Vom Pulverturm durch die Josefstadt zum Altstädter Brückenturm – durch die Altstadt zurück zur Karlsbrücke | Prag

In diesem Beitrag sind Fotos von meinem Rückweg vom Platz der Republik bis zum Kreuzherrenplatz, also: durch die Altstadt bis zur Karlsbrücke, oder auch: vom Pulverturm zum Altstädter Brückenturm.

Vom Platz der Rebublik Náměstí Republiky mit dem Pulverturm Prašná brána und dem Gemeinde- oder Repräsentationshaus Obecní dům ging ich bis zur himbeerrosa Front der ehemaligen Josefskaserne, die seit zehn Jahren zum ausgedehnten Komplex des Palladium-Einkaufszentrums gehört.

Möglicherweise regte mich die pinkfarbene Linie, die von der Skulptur „Dvaja“ des Künstlers Andrej Magoč vom Platz wegführte, dazu an, in dieselbe Richtung zu gehen, oder zumindest beinahe,
denn ich betrat das Kaufhaus Kotva nicht, sondern ging nur durch die Králodvorská daran entlang. Auf der Strassenseite gegenüber fiel mir die Jugendstilfassade der Králodvorská Hausnummer 1086/14 auf: 1906 fertiggestellt durch den in der Inschrift verewigten Architekten Emil Moravec. Danach ging ich im Bogen um das Kotva herum und fand so in die Jakubská, durch die man bis zur Teyn-Kirche am Altstädter Markt sehen kann:

So näherte ich mich, von ihrer Apsis her und an der Seite der der St.Jakobs-Basilika Bazilika svatého Jakuba Většího entlang, einer Stelle an der Einmündung der Jakubská in die Malá Štupartská, die ich bereits am Vorabend, dem Abend des 14. Juli 2017, gesehen hatte, nur diesmal in besserem Licht.

Das ‚Haus des Auges Gottes‘ Dům U Božího oka mit der Malá Štupartská-Hausnummer 634/7 nahe des alten Franziskaner- bzw. Minoritenkloster und schräg gegenüber der barocken Fassade der St.Jakobs-Basilika Bazilika svatého Jakuba Většího mit aufwändigen Stuckarbeiten sind deswegen hier noch einmal zu sehen. Diesmal wählte ich nicht den Weg über den mittelalterlichen Zoll-Hof Ungelt, sondern aussen herum, und auch in die Strasse namens Týnská, durch die ich am Abend zuvor in umgekehrter Richtung gekommen war, fotografierte ich nur hinein und ging weiter.

Nach der Einmündung der Týnská geht die Malá Štupartská mit einem kleinen Knick in die Masná über, und das Holztor mit den urig-eisernen Türbeschlägen in Gestalt von Armen und Händen fiel mir dort als etwas Besonderes auf.
Bis die Masná in eine platzartige, fünfarmige Kreuzung mündete, war seit dem Abbiegen beim Kaufhaus Kotva alles auf meinem Weg ruhig und nicht übermässig touristisch begangen, weshalb mich die Mischung aus Gruppen zu Fuß und auf „Bierspass-Fahrzeugen“ rund um den Baum im Zentrum der Kreuzung unvorbereitet überraschte.

Warum es ausgerechnet hier zu einem solcher Bündelung der Stadtbesucher kommt, könnte daran liegen, dass dieser Bereich, den man Josefstadt Josefov nennt, als ehemaliges jüdisches Viertel mit einigen Synagogen und einem alten Friedhof für viele ernsthafte Reisende auf der Liste der zu besichtigenden Punkte steht, und unter anderem auch – Bildung by Beercycle – am Kafka-Denkmal von Jaroslav Róna, zwischen der Spanischen Synagoge und der Heilig-Geist-Kirche Kostel svatého Ducha na Starém Městě, denn alles, wo „Kafka“ draufsteht, wirkt auch auf weniger historisch interessierte Besucher wie ein Magnet.

