Auch das hintere der beiden Hochhäuser, der Torre Mapfre der Versicherungsgesellschaft Mapfre, wurde etwa gleichzeitig gebaut. Sie sind mit 154 m gleich hoch, aber im Gegensatz zur Wirkung des Gesamtbildes gehört nur letzteres, auf der anderen Straßenseite der Carrer de la Marina, zur Olympiastadt, zur Vila Olímpica de Poblenou , während sowohl der „Fisch“, das Hotel und auch das nicht minder Aufsehen erregende kubische Restaurantgebäude mit Kugel und Pyramide faktisch zum Stadtteil La Barceloneta zählen.
Vor der Frontansicht des schimmernden Kunstwerks überschreitet man eine Brückenkonstruktion mit ebenfalls weiß gestrichenen Eisenstreben, die den ersten Blick auf den Olympia-Sporthafen Port Olímpic einrahmen.

Klickt man die Bilder an und betrachtet sie in ihrer normalen Größe, sind Schriftzüge zu entdecken, auch den des ebenfalls dem Peix d’Or benachbarten Casinos von Barcelona, das 1999 in den unteren Bereich des Hotel Arts eingezogen ist. Thematisch paßt das gut zueinander.
Von den meisten Touristen, die ihn betrachten und fotografieren, wird das Kunstwerk einfach als maritim empfunden, anders als sein Schöpfer Frank Gehry: dieser erklärte ihn als symbolische Kritik an der unfruchtbaren historischen Bezugsfixiertheit der Postmoderne.
Falls jemand sich mit dieser Kritik auseinandersetzen möchte, habe ich von der ‚Erlanger Liste‘ einen schon älteren Artikel des österreichischen Literaturwissenschaftlers und Kulturjournalisten Christian Köllerer verlinkt: > Die Errungenschaften der Postmoderne als Theorie; Eine philosophische Kritik von Christian Köllerer (Wien, 1999) – es braucht wohl einen Wiener, um dies in eine sprachliche Form zu bringen, die anziehender ist als der Gegenstand der Betrachtung.

Die Fotos sind aus die Mittagszeit des 11. April 2015 am Passeig Marítim, La Barceloneta, zum Vergrößern bitte anklicken

3 Gedanken zu “Ein „Goldfisch“ am Strand

  1. Frank Gehry ist für freie geschwungene Formen bekannt. Meistens sind es jedoch Bauten mit Nutzung z.B. auch die DZ Bank in Berlin (Konferenzraum wie ein Walfisch). Als Kunstform kenne ich nur das Objekt in Barcelona.
    Am Hafen gibt es ganz gute Fischrestaurants: Zielpunkte des Kormorans….

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  2. Sehr futuristisch, das Kunstwerk. Mir gefällt es sogar ganz gut.
    Ich kann allerdings auch gut verstehen, dass man nicht gleich die vom Künstler beabsichtigte philosophische Symbolik dahinter erkennt 😉

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    • Es hat beim Davorstehen etwas von „des Kaisers neuen Kleidern“, weil unter dem glänzenden Überbau nichts ebenso Spektakuläres zu finden ist. Aber das erwartet der Normalo von so einem Gebilde doch auch nicht wirklich, sondern freut sich an seiner Phantasie vom Fisch, bis sich aus der Nähe betrachtet die Vorstellung in der Konstruktion verliert.
      In der theoretischen Kunstbetrachtung, wenn dies hier symbolisch sein soll, wäre das allerdings eine provokative Aussage, und darum wird ein Künstler so einen Vorwurf wohl lieber einer von ihm ungeliebten Strömung zuschieben, als ihn selbst mit zu repräsentieren. ^^
      Dazu fällt mir direkt die neue Haribo-Werbung mit ‚Bully‘ Herbig ein:

       

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