Quer durch den Garten

Quer durch den Garten ging ich vor nahezu acht Wochen schon, Ende Juli also, und fotografierte, was sich gerade so ergeben hat. Weil mir wichtig ist, wie sich mein Garten im Jahreslauf wandelt, kann ich trotz Verspätung nicht darauf verzichten, und ich hoffe, den einen oder anderen Leser auch rückblickend dabei mitnehmen zu können.
Angefangen hatte ich beim Schmetterlingsflieder, wo in der warmen Morgensonne die Admirale, Tagpfauenaugen, Weisslinge und Distelfalter zum Frühsstück eingefunden hatten. Eine Goldrute hat sich dort hineingemogelt, und daneben blühen Saatmohn und Ringelblumen.

Nicht weit davon entfernt steht die Kandelaber-Königskerze: Sie ist in den letzten Juli-Wochen ihrem Namen gerecht geworden und hat sogar aus dem Blätterschurz um den unteren Bereich des fast zwei Meter hohen Stängels blühende Seitenarme herausgeschoben. Die Blüten der Kandelaber-Königskerze wurden in diesem Sommer vorwiegend von Fliegen, Schwebfliegen und kleinen Wespen besucht.

Von dort war es nicht weit bis zu der Stelle, an der die nächsten beiden Fotos entstanden sind: Die mit Wiesen-Schafgarbe dicht bewachsene Insel im gemähten Rasen liegt fast unmittelbar neben dem Standort der Grünen Rose. Interessant ist an den Schafgarben, dass sich ihr Vorkommen in diesem Jahr unter dem grösser gewordenen Schatten eines Baumes heraus in einen sonnigeren Bereich „verlagert“ hat. Dort allerdings war in diesem Sommer ein reicheres Insektenleben anzutreffen, als in den Vorjahren, auch wenn sich wenig Bienen blicken liessen. Den Kleinen Kohlweisslingen oder anderen kleinen Tagfaltern hat es gepasst, Heuhüpfern, Wildbienen, Schweb- und anderen Fliegen sowie Käfern auch.

Ich lernte in diesem Sommer, dass meine Wiesen-Inseln keine Konstanten sind, sondern sich durch das schattierende Wachstum der grösseren Pflanzen in ihrer Umgebung und den sich im erdnahen Bereich verändernden Licht- und Feuchtigkeitsbedingungen von Jahr zu Jahr wandeln. Weil die Korea-Tanne, die hier noch im Hintergrund der Grünen Rose zu sehen ist, Anfang September weichen musste, bin ich gespannt auf die Auswirkungen davon, die sich im kommenden Jahr zeigen werden. Auch auf den Standort dieser drei Pflanzen (oben) wird sich der fehlende Tannenbaum wahrscheinlich auswirken, denn sie werden weniger schattiert, bekommen wesentlich mehr Sonnenstunden, zumindest bis die nachgepflanzte Chinesische Korkenzieher-Weide grösser geworden ist.

Auch hoffe ich auf eine gute Vermehrung der bei den Insekten sehr beliebten Acker-Witwenblume, denn sie hat Samen gebildet, die ich überall, wo ich sie gern sehen würde, verstreut habe.
Die Pflanzen der blasslila Wildastern-Stauden haben an Umfang zugenommen, so dass ich sie im kommenden Frühjahr weiter im Garten verteilen kann. Sobald sie morgens von der Sonne beschienen werden, kommen verschiedene Fliegenarten in allen Grössen – hier eine zierliche Stift-Schwebfliege.
Die Gewöhnliche Kratzdistel mit ihre dicken purpurrosa Blüten-Pompons war bei Hummeln sehr beliebt. Ausser einer Baumhummel und einer Ackerhummel ist auch eine Veränderliche Krabbenspinne im Bild versteckt.

