Mit dem Tuktuk auf den Hügel Colina de São Vicente de Fora – Campo da Santa Clara mit der Feira da Ladra, dem bekanntesten Flohmarkt von Lissabon (5/2)

Mein 5. Tag in Lissabon begann mit einer Fahrt in einer der vielen bunten „Roller-Rikschas“ von Lissabon: an der Praça Luís de Camões hatte ich mich dazu spontan entschieden, als ich bei der Ankunft der Strassenbahnlinie Nr. 28 sah, wie vollgestopft sie bereits morgens um neun war. Ich ahnte, dass dies bis zur Ankunft an der Feira da Ladra, dem „Markt der Diebe“ genannten Flohmarkt auf dem Campo de Santa Clara im Stadtteil São Vicente de Fora, angrenzend an Alfama, noch „sardiniger“ würde und suchte mir am Largo do Chiado einen netten Tuktuk-Fahrer aus, der dann auf der mir teilweise schon bekannten Strecke durch die Baixa seine exzellenten Fahrkünste bewies. Das erste Foto entstand in der Rua da Conceição, und ein ähnliches hatte ich bereits an meinem 2. Tag in Lissabon gemacht > hier, aber aus dem ratternden Tuktuk heraus wirkte alles schon zuvor Gesehene anders. Das Tuktuk brachte mich vom Largo do Chiado quer durch die Baixa an der Kathedrale Catedral da Sé vorbei auf dem Hügel Colina de São Vicente de Fora, wo sich hinter dem grossen, im 12. Jh. gegründeten Kirchen- und Klosterkomplex der Igreja de São Vicente de Fora der Campo da Santa Clara befindet, und damit die dienst- und samstägliche Feira da Ladra, dem bekanntesten Flohmarkt von Lissabon.

Durch den Arco Grande de Cima (Bild 2), 1808 als Brücke vom Kloster gebaut, gelangt man wie durch ein Eingangsportal auf den Campo de Santa Clara, seit dem 19. Jh. der feste Verantaltungsort der Feira da Ladra.
Der Panteão Nacional mit seiner Kuppel (Bild 3 sowie das allerletzte in der Galerie) sollte eigentlich 1681 unter Leitung des königlichen Architekten João Antunes einen eingestürzten Kirchenbau auf derselben Stelle ersetzen, der Bau wurde aber mit dem Tod des Architekten 1712 eingestellt, weil der damalige König João V. lieber anderswo investierte, so dass der Bau bis 1966 unvollendet blieb. Während des Estado Novo unter Diktator Salazar wurde das Bauwerk als Kirche Igreja de Santa Engrácia geweiht, um letztlich dort sowohl Grabstätten als auch Kenotaphe wichtiger Persönlichkeiten einzurichten. In Lissabon wurde die Igreja de Santa Engrácia darum zum redensartlichen Synonym für „Ewigkeitsbaustelle“.
Über die Vielfalt der Dinge und Menschen – nicht zu vergessen: die kleinen Hündchen, die als Begleiter der Marktleute unter den Tischen, auf den ausgebreiteten Decken zwischen den Sachen oder einfach auf dem Schoss liegen – vergisst man fast die alten und bemerkenswerten Gebäude rund um den Campo de Santa Clara. Das Haus mit der im Trompe l’oeuil-Stil gefliesten Fassade, gestaltet vom Fliesenmaler Luis Ferreira und hergestellt durch die Fábrica de Cerâmica Viúva Lamego um 1860 hat mir sehr gefallen (Bild 5).
Das grüngestrichene Gebäude (Bild 7 bzw. 9) sehen kann, ist der Palácio dos Condes de Barbacena aus dem 18. Jh., gebaut für den 4ª Visconde de Barbacena, Luís Xavier Furtado de Mendonça, 1854 umgebaut und später mehrfach verkauft und seit Ende des 19. Jhs. durch das Kriegsministerium genutzt. Einige Hausnummern weiter steht der Palácio Sinel de Cordes, wie der Palácio dos Condes de Barbacena, im 18. Jh. für eine adelige Familie flämischer Herkunft, die Sinel de Cordes, gebaut. Im 19. Jh. wurde es an José Correia Godinho da Costa, 1.º Visconde de Correia Godinho und Oberster Militärrichter verkauft und neoklassizistisch aufgeputzt, mit Statuen von Göttinnen oben auf dem Dach, im 20. Jh. beherbergte der Palácio die Gesandschaft des italienischen Königs. Nach einem weiteren Verkauf gab es einen verheerenden Brand wurde er wieder aufgebaut, an den Staat verkauft und von 1930 bis 2006 als Grundschule genutzt. Seit 2012 sitzt darin die Trienal de Arquitectura de Lisboa, eine gemeinnützige Architektur-Gesellschaft (Bild 12).
Die alte Markthalle Mercado de Santa Clara ist die älteste überdachte Markthalle Lissabons, 1876 durch den Architekten Emiliano Augusto de Bettencourt geplant und 1877 eingeweiht, heute mit Ateliers und einem Lebensmittelmuseum darin.
Übersetzt bedeutet der alte Name Feira da Ladra aus dem 13. Jh. auch „Markt der Diebinnen“, und schaut man sich das Angebotene genauer an, entbehrt der Name auch im 21. Jahrhundert nicht einiger Körnchen Wahrheit; so ist die legale Herkunft der so beliebten portugiesischen alten Fliesen höchst zweifelhaft: Wer an genügend Fassaden vorbeigegangen ist, in denen z.B. genau solche Vierergrüppchen, Reihen und einzelne Fliesen fehlen, wird lieber andere Souvenirs kaufen.
Fotos vom Morgen des 2. April 2016 in Lissabon, Portugal- zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder anklicken.

3 Gedanken zu “Mit dem Tuktuk auf den Hügel Colina de São Vicente de Fora – Campo da Santa Clara mit der Feira da Ladra, dem bekanntesten Flohmarkt von Lissabon (5/2)

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