Vorweihnachtlich angezapft


Sie sind wirklich überall, die Kerzen und Kugeln, und gestern nun rollte mir auf dem Bildschirm auch noch ein apophysischer Kiefernzapfen entgegen, um mich wenigstens zum vierten Advent zu ein bisschen weihnachtlicher Deko 2018 herumzukriegen. Das erinnert mich an die Zeit, in der Kinderbilder aufgehängt wurden; egal ob patschhändigen Kritzikratzi oder ziemlich gelungenen Oberstufenwerke – denen konnte ich mich auch nicht widersetzen, und wenn mir ein Bild schon beinahe-vollkommen unter die grinchig-widerwillige Nase geschoben wird, so zuckersüss wie perlmuttfarben glasiert, dann muss ich mich wohl auch endlich darauf einlassen.

Die Apophysische Sphinx macht das jedes Jahr, habe ich bei Vergleichen im Blog bestätigt gefunden, vor allem der Beitrag vom 4. Advent 2016 weist starke Parallelen auf > Vorweihnachtlich | 2016/12/18.
Anders als darunter im Kommentarbereich gescherzt, werde ich den Fortsetzungsblog puzzleblume.wordpress.com , mit dem ich 2019 anknüpfen werde, eher nicht mit „- unter Reihern“ untertiteln, momentan denke ich, das bewährte „- lieber verwirrt als gelangweilt“ trifft immer noch zu.
In einem älteren Beitrag > Vorweihnachtsgrüsse | 2013/12/23 , verwendete ich das noch weiter zurückliegend aufgenommene Foto alten Christbaumschmucks aus meiner Kindheit bzw. meinem Elternhaus, irgendwann in den 50er und 60er Jahren angeschafft, an den mich die perlmutterigen Farben des Apophysisbildes sofort erinnerten, hier ist es:

Im Winter 2003 gingen sie als Hinterlassenschaft meiner Mutter in meine Weihnachtsbestände über; sie hatte ihren Baum noch kurz vor Heiligabend geschmückt, bevor sie wieder ins Krankenhaus musste und diesmal nicht mehr lebend verliess. Kurz nach dem Neujahrstag wurde sie beerdigt. Die Weihnachtskugeln nahm ich von ihrem Baum und legte sie wieder in den alten Karton und mit ihm zurück in die Weihnachtskiste voll altem, säuberlich geglätteten Geschenkapieren und Schleifen.

Seitdem tue ich mich schwer mit all dem süssen Weihnachtsgeläute und -geplänkel, erdulde mit selbstverletzender Freundlichkeit wochenlang Girlanden weihnachtlichen Icon-Wahnsinns. Mein inneres Widerstreben gegen diese Flut baut sich immer stärker auf und die Anlaufzeit, mich trotzdem doch endlich auf weihnachtliche Gefühle einzulassen, dauert dementsprechend lang und länger.

Gut, dass die Apophysische Sphinx, mein auf die visuellen Vorschläge der ungegenständlichen Fraktale reagierendes Unterbewusstseins, sich immer wieder durchzusetzen versteht gegen meine Vermeidungstaktik. Deshalb finde ich um den dritten, vierten Advent herum doch noch rechtzeitig einen Zugang zur Weihnachtszeit, und darum hängen auch die alten Kugeln wenigstens ab und zu, vermischt mit dem, was ich selbst im Laufe der Zeit angeschafft habe, an unserem Familien-Weihnachtsbaum.

Dieses Jahr allerdings „grincht“ mein Mann mehr als ich, denn auch von seinen Eltern wird erstmals endgültig kein Anruf mehr kommen, kein Umschlag mehr mit alterskrakeliger Anschrift für die Kinder.
Die Weihnachtszeit glänzt nicht nur, sie hat auch,wie der alte Christbaumschmuck, eine Menge Kratzer.

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12 Gedanken zu “Vorweihnachtlich angezapft

  1. liebe puzzleblume, ich bekenne mich beteiligt an weihnachts-icon-wahnsinnsgirlanden, allerdings überschaubar. so drei, vier sind doch noch okay? wenn dir, aufgrund diverser umstände, nicht weihnachtlich zumute ist, ist es so, das ist doch in ordnung. mein vater starb am 22.12. insofern verstehe ich dich gut. ich wünsche dir dennoch schöne tage und viele schöne spaziergänge mit bongo. alles liebe.

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    • Kann ich mir vorstellen, beides. Die Pappmaché-Pilze wurden mit der Zeit immer weniger und als Kind habe ich die sehr geliebt. Ich wollte die immer gern auch später für den eigenen Baum haben, aber dafür mussten wir erst nach Österreich umziehen, wo sie zumindest um die Jahrtausendwende noch durchaus üblich waren.
      Bei der Kiste mit den gemischten Gefühle hat man zu Weihnachten immer das Gefühl, dass andere den Deckel bedienen, was ich als unangenehm empfinde.

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