Auf dem Weg zum Mercat de Sant Antoni

Ein neuer Tag in Barcelona: der 12. April 2015 war ein Sonntag und wieder mit herrlich sonnigem Wetter.
Ich hatte gelesen, sonntags würde an einer westlich der Rambla del Raval gelegenen Markthalle, dem Mercat de Sant Antoni, statt des üblichen Marktbetriebs regelmäßig ein antiquarischer Bücher- und Sammlerflohmarkt abgehalten; den wollte ich besuchen.
GoogleMapsSatellite Carrer de San Rafael - Mercat de Sant Antoni

Man findet vom Kopfende der Rambla del Raval ganz leicht dorthin: man muss nur geradeaus gehen, denn die Carrer del Hospital verbindet sich am spitzen Ende der dörflich wirkenden Plaça del Pedró mit der Carrer de Antoni Abat. Der Platz, man sieht ihn auf dem ersten Foto, ist im 19. Jh. entstanden, aber es gibt auch wesentlich ältere Gebäude dort:

2015-04-12 Barcelona IMG_2442B 10h49 Carrer del Hospital - Plaça del Pedró

2015-04-12 Barcelona IMG_2443 10h50 Teatre del Raval Carrer de Sant Antoni Abat, 12Bei dem schmalen Häuschen rechts am Bildrand handelt es sich um das ehemalige Hospital del Carmen ; 1703 steht auf dem steinernen Wappenschild über dem steingefassten Balkon, die beiden Köpfe im gotischen Stil, die ihn zu stützen scheinen, gelten als noch älter. Der Brunnen Font de Santa Eulàlia, datiert von 1673. Den Skulpturen auf dem barocken Sockel aus Marmor vom Montjuïc war keine so lange Lebensdauer beschieden. Die jetzige Figur hat Frederic Marès i Deulovol 1951 geschaffen, nachdem die vorige im Bürgerkrieg 1936 abgerissen worden war.
Wie oft auf Barcelonas schönen Plätzen, hat man als Tourist den wohligen Genuss nur durch ungetrübte Ahnunglosigkeit, was auch bei der Vorgeschichte vom nächsten Gebäude zutrifft. Auf dem oberen Foto ist hinten der eigenwilligen Turm der modernistischen Karmeliterkirche zu sehen, entworfen von Josep Maria Pericás i Morros, Schüler Antoni Gaudís, um die 1909 während der Tragischen Woche (durch Einberufungen zigtausender Katalanen zum Marokkokrieg ausgelöster Arbeiteraufstand) zerstörten Klosterkirche San Matías der Hieronymitinnen zu ersetzen. Es gab mehrere Bauphasen: zuerst wurde das Kirchenschiff (1911-1913) gebaut, zehn Jahre später kamen Glockenturm und Schule dazu, 1935 ein Gemeindezentrum mit Italienischem Theater, das Teatre de Raval, dessen Grün links unterhalb des Turms der Karmeliterkirche schon zu erahnen ist, auf dem Bild links zu sehen: mit Tonrohren wurde eine Wand des Theaters begrünt.

Lebendig ist auch das Geschäftsleben im Raval: Die beiden kleinen Geschäfte sind ganz typisch für das ganze, beinahe noch supermarktlose Viertel. In solche Läden gehe ich nur zu gern, wollte mich aber nicht mit Tüten belasten, weil ich doch vorhatte, an der Markthalle Bücher und Bilder anzusehen. Also schaute ich nur und kaufte nichts. Der Weg war nicht sehr weit, nur etwa 600 Meter, aber das Ziel zeigte sich anders als erwartet: als Baustelle nämlich, auf der die schöne alte, von Architekt Antoni Rovira i Trias entworfene Markthalle aus den 80er Jahren des 19. Jhs gerade gründlich skelettiert wurde.

2015-04-12 Barcelona IMG_2449 10h55 Mercat Sant Antoni

Wie seltsam, dass mein neuer Tourismusführer sich darüber ausgeschwiegen hatte, waren doch die Arbeiten an der ältesten Markthalle Barcelonas bereits im Jahre 2007 begonnen und die Halle für die Öffentlichkeit 2009 vollständig geschlossen worden. Der normale Marktbetrieb findet seither in Zelten auf der Ronda de Sant Antoni statt, ebenso der Sonntagsmarkt, in Ergänzung dazu in der Carrer del Comte d’Urgell. Auf dem Google Maps Satellitenbild sind die weißen Zeltdächer sehen, ich aber hatte nur die Kartenversion befragt. Doch auch die Baustelle hat ihre Reize.

2015-04-12 Barcelona IMG_2448 19h54 Mercat Sant Antoni

Dass sich die Bauarbeiten so lange hinziehen, hat nicht nur mit der geplanten Größe des Modernisierungs- und Erweiterungsprojekts an sich zu tun, sondern vor allem mit den dabei entdeckten archäologischen Funden. Darunter verbarg sich ein Teil der römischen Via Augusta, mit der die römische Gründungen entlang der Küstenlinie mit Rom verbunden waren, auch das antike, von Augustus im Jahre 10 gegründete Barcino. Man fand auch Reste des Centuriació romana, des römischen Vermessungssystems, der Limitation, sowie den 1600 Jahre jüngeren Baluard de Sant Antoni, einen der zackenförmigen Verteidigungsbollwerke, mit denen die mittelalterliche Stadtmauer Barcelonas im XVI. Jh. verstärkt worden war. Wer über diese Funde mehr wissen möchte, sollte sich über die katalanische Version des Wikipedia-Eintrags zum Mercat de Sant Antoni durchhangeln; ich bin damit überfordert, das in angenehmer Kürze zusammenzufassen. Der Google-Übersetzer macht das ganz gut, darum verlinke ich das Original > Mercat de Sant Antoni | Viquipèdia

Das Flohmarktgeschehen rund um die Bücherstände unter den Zeltdächern bekommt seinen eigenen Eintrag. – Bitte die kleinen Bilder zum vergrößern anklicken!

3 Gedanken zu “Auf dem Weg zum Mercat de Sant Antoni

  1. Ja, der Fortschritt ist nicht leicht. Auch zu verstehen. Hm

    Ja, sehr schöne Aufnahmen. Aber so Projekte brauch auch Zeit. Ich wollte gestern noch den Weg auf Google Maps vom Römerberg zum Kletterwald anzeigen. Leider hab ich das dann aber schnell aufgegeben. Wie geht das?

    Auch hat mich gestern verwirrt, wie du das Strassenbild als Anzeigebild nehmen konntest, aber nach dem Draufklicken, die Aufnahme im Blog dann nicht mehr zu sehen war. bzw. ist. Aber das nur nebenbei. ^^

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    • Danke! An Geld für die Zeit scheint es Barcelona zum Glück nicht zu mangeln.

      Das Bild ist nicht in dem anderen Artikel eingefügt, das sah unbefriedigend aus darin.

      Wenn du einen Weg zeigen möchtest, benutze den Routenplaner und trage die Etappen ein.
      Du hast die Wahl unter den kleinen Icons „Auto“, „Bahn“ und „Fußgänger“.

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