Das Denkmal steht, sucht man eine Adresse dazu, an der Dušní-Strasse, am selben Kreisverkehr, zu dem ich über die V Kolkovně ebenfalls gelangte, und auf der westwärts leitenden Široká weiter ging. Die Behörden machen in diesem Bereich voller großartiger Altbauten die Besucher mit Schildern in Englisch und Tschechisch darauf aufmerksam, dass sie hier im Wohngebiet videoüberwacht werden und deshalb das Trinken von Alkohol auf der Strasse zu unterlassen sei. Anscheinend haben es die Bewohner dieser Strasse nicht leicht mit dem Tourismus.

Die Häuser dort sind aber auch wirklich spektakulär, sehr burgähnlich zum Teil, mit Zinnen, Türmchen und Alkoven, vielen Figurenschmuck und sehr schönen Türen. Sie alle wurden nach der Auflösung des Ghettos und dem Abriss des alten Judenviertels gebaut.

Zitat von > Wikivoyage: „Zu Beginn des 18. Jh. war ein Viertel der Prager Bevölkerung Juden. Das Toleranzedikt von Joseph II. garantierte die Religionsfreiheit. So wurde der Stadtteil nach Joseph II. Josefov (Josefstadt) genannt. 1849 wurde den Juden die bügerlichen Rechte zugestanden, 1852 wurde das Ghetto aufgelöst. In der Folge verließen zahlreiche wohlhabende Juden das Ghetto, und um das Jahr 1900 wurde ein Großteil der alten Häuser abgerissen und ersetzt durch neue Gebäude.“

Die drei Bilder oberhalb des Zitats sind in der V Kolkovně aufgenommen, die darunter in der Široká. Diese wiederum endet kurz hinter der Pinkas-Synagoge beim alten jüdischen Friedhof an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniverität, sie reicht also fast bis zum Rudolfinum am Jan-Palach-Platz. Die nächsten Bilder sind Eindrücke von diesem Wegabschnitt, mit Figuren, Stuck, Türen und Eingängen:

Mit dem nächsten Abschnitt ist die Moldau schon beinahe wieder erreicht, denn die Arkaden der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität verlaufen parallel zum Jan Pallach-Platz, náměstí Jana Palacha.

Die asiatischen Damen, die unter den Touristen durch ihre bunten Sonnenschirme über breitrandigen Sonnenhüten auffallen, verliehen dem allzu steifen Eindruck des Platzes willkommene Heiterkeit, während von oben die steinernen Gestalten vom Dach der Philharmonie Česká filharmonie in die Weite starrten:

Ich tat es ihnen mit dem Zoom gleich, und entdeckte beim Herumschauen auf einem Hügel der anderen Moldau-Seite den Hanavský Pavillon mit hübsch geschmücktem Zwiebeldach. Weil ich aber nicht dort war, gehe ich über Details hinweg und durch die Kreuzherrenstrasse Křižovnická weiter Richtung Kreuzherrenplatz Křižovnické náměstí :

Die Büste über dem Portal bleibt leider unerklärt. Wo links ein Stück der Salvatorkirche zu erkennen ist und dahinter die Karlsstrasse herauskommt zur Karlsbrücke Karlův most, in der Mitte die Strassenbahn vom Smetanovo nábreží her kommt und rechts um die Ecke der Altstädter Brückenturm Staroměstská mostecká věž steht, ist nun endlich dieser lange Weg durch die Altstadt bis zu ihrem Rand durchlaufen.
Wenn ihr euch nun schon allein vom Drüberhinscrollen ermüdet fühlt, dann seid ihr schon nah an meinem Zustand an diesem frühen Nachmittag des 15. Juli 2017: ich war schon ziemlich eindrucksgesättigt. Wenn ihr aber auch noch die kleinen Bilder zum Vergrössern anklickt und lest, kommt ihr dem bestimmt noch näher.
Den Weg über die Brücke setze ich für diesen Beitrag aber nun lieber aus 🙂

9 Gedanken zu “Vom Pulverturm durch die Josefstadt zum Altstädter Brückenturm – durch die Altstadt zurück zur Karlsbrücke | Prag

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