Lissabon – Stadtbummel am ersten Abend (5)

 

Das Haus mit den allegorischen Azulejo-Bildern in Gelb- und Ockertönen auf der Fassade befindet sich am oberen Ende des Largo Rafael Bordalo Pinheiro. Das als Ganzes Casa do Ferreira dos Tabuletas genannte Haus hat die Adresse Rua (da) Trindade 28-34. Es wurde 1864 für den reichen galizischen Geschäftsmann Manuel Moreira Garcia auf dem ehemaligen Grund des Conventos da Santíssima Trindade errichtet, aber seinen Namen trägt es nach dem Maler und Fliesenkünstler Luís Antonia Ferreira, der den Fassadenschmuck schuf. Die allegorischen Figuren stellen Erde, Wasser, Industrie, Handel, Landwirtschaft und Wissenschaft im Trompe-l’Oeil-Stil dar. Sie wurden durch die 1849 gegründete Fábrica de Cerâmica da Viúva Lamego gefertigt. – Rechts davon entdeckte ich die Abwandlung des berühmten Descartes-Dictums „cogito ergo sum“: „Penso Mas Não Existo“ bedeutet: „Ich denke, aber mich gibt es nicht,“ eine sehr Fernando-Pessoa-gemässe Inschrift auf der Rua Trindade 18.
Wieder in meiner ursprünglichen Richtung sah ich das purpurfarbene Teatro da Trindade mit dem grossen, runden Stuckmedaillon in Weiss und vielen kleineren Portrait-Medaillons in seiner Fassade: es wurde 1867 an der Rua Nova da Trindade nach Entwürfen von Miguel Evaristo de Lima Pinto auf dem Gelände des ehemaligen, vom Erdbeben zerstörten Palácio dos Condes de Alva errichtet und 1887 eingeweiht. Geht man daran entlang und biegt links von der Rua Nova da Trindade in den Largo da Trindade hügelabwärts Richtung Rua da Misericórdia ab, sieht man auf das Haus mit der über hundert Jahre alten Buchhandlung Livraria Barateira darin, schräg gegenüber des Theaters. Das Haus trägt ein kleines Wappenschild, das von zwei Löwen und einem Stern gehalten wird und liegt nah benachbart zu einem Brauhaus, das vor 150 Jahren wie die Casa do Ferreira dos Tabuletas auf dem Gelände des ehemaligen Conventos da Santíssima Trindade entstanden ist. Am letzten Abend war ich dort zum Abschiedessen.)
Entgegengesetzt sieht man hin auf die kleine Pasteleria & Snack Bar Flor do Mundo auf der Rua da Misericórdia: da drinnen, an den schlichten Tischen zwischen halb aufwärts gefliesten Wänden und einer Glastheke voller Gebäck und anderen Leckereien und Regalen mit Flaschen dahinter, hatte ich mein erstes Abendessen in Lissabon. Vor dem Betreten der Flor do Mundo hatte ich aber schnell noch die Rua da Misericórdia herunterfotografiert, solange die Sonne noch so schön hineinleuchtete.
Nach Käse und luftgetrocknetem Schinken mit Oliven und nicht ganz weissem Brot hatte ich ein einfaches und leckeres traditionelles Gericht von der Tageskarte: Bacalhau no forno com batatas assadas a murro, also ein schönes Stück Kabeljau mit Zwiebelkruste aus dem Backofen mit kleinen Ofenkartoffeln. Mnjam. Wie das Gebäck zum Nachtisch hiess, erinnere ich mich nicht mehr, denn ich probierte mehrere Kleinigkeiten und vergass die Zeit vollkommen. Beim Herauskommen war es schon dunkel.
Fotos vom Abend des 29. März 2016, in den Altstadtvierteln Chiado und (zuletzt) Bairro Alto von Lissabon, Portugal. Die kleinen Bilder in der Galerie zum Vergrössern bitte anklicken.

10 Gedanken zu “Lissabon – Stadtbummel am ersten Abend (5)

  1. Schöne Eindrücke. Ich bin in manchen romanischen Sprachen nicht ganz unkundig, aber eben, als ich den Satz las, war mein erster Gedanke, „diese Pension gibt es nicht mehr“………ähem,………ans „Denken“ habe ich gar nicht gedacht ;-D

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