Prag: Pulverturm und Gemeindehaus am Platz der Republik

Der Pulverturm Prašná brána am Ende des ‚Grabens‘, am Platz der Republik Náměstí Republiky , den Touristen heute sehen, hält als Nachfolger eines Stadttors der alten Stadtbefestigung lediglich Platz und Ursprung seiner Vorläufer, nicht seine Gestalt. Mit der Entstehung der Neustadt verwahrloste das alte Stadttor und wurde als „zerlumptes Tor“ Odraná brána zum Schandfleck, der so gar nicht zur damals neuen königlichen Residenz von König Wenzel IV. passte, die er nach dem Aufkaufen mehrerer Häuser an der Stadtmauer der Altstadt errichten ließ und 1383 von der Prager Burg auf dem Berg herunterzog.

Unter König Vladislav II. Jagiello (1456-1516) hatte der Stadtrat deshalb den Bau eines repräsentativen Turms beschlossen, während der König bereits auf der alten Burg Umbauten vornehmen ließ, so dass, als 1483 der Prager Volksaufstand den König mit seinem Hof wieder auf den Burghügel und in die Burg zurückziehen liess, sowohl der ehemalige Hof, als auch der 1475 begonnene, über vierzig Meter hohe Turm, zu teuer und nutzlos geworden waren. Der neuen Situation entsprechend wurden der alte Königshof und der unfertige Turm „umgenutzt“.
Im Fall des Turms bedeutete dies, dass der Bau eingestellt und lediglich zur Nutzbarkeit gedeckt wurde, wie eben auch als Aufbewahrungsort von Schwarzpulver, dem der Turm seinen Namen verdankt. Ende des 18. Jh. war der Pulverturm durch den Siebenjährigen Krieg so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass der neuerliche Schandfleck im Stadtbild darum 1875-1886 durch Josef Mocker in eine neogotische Entsprechung zum Altstädter Turm ummodelliert wurde.

Ähnlich verlief das Schicksal von König Wenzels Residenz; nachdem im 17. Jh. darin noch erzbischöfliches Seminar untergebracht war, wurde sie ab 1777 Kaserne mit Kadettenschule. In den Jahren 1902-1903 wurden alle Gebäude in dem Komplex, einschließlich der St.-Adalbertskirche aus dem 17. Jh. abgerissen, und 1906-1912 entstand nach einer Ausschreibung und Architekten-Wettbewerb, den Antonín Balšánek und Osvald Polívka gewannen, an seiner Stelle beim alten Heumarkt am Heuwaaagsplatz Senovážné náměstí das Gemeinde- oder Repräsentationshauses Obecní dům , in dem am 28. Oktober 1918 die Souveränität der Tschechoslowakischen Republik proklamiert wurde – die Erklärung für den Namen „Platz der Republik“.
An der dekorativen Ausgestaltung des Äußeren und Inneren waren die bedeutendsten tschechischen Maler und Bildhauer des frühen 20. Jahrhunderts beteiligt : Mikoláš Aleš , Max Švabinský , František Ženíšek , Ladislav Šaloun , Karel Novák , Josef Mařatka , Josef Václav Myslbek , Alfons Mucha und Jan Preisler . Die Fassade wird durch ein halbkreisförmiges Mosaik von Karel Špillar beherrscht (Bilder 5+6) .

Für eine historische Verbindung des Alten mit dem Neuen, eine Reminiszens zum historischen Turm und Königshof, gibt es eine architektonische Entsprechung in Gestalt des Durchgangs zwischen Gemeindehaus und Pulverturm über der Celetná-Straße, und der Engel mit dem Schwert thront auf der Ecke darüber. Es gibt im Inneren des Obecní dům z.B. einen Konzertsaal und mehrere Restaurationen, das Prager Symphonieorchester hat hier seinen Sitz. Sich im Inneren umzusehen, ist sehr eindrucksvoll, davon habe ich allerdings keine eigenen Fotos. Wer sich welche ansehen möchte, empfehle ich die > Wikimedia Commons zum Wikipedia-Artikel über das Gemeindehaus, mit Untergruppierungen für die Innenräume.

Meine eigenen Fotos sind vom Mittag des 15. Juli 2017 in Prag, Tschechien – zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder im Artikel anklicken, für einen Überblick kann die eingebettete Karte dienen.

Ich bin vor dort aus bis zur nächsten Strassenecke beim Kaufhaus Kotva weitergegangen, davon im nächsten Beitrag mehr.

7 Gedanken zu “Prag: Pulverturm und Gemeindehaus am Platz der Republik

  1. Schon interessant, wie sich das alles entwickelt hat. Und das Gebäude ist einsame Spitze. Die Gestaltung innen wie außen. Auch die tolle Malerei und die schönen Glasfenster. Schwelg ! Wir waren seinerzeit im wunderschönen Jugendstil-Café. Allein die Lampen… Die zahlreichen Kellner mit den Tüchern überm Arm waren extrem zuvorkommend 🙂 Passend zum alten Stil. Ja, die konnten was 🙂

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