Eine ‚Fresh Paint‘-Blume im Januar – das KTS und ich

Es scheint immer im Januar zu sein, wenn ich das Bedürfnis nach Tapetenwechsel bekomme, im Blog kann ich das nachvollziehen. Meistens habe ich die Bilder auch in einem Eintrag „deponiert“- ich habe das Tagebuch-Moment des Blogs immer noch recht gern. Meine gestern Abend entstandene Fresh Paint-Januar-Blume entsprang aber nicht dem Vorsatz für ein neues Header-Bild oder die Verwendung im Blog …

… sondern endlich habe ich einen sinnvollen Neujahrsvorsatz gefasst: ich will nach rund 15 Jahren wieder den Umgang mit dem Zeichenstift oder dem digitalen Pinsel üben. Nicht mein Kopf, meine Hand konnte es lange Zeit nicht mehr.

Vor etwa einem Dutzend Jahren wurde ich nach schleichend sich über Jahre entwickelndem, aber bis dahin gravierenden gewordenem > Karpaltunnelsyndroms an der rechten Hand operiert, sogar endoskopisch und in gewisser Weise bezüglich der schmerzhaften Beschwerden bzw. Taubheitsgefühle erfolgreich, aber das Verlorene an Empfindlichkeit der Fingernerven und die Kontrolle über die Hand konnten nicht so schnell wieder hergestellt werden, und das ist noch gelinde untertrieben: das war ein extrem langsamer Prozess.

Jahrelang konnte ich weder zeichnen, was mir früher sehr wichtig war, und meine Handschrift blieb für belastend lange Zeit komplett unleserlich. Die rechte Hand war ungeschickt geworden, wichtige Finger zum Halten und Führen von Stiften weitgehend taub, der Daumenmuskel stark reduziert; die Präzision für Feinmotorisches war mir buchstäblich abhanden gekommen, meine Unterschrift sah aus wie ein schlechter Betrugsversuch. Hatte ich mit der Hand Notizen zu machen, hoffte ich, unbeobachtet kritzeln zu können und mich nachher noch an die Bedeutung zu erinnern.

In den vergangenen Jahren war Tastaturschreiben war mein Finger-Training, die Digital-Maus gab dem Daumenmuskel seine Aufgaben und Stricken war eine gute Gymnastik für die ganze Hand.
Meine Handschrift habe ich erst in den vergangenen beiden Jahren langsam wieder zurückbekommen, auch wenn nicht mit derselben Leichtigkeit und Ausdauer wie früher. Zum Zeichnen war der Faden schwerer wieder aufzunehmen; es ist zwar nicht so alltagswichtig wie die Handschrift, aber Verlangen und Frustration wirken viel stärker emotional. Aber der Wunsch bleibt, vor allem beim Betrachten alter Zeichnungen.

Durch einen Kommentarwechsel unter einem Kugelschreiber-Kritzelbild im Beitrag > Vorstellungen, einer der letzten, fünfzehn Jahre alten Handzeichnungen von mir, formte sich der Gedanke, regelmässig nicht nur das Schreiben zu üben, was inzwischen wieder erfreulich gut geht, sondern auch zeichnerisch zu trainieren, ob mit Stift auf Papier oder mit digitalem Stift auf dem Tablet. Letzteres empfinde ich als angenehmer, weil man Striche spurlos zurücknehmen kann, da ist der Frust geringer, weil kein Papier verdorben wird.

Das ist die Hintergrund-Geschichte zu meinem neuen Profilbild und Blog-Header. Für solche Übungen werde ich eine neue Kategorie beginnen, weil ich die Handarbeit und Fingerübungen, ob auf dem Tablet ausgeführt oder auf Papier, für mich auffindbar halten möchte .

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48 Gedanken zu “Eine ‚Fresh Paint‘-Blume im Januar – das KTS und ich

    • Danke, Mathilda! Weil es so viele Jahre gedauert hat bis hierher und noch fortdauert, ist das für deine Zehen hoffentlich auch irgendwann wieder soweit, dass sie langsam wieder mitarbeiten. Das „Üben durch Tun“ stelle ich mir nur schwieriger vor als bei Händen, die man ja trotzdem benutzt, auch wenn sie eben nur alles gröber tun. Ich drücke dir jedenfalls weiter die Daumen!

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  1. Eine kleine Ahnung von dem, was Du da durchgemacht hast und noch durchmachst, habe ich, hatte auch große Probleme. Zuerst mit einem Arm, dann mit beiden. Eine OP wollte ich nicht, es hat sich dann auch gebessert.
    Schön, anschauen zu können, wie Dein Heilungsprozess sich bildhaft ausdrückt!