Viel Sonne bekommt der Gartenbereich, in dem ich den Braunen Waldvogel im Zwetschgenbaum, den Kohlweissling auf der Kronen-Lichtnelke und das Apfelbäumchen im Oregano fotografiert habe. Die Bilder mögen nebeneinander zusammenhanglos wirken, aber den bildet die Tatsache, dass die Obstbäume in diesem Jahr fast alle ziemlich wenig tragen, und trotz des Insektenmangels zu Beginn der warmen Jahreszeit Blätter und Blüten allgemein ganz auffallend viel angefressen wurden. Die ab Mitte des Sommers ebenfalls und wider Erwarten doch noch vermehrt anzutreffende Schmetterlinge sind das tröstliche Pendant dazu. Äpfel hatten wir in diesem Jahr fast nur von diesem kleinen Bäumchen.

Nachtkerzen hatte ich mir als Samen aus der Feldmark, aber auch als gekaufte Pflanzen in den Garten geholt. Ich entdeckte an ihnen hauptsächlich Nachtfalter und Schwebfliegen. Über die bunte Menge verschiedener Fliegen habe ich mich in diesem Jahr freuen können, und zwar sowohl über eine grössere Varianz an Schwebfliegen, als auch über ein erstes und noch dazu regelmässiges Erscheinen von Gemeinen Skorpionsfliegen. Skorpionsfliegen hatte ich bis zum Entdecken dieser ersten im Garten noch keine beobachten können, aber es folgte noch eine ganze Reihe wiederkehrender Begegnungen mit Skorpionsfliegen beiderlei Geschlechts – ich hoffe also, ihnen auch eine Kinderstube bieten zu können. Die Weibchen legen die Eier in lockerer Erde ab, die Larven ähneln kleinen Raupen und leben in Gängen im Boden, wo sie sich vor allem von dem Aas toter Insekten oder anderen Kleintieren ernähren, sowie von bis dahin noch lebenden, aber auch von Pflanzen. Diese Skorpionsfliege fand ich auf dem Laub des Bauernjasmins bzw. Pfeifenstrauchs neben der alten Eiche.

Die letzten drei Fotos in diesem Beitrag sind unterhalb dieser Eiche aufgenommen. Weil der Austrieb des entkronten Baums sich nicht gerade gut weiterentwickelt hat, freut es mich um so mehr, dass der im Wurzelbereich gepflanzte Wilde Wein sich gut entwickelt und fleissig den Weg nach oben begonnen hat. Ich fürchte nämlich, eigenes Grün wird die Eiche nicht mehr lange bilden.
Auch von der sogenannten „Margeriten-Insel“ gibt es in diesem Sommer Neues zu berichten: sie wird in Zukunft den Namen nicht mehr tragen, weil inzwischen viele andere Wiesenpflanzen dort ebenso wichtig geworden sind; auf den Fotos sind Oregano bzw. Wilder Dost und Johanniskraut zu sehen, aber es gibt viele andere, die sicher in den nächsten Tagen auf späteren Bildern zu sehen sein werden. Der Braune Waldvogel zwischen den Halmen ist derselbe, wie weiter oben. Er ist einer der vielen Tagfalter mit Flügelschäden, wie ich sie in diesem Jahr besonders oft sah. Das heftige Wetter mit Starkregen und Sturmböen ist kein Freund der Falterflügel.
Fotos vom Morgen und Mittag des 28. Juli 2017 im Garten, Lüchow im Wendland, Niedersachsen; zum Vergrössern und Lesen der Untertitel zu jedem Foto bitte die kleinen Bilder anklicken.

3 Gedanken zu “Quer durch den Garten

  1. So eine schöne bunte Vielfalt, toll !! Die Kandelaber-Königskerze macht ihrem Namen wirklich alle Ehre ! Wahnsinn !! Ich staune jedes Jahr wieder. Du bist zeitlich gut dran mit deinen Bildern. Während die anderen ihre Herbstfotos hervorholen zeigst du noch mal den Sommer. Das ist wie bei Frederic, der Maus 🙂 Ich freue mich über die sommerlich warmen und bunten Eindrücke aus deinem Garten 🙂

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