Mohrenstrasse: Einstein und ein Stein, der ins Rollen kam

Bilder von Neuem und Altem in der Mohrenstrasse in Berlin-Mitte: auf dem ersten Bild links ist das Gebäude des Bundesministerium der Justiz mit einem Einstein-Zitat an der Fassade zu sehen; es steht am oberen Ende der Straße, wo sie mit der Jerusalemstrasse vereint in den Hausvogteiplatz mündet. Das Einstein-Zitat gelangte aus Anlass von 100 Jahren Relativitätstheorie und dem 50. Todestag Albert Einsteins durch eine bundesweite > Aktion zum Einstein-Jahr 2005 auf die Fassade des Bundesjustizministeriums. Das rechte Bild zeigt einfach nur einen interessanten Durchgang zwischen zwei Bürogebäuden in der Nähe der Ecke Markgrafenstrasse.

In der zweiten Galerie sind drei Fotos von den denkmalgeschützten Mohren-Kolonnaden aus dem 18. Jh. von beiden Strassenseiten vereint (Hausnummern 37 & 40 & 41), die sich etwa in der Mitte des Abschnitts der Mohrenstrasse zwischen Ecke Markgrafenstrasse und Hausvogteiplatz finden lassen. Die Mohrenkolonnaden wirken heute, an moderne Gebäude angelehnt, ein wenig verwunderlich, weil ihr ursprünglicher, zweckgebundener Kontext nicht mehr zu erkennen ist, denn gebaut wurden die Mohrenkolonnaden 1787 im Auftrag des preussischen Königs Friedrich Wilhelm II. von Christian Friedrich Becherer nach einem Entwurf von Carl Gotthard Langhans als Laubengang auf einer Brücke über den Festungsgraben, was der heutige Betrachter nicht einmal andeutungsweise ahnen kann.
Die Darstellungen aus dem antiken Pantheon stammen von Christian Bernhard Rode, demselben, der auch mit dem Skulpturenprogramm für den Deutschen Dom beauftragt worden war; nach dessen Entwürfen wurde das Figurenwerk in der Werkstatt von Pierre A. Tassaert und Gottfried Schadow hergestellt. In den Giebelfeldern sind Reliefs antiker Gottheiten und darüber Flussgötter dargestellt, welche die vier Erdteile verkörpern sollen.

Carl Gotthard Langhans war auch der Architekt des wenig später begonnenen Brandenburger Tors, was sich alles miteinander als wunderbare Beispiele für das Serendipity-Prinzip in Zusammenhang stellen läßt, denn zur Wiederaufnahme des Themas „Brücke“ kam es am 9. November 1989 in einem Gebäude gleich nebenan (Haus Nr. 38) durch den Regierungsvertreter der DDR, Günther Schabowski, als dieser sich nach der vorhergegangenen Alexanderplatz-Großdemonstration vom 4. November ’89 anlässlich einer Pressekonferenz zu den neuen Privatreiseregelungen für DDR-Bürger ins Ausland äußerte und damit Öffnung und Fall der Berliner Mauer auslöste und die legendären Feiern am Brandenburger Tor.
Fotos vom Spätnachmittag des 27. Juli 2015 auf einem Bummel durch Berlin-Friedrichstadt – zum Vergrößern bitte die kleinen Bilder anklicken!

7 Gedanken zu “Mohrenstrasse: Einstein und ein Stein, der ins Rollen kam

  1. Schon spannend, wie hier Schauplätze ganz unterschiedlicher Bau- und politischer Geschichte dicht nebeneinander liegen. Toll auch der Link zu den vielen Einstein-Zitaten in einem schlichten Word-Dokument 🙂

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