Raureif und Rabenkrähe

Jetzt, da es kalt geworden ist und morgens später hell wird, kommt sie sogar noch vor den Spatzen und Meisen in den Garten geflogen: die Rabenkrähe Corvus corone corone – eine um die andere von ihnen, das bleibt in der Familie, wie ich meine – und kontrolliert die Futterplätze auf Heruntergefallenes, oder ob es vielleicht ein Apfelhälfte gibt:

Die Krähe pickte gerade an einem der aufgeschnittenen Äpfel herum, die ich als nahrhaften Durstlöscher ausgelegt hatte, wenn schon das Wasser in den Tränken gefroren war, als ich mit dem Vogelfutter-Eimer in der Hand um die Ecke kam, die Kamera in der Tasche um die Hüfte geschnallt dabei, um eine sich bietende Gelegenheit nutzen zu können.

Dass eine normalerweise sehr vorsichtige Rabenkrähe so tolerant sein könnte, mich nur wenige Schritte von sich entfernt den Eimer abstellen und mit Tasche und Kamera hantieren zu lassen, war für mich eine mindestens so grosse Freude, wie die Fotos selbst. Die Bilder sind von heute Morgen, 28. November 2018 im Garten, Lüchow im Wendland, Niedersachsen.

36 Gedanken zu “Raureif und Rabenkrähe

  1. Futterplätze können nur kontrolliert werden, wenn es festgelegte gibt. Sicher mit Bedacht so gemacht!?
    Das mit den halben Äpfeln mache ich nun auch. Habe so einige, die schrumpelig geworden sind, und die keiner mehr essen mag. Draußen warten Wesen …

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    • So ist es, auch wenn es mehrere sind, damit die Nachbarskatzen es nicht zu leicht haben. Es ist verwunderlich zu beobachten, mit welcher Sorgfalt und Geduld der grosse Schnabel die Kleinigkeiten aufsammelt.

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  2. Sie wird dich wahrscheinlich schon kennen und weiß, dass von dir keine Gefahr ausgeht. Rabenvögel sind und bleiben die klügsten.
    Die Fotos sind toll, Schnabel, Auge und teilweise das Federkleid glänzen so schön. Letztens dachte ich über Bilder schwarz in schwarz nach, das funktioniert nur relieartig oder z.B. durch matte und glänzende Stellen, eine schöne Inspiration!

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    • Da bin ich mir sicher, dass sie mich kennt. Im vergangenen Sommer waren die Rabenkräheneltern mit ihren Jungen hier, und haben ihnen an den Vogeltränken beigebracht, wie man zu trockene grosse Brocken im Wasser einditscht und aufweicht.
      Unterscheiden kann ich sie individuell leider nicht, das wäre noch schöner.
      Schwarz in Schwarz durch Mattes und Glänzendes zu gestalten, stelle ich mir gut vor.

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  3. Sehr schön! Ich hätte bei euch eher die Nebelkrähe erwartet, aber wahrscheinlich überlappen sich die Siedlungsbereiche? Obwohl…gerade habe ich gesehen, ihr seid ja westlich der Elbe, also Rabenkrähenland 🙂

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  4. Die Krähen sind sehr vorsichtige und intelligente Gesellen. Ich kann die kaum mit dem Tele in Nachbars Garten fotografieren. In Kärnten gibt es aber auch eine Abschussquote für Krähenvögel. Die lassen nicht mit dem Tele auf sich zeigen. Um solche Fotos wie deine zu machen, muss man sich schon ihr Vertrauen erarbeiten. Oder man geht in die Stadt. In Wien kann ich mit dem Fahrrad ganz knapp an ihnen vorbei fahren, und die bleiben einfach sitzen.

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    • Stimmt, die Stadtkrähen sind ein Fach für sich. Meistens sind es dann keine Aas- sondern Saatkrähen, die in Parks ganze Kolonien bilden. Es gibt unter den Tierarten einige, die offenbar gelernt haben, Menschen auf Fahrzeugen als harmloser anzusehen als Fussgänger, das habe ich auch bei anderen Raben und Krähen, Kranichen oder Rehen auch schon so bemerkt: wenn ich nah vorbeigefahren bin, wurden mein Rad oder Auto als harmlos abgetan, aber sobald ich wegen ihnen das Tempo verlangsamte oder gar angehalten habe, um zu fotografieren, waren sie auf der Flucht.
      Diese Vorsicht einer Kamera gegenüber ist mir auch schon aufgefallen, „je grösser desto scheu“ scheint mir, wobei meine Bridgekamera ja nicht gross ist, aber schwarz und mit grösserem Objektiv, als die kleine rote Taschenkamera. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob es das ganze Gerät ist, das die Tiere alarmiert, weil es die Silhouette verändert, oder das grosse, glänzende Auge der Linse.

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      • Mir kommt fast vor, es irritiert sie umso mehr, je weiter das Tele ausgefahren ist. Und, ja, die wissen definitiv, ob ich sie gerade ignoriere und weiterfahre oder ob ich stehenbleibe und sie fotografieren möchte. Ich kenne mich mit Krähen nicht so genau aus, aber wenn ich das richtig sehe, haben wir in Wien ganzjährig Aaskrähen und im Winter Saatkrähen. Die sind etwas scheuer, kommt mir vor.

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        • Kann schon sein, dass im Winter zusätzlich ortsfremde Saatkrähen in die Stadt kommen, die mit dieser Umgebung nicht vertraut sind, während die Aaskrähen ortsvertraut sind. Städtische Grünflächen lassen ja alle Möglichkeiten zu.

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    • Ja, wirklich. Mir macht das grosse Freude, dass sie quasi meine Nachbarn sind, die oft auf Besuch kommen.
      Ich glaube, sie beobachten auch Bongo, unseren Hund genau, denn wo er, der Verfressene, länger schnuppert, da kommen sie auch hin, mit Abstand, um nachzusehen, was es dort gibt, sobald er weiterläuft.

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  5. Das ist wirklich ausßergewöhnlich. Bei uns gibt es auch viele Krähen im Garten, die sich am restlich Fallobst bedienen. Sie fliegen aber meist schon in dem Moment auf, in dem man sich dem Fenster nähert. Ohne Zoom ist da nichts zu machen.
    Merkwürdig, dass die Vögel trotz des bereitgestellten Futters vom Fallobst nicht ablassen. Im Frühjahr findet man dann immer die fein ausgepickten Schalen.

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    • Geradezu bewunderswert fein ausgepickt sogar – genau.
      Die Früchte ergänzen den Speiseplan für sie wahrscheinlich mit wegen ihres Zuckergehalts schneller Energie. An Fleisch zu kommen ist in unserer so ordentlichen Landschaft im Winter für Aasfresser ja kaum noch anders möglich als in Strassennähe, in Konkurrenz zu den Mäusebussarden und Elstern.
      Nüsse mögen sie auch, aber Walnussbäume sind in unserer Gegend nicht häufig, da hilft ein bisschen Zucker im Blut schon, über die Runden zu kommen, wenn das Kleingetier sich verkrochen hat und die anderen Vögel nicht brüten.
      Bei uns tragen die Rabenkrähe gefundene Walnüsse mehrere Hundert Meter weit bis zu einem befestigten Feldweg, wo die Nüsse dann von oben heruntergeworfen werden, um sie zum Bersten zu bringen.

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