Zu den Käfern auf der Margeriten-Insel

Gar nicht so schlecht, für die Fläche eines normalen deutschen Kinderzimmers, die in etwa der dieser Wiesen-Insel im Garten entspricht: etwa 8 bis 10 Quadratmeter insgesamt, davon ungefähr ein Drittel bestanden mit Wiesen-Margeriten Leucanthemum vulgare. Diese Blüten werden besonders gern von Käfern besucht und – Glück für mich – sind auf den weissgelben Blüten auch gut zu entdecken:

Von oben links nach unten rechts sind zu sehen:
Bild 1/1 … ist ein tabakbrauner Käfer mit langen Fühlern, genannt Feldahorn-Bock Alosterna tabacicolor, der zwar gern Waldgebieten zugeordnet wird, aber dennoch jedes Jahr bei mir im Garten auf den Margeritenblüten sitzt, vermutlich, weil sich die Larven dieses Bockkäfers in der Rinde der Eiche entwickeln, die gleich nahebei steht.
Entgegen seinem Namen bevorzugt er für seine Kinderstube gar nicht nur Feldahorn, sondern legt sie auch in Eichen, Hasel, Birken, Weiden, Hainbuchen … an, wo die Larven sich von Rinde ernähren, während der fertig entwickelte Käfer von Pollen und Nektar lebt.
Vergleiche ich, wie oft ich ihn in diesem Jahr gesehen habe, mit den vergangenen Jahren, ist es in diesem Jahr weniger.
Bild 1/2 … ist der schwarz-rote Zottige Bienenkäfer Trichodes alvearius, auch ‚Immenkäfer‘ und ‚Bienenwolf‘ genannt; der Buntkäfer ist mit seiner Signalfärbung auf den Margeriten immer besonders gut zu sehen, wo er Pollen frisst, oder sich eventuell einen anderen Blütenbesucher greift, z.B. Schenkelkäfer, was ich aber noch nie gesehen habe.
Seine Larven wachsen in Nestern von Solitärbienen oder Grabwespennestern heran und fressen dort Larven und Puppen – ausdrücklich nicht in Bienenstöcken, das tut nur sein Verwandter, der etwas kleinere Gemeine Bienenkäfer Trichodes apiarius, der ab und zu mit ihm gemeinsam auf der Margeriten-Insel zu finden ist, und das bereits den 3. Sommer.
Bild 1/3 … ist ein Braunrötlicher Spitzdeckenbock Stenopterus rufus, dessen rostfarbene Beine und die schlanke Form irritierend an Grashüpfer erinnern; diesen Bockkäfer habe ich in diesem Jahr zum allerersten Mal im Garten und überhaupt bemerkt, und das nicht nur einzeln, sondern auch „im Doppelpack“ bei der Paarung.
Die Weibchen legen die Eier einzeln in Ritzen abgestorbener Bäume, also verdanke ich ihre Anwesenheit wohl dem eingerissenen Eichenstamm, in dem sie ideale Bedingungen gefunden haben.
Die Käfer-Art soll in Mittel- und Südeuropa vorkommen, steht aber laut Wikipedia zum Beispiel in Sachsen als ‚gefährdet‘ auf der Roten Liste gefährdeter Arten und gilt auch in Niedersachsen als eher selten. Auch bei uns habe ich ihn außerhalb meines Gartens noch nie zuvor gesehen, während sich nun täglich mehrere hier auf verschiedenen Blüten herumtreiben.
Im vorigen Jahr hatte ich eine Unterart des Braunrötlichen Spitzdeckenbocks Stenopterus rufus geniculatus ebenfalls auf den Margeriten entdeckt. Sie unterscheidet sich durch dunkle Gelenke an den Beinen > hier .

 

Bild 2/1 … ist ein männliches Exemplar des metallisch glänzenden Grünen Scheinbockkäfers Oedemera nobilis; diese Pollen und Nektar fressenden Käfer sind in diesem Jahr die bisher häufigste Käferart im Garten überhaupt, aber auch sie haben zahlenmässig klein angefangen, und zwar seit ich vor fünf Jahren beim sommerlichen Rasenmähen Wieseninseln stehenzulassen begonnen habe, und die ersten Margeriten in den Garten geholt hatte, also seit 2012.
Seitdem hat sich die Zahl der Grünen Scheinbockkäfer, die ich hauptsächlich auf Margeriten und Schafgarben beobachten konnte, stark vermehr, so dass ich sie nun überall im Garten auf den verschiedensten Blüten finde. Sie sind in der Größe überraschend variabel, „8 bis 15 mmm“ stimmt mit meinen Beobachtungen überein. Es heißt, diese Scheinbockkäfer kämen in Südeuropa häufiger vor als nördlich der Alpen, auf Wiesen, an Hecken, in Gärten und an Waldrändern – dann darf ich meinen Garten also noch mehr als „Urlaubsinsel“ betrachten.
Ich glaube zu wissen, weshalb sich in diesem Jahr einige Insekten im Garten so zahlreich zeigen, während man außerhalb in der Feldmark von bedenklicher Insektenarmut sprechen muss.
Beispielsweise entwickeln sich die Larven des Grünen Scheinbockkäfers in Pflanzenstängeln von abgestorbenen Kräutern und Stauden; dort wachsen sie im Sommer und bereiten sich zum Verpuppen im Herbst eine Puppenwiege im Boden, wo sie noch im Herbst als Käfer fertig entwickelt sind, aber dort überwintern, um erst im folgenden Frühling zu schlüpfen. So oder ähnlich verhält es sich auch mit anderen Insekten: sie brauchen ungestörte Bleiben.
Weil ich vom vergangenen Sommer an bis zum Mai den Insekten zuliebe viele der trockenen Stängel der verblühten Gartenpflanzen stehengelassen habe, und auch nicht großartig herumgegraben und gehackt habe, denke ich, dass ich damit im Garten zum überdurchschnittlich grossen Insektenleben im Vergleich zu außerhalb des Gartens beigetragen habe. Umdenken im Freizeitgarten tut wirklich not.
Fotos aus dem Garten vom 14. Juni 2017, Lüchow im Wendland, Niedersachsen. Zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder anklicken.

14 Gedanken zu “Zu den Käfern auf der Margeriten-Insel

  1. Tolle Vielfalt in deinem Garten !!! Ich gründe hiermit einen Gartenoscar und der geht an dich 🙂 Ja, wirklich schade, daß nicht viel viel mehr Leute so denken wie du !!! Da sähe die Welt schon ganz schön anders aus.

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