Weidenkätzchen, Schlehenblüten und anderes Leben


Sal-Weide Salix caprea mit verschiedenen Bienen, die um die Kätzchen herumsummen – Im vorigen Frühjahr kam hier der Frühling drei Wochen früher, wie ich bei einem Vergleich mit den Blogbeiträgen 2017 deutlich sehen konnte, und zur Weidenkätzchenblüte herrschte hierherum in der Feldmark eine bedenkliche Insektenarmut an den Kätzchen, was nicht nur bei mir die Frühlingsfreude ziemlich beeinträchtigte: es kann doch nicht richtig sein, in dem, was man als „draussen in der Natur“ empfindet, weniger Leben ist als im eigenen Garten? – Meine Vermutung ist, dass die schlechte Bewirtschaftbarkeit der nassen Felder einen positiven Beitrag zum Schutz geleistet hat.

Auf diese Weise blieben die von Wasser durchweichten Felder bis vor wenigen Tagen unbestellt, so dass Hummeln und Wildbienen nicht von Tanklastzügen plattgewalzt und unter Fluten von Gülle ersäuft worden sind, und auch nicht weggepflügt oder vergiftet. Auch die übereifrigen Heckenschneider sind nach wie vor mit dem Aufräumen von Sturmschäden ausgelastet und haben sich hier nicht so ausgetobt wie in den Jahren zuvor, wo beispielsweise über mehrere Jahre wiederholt den Schlehdornhecken die blühfähigen Zweige bis auf krüppelige Skelette weggesäbelt worden sind: in diesem Jahr haben wir wieder die Chance auf weiss blühenden Schlehdorn Prunus spinosa, er öffnet hier und da an geschützten Standorten gerade erste Blüten.

Auch die Rehe hatten ziemlich lange ihre Ruhe in der Landschaft, erst seit wenigen Tagen sind die Landwirte mit dem Rückgang des Wassers auf den Feldern aktiv geworden, und schränken sie in ihrer Bewegungsfreiheit ein. Diese vier gehören zu einem grösseren Rudel, das ich an einem Gehölz beobachten konnte, und nicht nur einem der Rehe war die Trächtigkeit bereits anzusehen, wie dem zweiten von links auf dem Reh-Foto. – Das letzte Foto im Beitrag zeigt einen Acker-Gelbstern Gagea villosa, dessen gelbe Blüte sich durch das trockene Gras am Wegrand bei Lüchow ans Licht geschoben hat:

Darauf hatte ich schon Tag für Tag gewartet, wenn ich mit Bongo dort vorbei gekommen bin. Im Garten lassen sie aber leider anscheinend noch länger auf sich warten. Vermutlich wärmt die Sonne den Beton des Wirtschaftsweges mehr auf, an dessen Rand sie wachsen, als in meinem Garten zur gleichen Zeit der Boden sich erwärmt. Ich hoffe aber weiter darauf, dass sie sich auch da wieder zweigen, wie im vergangenen Frühling. Bei aller Freude über das generelle Aufblühen bedeutet mir ein Wiedererscheinen dieser natürlichen Pflanzen einfach mehr als die klassischen Zuchtformen bunter Frühblüher.
Fotos vom 10. und 12. April 2018, in der Feldmark zwischen Lüchow und Wustrow im Wendland, Niedersachsen.

28 Gedanken zu “Weidenkätzchen, Schlehenblüten und anderes Leben

    • Gestern hier leider auch, aber eben erst gestern, die Natur hat ihre Chance schon nutzen können, denke ich. Man muss es postiv sehen, sonst fühlt man sich ständig wie ein Hulk vor dem Ausbruch.
      Die Gelbsterne wachsen hier auch nicht überall, ich kenne in einigen Kilometern Umkreis nur drei Stellen, an Wegrändern, sie sind sehr unauffällig und klein, und wenn sie nicht blühen, übersieht man sie zwischen Gräsern. Wenn es bei dir in der Umgebung feuchter ist, kann es sein, dass du eher Wald-Gelbstern findest. Den bekommt man sogar auch bei entsprechenden Anbietern zu kaufen, Gagea lutea.

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      • Danke, habe gerade schon beim großen Staudenhändler hier geschaut, da gibt es ihn leider nicht – wundert mich, die haben sonst „alles“. Ich kenne eine der Gärtnerinnen dort, ich spreche sie mal drauf an.
        Gar nicht so einfach, es positiv zu sehen, aber Du hast ja so recht: sonst verzweifelt man völlig.
        Gestern habe ich eine Biene (?) beim Einbuddeln in ein Erdhäufchen auf dem Rasen beobachtet. Eine Frühlings-Seidenbiene vielleicht – ich tue mich schwer mit der Bestimmung. Bzw. ich habe keine Ahnung 🙂 Jedenfalls habe ich die Stelle mit einem kaputten Tontopf gekennzeichnet, damit niemand darüber läuft. Bin sehr gespannt, was sich entwickelt.

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          • Danke für den Hinweis. Da steht beim Gelbstern „außerhalb der Verkaufszeit“. Ich notiere den Gelbstern auf meiner Wunschliste und vielleicht kann er dann im nächsten Jahr in meinen Garten einziehen. Einstweilen erfreue ich mich am Dolden Milchstern, der wohnt schon hier und gedeiht gut.
            So allmählich sollte ein zweiter Garten auf meine Wunschliste kommen… 🙂

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            • Ja, das „2-Garten-Gefühl“ kenne ich. Da sind immer noch Ideen ….Die Milchsterne lassen sich hier noch nicht blicken. Eigentlich hätte ich auch welcher. Den Wühlmäusen sollten sie eigentlich zu giftig sein, auch wenn ich heute früh einen langen und gewundenen, aufgewölbten Gang entdeckt habe, rund um die Hyazinthen herum. Sie haben von gestern auf heute getunnelt wie entfesselt, die kleinen Monster.

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  1. Schöne Eindrücke wieder aus dem Wendland. Der Gelbstern ist wirklich sehr hübsch. Bewußt habe ich den noch nie wahrgenommen. Ich muß mal Ausschau halten, ob der im Wald nicht auch vorkommt?! – Wegen der Schlehen: kann man da nicht mal bei der Gemeinde nachhaken, ob das sein muß? Ich hatte mich gerade mit Sabine von dagehtwas ausgetauscht. Bei ihr im Ort machen die „Baumschneider“ dauernd die Bäume kaputt mit ihrem Brachialrückschnitt. Ich frage mich, sind das ungelernte Gelernte oder was wird da heute gelehrt, wenn die Sträucher und Bäume kaputtgeschnitten werden? Aber wie du sagst, immer auch beim Positiven bleiben, sonst geht man mitkaputt. Aber wegen der Schlehen würde ich vielleicht tatsächlich mal eine Eingabe machen, oder wie sich das nennt…

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