Besser als angelegte „Blühstreifen“ : Ackerrandstreifen

Eine schöne Überraschung am Wegrand zwischen Lüchow und Königshorst, nämlich ein insektensummender, purpurroter Saum am Rande eines Feldes, besser als angelegte „Blühstreifen“, ein natürlich gewachsener Ackerrandstreifen:

Seine Farbe verdankt der Streifen am Feldrand einer grossen Menge von Purpurroten Taubnesseln Lamium purpurea, die bereits Anfang April zu blühen begonnen haben, ungefähr gleichzeitig mit den Weidenkätzchen.

Leider war es an jenem Tag recht windig und die Pflanzen bewegten sich, so dass ich keine scharfen Bilder bekommen konnte, und auch die zahlreichen Hummeln zu verfolgen und zu „erwischen“ wollte mir leider kaum gelingen.

Man kann die Dunkle Erdhummel Bombus terrestris zwar trotzdem einigermassen erkennen, aber meine Versuche, auch die Ackerhummeln Bombus pascuorum, Steinhummeln Bombus lapidarius und Pelzbienen Anthophora plumipes zu fotografieren, sind leider ziemlich fehlgeschlagen, ich zeige aber trotzdem das eine oder andere Foto, wegen der Freude:

Die Gemeine bzw. Frühlings-Pelzbiene Anthophora plumipes auf dem Bild hierüber eilt von Blüte zu Blüte, ohne dabei den Rüssel wieder einzuziehen, weil die Blüten so nah beieinander stehen. Im Vergleich zur kleinen, rundlichen Pelzbiene wirkt die Dunkle Erdhummel-Jungkönigin Bombus terrestris auf dem foto darunter riesengross:

Die Purpurblüten waren nicht die einzigen, erfreulichen Wiederkehrer, sie wurden auch von den kleinen himmelblauen Blüten des Acker-Ehrenpreis Veronica agrestis begleitet, auf dem Foto mit der Pelzbiene etwas leichter zu erkennen, und wenn man an den heller grünen Blättchen entlang sucht, sind sie auch auf dem nächsten Foto zu finden:

Ganz grosse Extrafreude bereitete mir das Wiedersehen der auffällig gelbgrün leuchtenden Sonnwend-Wolfsmilch Euphorbia helioscopia, denn die hatte ich in weitem Umkreis hier jahrelang nicht mehr gesehen, in meiner Kindheit aber an genau diesem Feld in jedem Frühjahr. Faszinierend, wie Samen solcher Pflanzen jahrelang auf ihre Chance warten können.

2018-04-15 Spaziergang in der Feldmark zwischen Lüchow und Wustrow, DAN, Purpurrote Taubnesseln (Lamium purpureum) + Sonnwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia)

Ob die Hummeln diesen erfreulichen frühen Blütensegen dem Umstand verdanken, dass speziell dieses Feld durch Nässe monatelang unbestellbar war, oder ob der Landwirt sogar die Entscheidung dazu getroffen hat, statt der künstlich zusammengestellten „Sommerblumenmischungen“ die Natur walten zu lassen, und sich bewusst für einen Ackerrandstreifen entschieden hat, weiss ich nicht. Ich fände letzteres natürlich grossartiger und ökologisch wertvoller. Das Ergebnis beweist aber in jedem Fall, dass es auch natürlich geht, und das in einer Jahreszeit, in der die Insekten bereits Nahrung brauchen, aber die Obstblüte noch Wochen entfernt liegt, und im Übrigen die anderen „professionellen“ Samenmischungen noch nicht einmal ausgebracht werden können. Darüber sollte mehr nachgedacht werden. – Fotos vom 15. April 2018 in der Feldmark zwischen Lüchow und Wustrow im Wendland, Niedersachsen.

Der Begriff „Ackerrandstreifen“ ist definiert und wurde in den 80er Jahren schon einmal stärker angewandt und gefördert. > Wikipedia-Artikel dazu.

9 Gedanken zu “Besser als angelegte „Blühstreifen“ : Ackerrandstreifen

  1. Und der ist nicht auch irgendwann einmal angesät worden, dieser Streifen? Jetzt gerade stehen die Taubnesseln ja in voller Blüte, aber wie lange tun sie das? Wer blüht danach auf der Fläche? Ich denke schon, dass es gut wäre, generell „Blühstreifen“ am Ackerrand einzusähen. Der Effekt kann ganz enorm sein.

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    • Alles naturgewachsen, ich kenne das Stück seit Jahrzehnten, unter dem Einfluss verschiedener Chemikalien in den vergangenen Jahren, Fruchtwechsel, und ganz früher eben auch mit den Purpurroten Taubnesseln, Acker-Ehrenpreis und sogar noch mehr von der Wolfsmilch Feld-Stiefmütterchen und auch die Kamillle ist schon erkennbar. In den letzten Jahren war der Streifen immer mit in den Anbau miteinbezogen gewesen, darum finde ich es so erstaunlich.

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  2. Das sieht ja toll aus. Die vermehren sich ganz gut, glaube ich. Heute hat die Gärtnerkolonne sie am Grundstücksrand abgemäht, danke dafür, grmble….Vielleicht ist der Bauer noch nicht so recht zur Sache gekommen, aber lieber wünsche ich mir mit dir, daß da jemand mit Verstand und Herz bei der Sache war 🙂

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