Spätsommer-Gelb

So kurz bevor der August endet und der September beginnt, beschleicht auch mich langsam das Gefühl, nach dem langsamen Start in die warme Jahreszeit hätten die vergangenen Sommerwochen einen furiosen Verlauf genommen und rasten in diesem Tempo weiter, Richtung Herbst, nicht zuletzt wegen der bereits im August reifen Früchte:

2018-08-26 Lüchow, Garten, Zieräpfel (Malus Hybride) 'Golden Hornet'

Die normalen Äpfel von den Bäumen im Garten sind bereits verspeist, und auch die kleinen goldgelben Früchte des kleinen Zierapfel-Bäumchens ‚Golden Hornet‘ verlocken schon zum Probieren, ob sie schon für wenigstens ein Glas Marmelade geeignet wären, sind sie aber noch nicht, und irgendwie bin ich ein bisschen froh darüber, dass sie sich dem Tempo der anderen verweigern. – Die aus dem Vogelfutter keimenden Sonnenblumen folgen scheinbar keinem bestimmten Plan:

2018-08-26 Lüchow, Garten, Sonnenblume (Helianthus annuus) aus Vogelfutter gewachsen

„Wenn es geht, dann geht’s“ könnte ihre Devise sein, denn neben bereits braun werdenden, blütenblattlosen und ihre reife Saat schaukelnden Sonnenblumen-Köpfen keimen und blühen immer wieder neue, junge Sonnenblumen und leuchten plötzlich gelb an den unerwartetsten Stellen, wo eben die Vögel die Kerne hingetragen haben, um sie in Ruhe zu fressen. Die gesamte kalte Jahreszeit über hatte an dem silbergrauen Weidepfahl ein Gebilde aus verbogenem Armiereisen, ein Fundstück vom Acker, Kokosschalen mit Sonnenblumenkernen darin gehalten, jetzt sorgt er für einen guten Stand der Sonnenblumen, die deshalb an seinem Fuss gedeihen und bekommt, anstelle von Vögeln, öfters Besuch von Hornissen:

2018-08-26 Lüchow, Garten, Hornisse (Vespa crabro) raspelt Holz

Die Hornisse beisst mit ihren Kieferzangen kleine Holzsplitter von der Oberfläche des Pfahls herunter, und wenn die Umgebung leise genug ist, kann man das Raspeln hören. Dass sie dies auch noch im Spätsommer tut, lässt darauf schliessen, dass die Nesttätigkeiten auch bei den Hornissen noch nicht ruhen. Zwischen Mitte August und Mitte September erreicht nämlich das Hornissenvolk seinen Entwicklungshöhepunkt, die ersten Geschlechtstiere erscheinen und die alte Königin wird ab dem Zeitpunkt langsam vernachlässigt und schwächer, die Versorgung der Larven kommt zum Erliegen und im November endet das Leben im diesjährigen Nest. So ein Hornissennest wird von Hornessen kein weiteres Mal verwendet, aber andere Insekten wissen es zur Überwinterung zu schätzen, und die eventuell darin noch vorhandene Nahrung auch.

2018-08-26 Lüchow, Garten, Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Blütenstände der Gewöhnlichen Nachtkerze zu fotografieren werde ich auch nie überdrüssig. Das hat auch mit Ehrgeiz zu tun, denn die extrem leuchtende „Neonfarbe“ irritiert die Belichtungsautomatik der Kamera lässt viele Bilder misslingen. Dachte ich vor wenigen Wochen noch, sie hätten wegen der Sommerhitze eine allzu schnell verglühte Blütezeit, während sie doch im vergangenen Herbst bis in den November hinein leuchteten und statt von Hummeln, Schwebfliegen und Wildbienen von Fliegen und Mücken besucht wurden.

Fotos vom 26. August 2018 im Garten, Lüchow im Wendland, Niedersachsen.

9 Gedanken zu “Spätsommer-Gelb

  1. Einige aus unserer Tier- und Pflanzenwelt haben von diesem furiosen Sommer auch sehr profitiert.
    Vor allem Obst wie Äpfel und Pflaumen gibt es hier teilweise so reichlich wie seit Jahren oder gar Jahrzehnten nicht mehr…
    Gräser, Wiesen/Weiden, viele Straßen- und Waldbäume und andere litten und leiden aber auch unter der Hitze und Dürre.

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    • Es verführt dazu, irrtümlich positive Schlüsse ziehen. Wie man es gleichzeitig in diesem Jahr auch an Eichen beobachten kann: immens viele Früchte zu produzieren ist bei Bäumen kein sicheres Zeichen von Wohlergehen, sondern kommt vor allem bei Bäumen in Not vor, bevor sie abzusterben beginnen, auch von Obstbäumen ist das bekannt.

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        • Besonders Apfelbäume sind normalerweisie eine Obstbaumart mit dem Anspruch auf einen frischen Wurzelbereich und Luft um die Krone. Mag sein, dass die neueren Sorten für den Plantagenbau hinsichtlich der Enge am Standort toleranter sind, die alten Sorten vertragen es nicht.

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