Mitte September an der Eiche

Eine kleine Zusammenfassung in drei Bildern, wie die sich die Entwicklung an der angestorbenen Eiche Mitte September darstellt, verbunden mit Links zum Vergleich mit passenden Fotos zuvor erschienener Beiträge zur Veränderungen an der Ende Januar 2017 wegen Schäden im Stamm entkronten, weil gefährdenden Eiche. So sieht es aktuell aus:

2018-09-14+15 Lüchow, Garten, an der Eiche - Wilder Wein + Hornisse + Mulm

Inzwischen steht ausser Zweifel, dass der Baum vollständig abgestorben ist, und an der Geschwindigkeit, mit der der Verfall vor sich geht, lässt sich auch ablesen, dass die Riss-Schäden durch Windkräfte im Inneren des Baumes schon viel grösser gewesen sein müssen. Nun wird der Eichenstamm auf andere Weise belebt:

1. der Wilde Wein kommt wegen der Trockenheit zwar nur langsam voran – zum Vergleich mit dem 29. August 2017 bitte > hier klicken – dennoch ist das grüne Blätterband der Jungfernrebe Parthenocissus tricuspidata ‚Veitchii‘ doch wesentlich länger und breiter geworden und das Ziel, den grauen und kahlen Stamm grün zu umkleiden, wird hoffentlich schneller erreicht, als die neuen Bewohner im Inneren der Eiche den Stamm zum Zusammenbruch bringen können.

2. Damit sind nicht die Hornissen Vespa crabro gemeint, die ständig in einem Hohlraum ein- und ausfliegen, in dem ich im Frühling noch zuerst Spatzen und später Stare mit Nestbau-Absichten beobachtet hatte – > Feldsperlinge im März und danach > Stare im April – und ob sie darin selbst nisten, oder nur Nistmaterial nagen und Futter suchen, ist immernoch unklar, auch wenn sie oft zu fünft oder sechst um die Öffnung herumfliegen, sondern eine dritte Nutzergruppe, deren Anwesenheit sich durch sekundäre Merkmale verrät, durch Mulm.

3. Vorigen Herbst fand ich geringe Mengen von Bohrmehl in Spinnweben > hier, inzwischen sammeln sich grosse Haufen Mulm im unteren Bereich des Eichenstammes. Zahlreichen Löcher in der Eichenrinde zeigen, dass dort „jemand“ seine Larvenentwicklung abgeschlossen hat und ausgeflogen ist, wie z.B. der Eichenwidderbock, auch Wespenbock oder Eichenzierbock genannt, eine Käferart, die ich im Mai diesen Jahres zum ersten Mal im Garten gefunden habe > hier.
Die Larvenentwicklung dieser Käferart beträgt etwa zwei Jahre, dazu passend dauert auch die erste Phase des Abbaus von Holz, die Besiedlung von Frischholz.

Inzwischen ist offenbar die zweite Phase eingetreten, der Zerfall des Holzes: vor einigen Tagen fand ich herabgefallene Rindenstücke (ohne Bild); der Baum ist offenbar bereit für den nächsten Abschnitt als Lebensraum für weitere Insektenarten, Pilze und Bakterien, die darauf angewiesen sind, dass ihnen schon Frassgänge und Insektenkot der Erstbesiedler zur Verfügung steht. Dieser Abschnitt kann zwischen zehn und zwanzig Jahren dauern, darum wäre es schon schön, wenn der Wein sich ein bisschen damit beeilt, seinen grünen Pullover um den Stamm zu stricken.

Die drei Fotos der Bildtafel sind vom 14. und 15. September 2018, von der Eiche im Garten, Lüchow im Wendland, Kreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Zum Vergrössern kann man sie anklicken, die Text-Links führen alle zu Fotos oder Artikeln innerhalb dieses Blogs.

9 Gedanken zu “Mitte September an der Eiche

  1. Das geht aber verdammt schnell. Bei Eiche hätte ich gedacht, dauert es länger.
    Wir haben eine in Sturmfolge vor 2 Jahren auf 4 m eingekürzte Salweide. Der rechte Arm – das war der, wo der Stamm längs aufgerissen war – hat in diesem Jahr aufgegeben. Ich hoffe sehr, dass der Linke weitermachen kann! Der Baum ist schon alt.

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    • Bei Weiden sind die Chancen grösser, dass sie aus dem Wurzelbereich genug Kraft schöpfen können, eben weil Abbrechen und Neuaustrieb sozusagen ein Teil ihrer Kernkompetenzen darstellt.
      Diese Stürme von 2016 mache ich auch für den so schnell voranschreitenden Schaden an der Eiche verantwortlich.
      Ihre Krone war ein Zwilling, ausgrechnet quer zur Windrichtung und in ungeschützter Lage. Die Verwindung hat sie in der Zwillingsgabel gespalten und immer weiter aufgerissen, bis es als sich aufwölbende „Naht“ aussen sichtbar wurde, hat innendrin wahrscheinlich schon einiges mehr an Zerstörung stattgefunden.

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  2. So gesehen echt gut, daß der Baum ab ist, auch wenns weh tut. Andernfalls hätte er wohl bald in eurem Garten gelegen. Aber spannend, wie das alles vonstatten geht und was du so beobachten kannst. Hier ist ein Baumstumpf (kommt in Kürze), der zersetzt sich unheimlich langsam. Jetzt, im fortgeschrittenen Stadium bricht schneller was ab, aber lange Zeit sah er fast unverändert aus, obwohl schon so „ruinös“ 😉

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