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    • Danke! Manchmal gelingt es ohne, da spielen so viele Lebensumstände hinein, gerade bei Frauen; manchmal bessert sich nicht einmal mit OP etwas. Ich betrachte es bei mir ja als durchaus gelungen, denn, was die Befreiung von den Missempfindungen anging, war es wenige Tage danach schon ein klarer Erfolg. Nur die Regeneration, so weit möglich, hat echt lange gebraucht und 100% gibt es auch nicht mehr zurück.

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  2. Puzzleblume: Das freut mich für Dich! Ich kann das in etwa nachempfinden.
    Da ich die die Chinesische Manuelle Therapie ausführe, habe ich öfters mit dergleichen zu tun gehabt.
    Aber nun kann man ja hoffentlich Vergangenheit dahinter schreiben!? Beste Grüße, Ralph

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  3. Ich freu mich sehr, denn auch wenn es mit der Feinmotorik noch nicht ganz so klappt: das Ergebnis kann sich sehen lassen! Und eine gute Schulung der Feinmotorik ist das Zeichnen allemal! (Wie sieht es denn mit deiner linken Hand aus?)

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    • Danke, Gerda!
      KTS-mässig hat sich links zum Glück nichts entwickelt. Ich hatte mir vor Jahren mal beigebracht, mit Links wenigstens lesbar zu schreiben, aber dass etwas mit Links bei mir auch noch gut aussähe – nein, das kann ich leider nicht behaupten.

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  4. Liebe Puzzelblume, mit schlafen auch nachts und bei manchen tätigkeiten (auch beim zeichnen, schreiben, tippen) die finger ein. keine ahnung, ob das ein karpaltunnelsyndrom ist. aber ich bin freischaffende musikerin, da muss ich nach anderen lösungen suchen. das risiko, dass mich eine OP wochen (oder monate) lahmlegt, möglicherweise ohne erfolg, kann ich nicht eingehen. ich setze meine ganze hoffnug aufs kieser training, mal sehen, ob es was bringt. dass du wieder zeichnen kannst, ist schön! sich ausdrücken zu können ist wunderbar, aber ohne hände …? singen, geschichten erzählen und tanzen fällt mir ein. mit händen ist es jedenfalls einfacher. ganz abgesehen vom alltag…
    gute besserung weiterhin!

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    • Danke, Mydailypainting! Deine Beschreibung könnte auf ein Karpaltunnelsyndrom hinweisen. Es begann bei mir schon über ein Jahrzehnt vor der OP, nachts, einmal im Monat, während der Schwangerschaften auch tagsüber und täglich, bis ich es überhaupt immer spürte – es ist ein bekanntes Phänomen, dass KTS bei Frauen auch hormonell beeinflusst wird, wahrscheinlich auch in umgekehrter Richtung, wie ich jetzt, individuell begründet, annehme.
      Ich würde auch so lange wie möglich zuwarten. Wobei die Tätigkeiten der Finger ohne Gewichtsbelastung sogar wieder früh, nach wenigen Tagen, erwünscht ist, leichte Gewichte wie Kaffeetassen, Apfel schälen oder Ähnliche nach ca. zwei Wochen möglich sind – so waren damals meine Anweisungen und es war genau gut so, was den Stillstand eines Fortschreitens betrifft. Dennoch würde ich, solange das „Einschlafen“ nicht permanent bleibt und der Neurologe nicht die Leitfähigkeit mit allzu dramatischen Ergebnissen durchgemessen hat, die zum Erfühlen von Saiten ja nicht minder wichtig wäre, auch dabei bleiben, nichts Operatives in Betracht zu ziehen.
      So dramatische Entwicklungen, dass eine Hand lahmgelegt wäre, ob mit oder ohne erfolgreicher OP, wüsste ich jetzt auch niemanden. Wenn es andere Methoden gibt, den Prozess aufzuhalten, würde ich mich auch dazu entscheiden, anstelle eines operativen Eingriffs. Aber es ist abzuwägen, wann der Punkt überschritten wird, wo es sinnlos wird, darauf zu verzichten. Wenn der Muskelschwund durch die mangelnden Impulse zu den Nerven fortschreitet, oder wenn man den Stift oder die Saiten nicht mehr ausreichend spürt, ist die Wahrscheinlichkeit zum Besseren grösser als eine Verschlechterung über diesen Punkt hinaus in Kauf zu nehmen.
      Es kommt halt auch auf die Gründe an, die können so vielfältig sein, dass es sich individuell völlig verschieden darstellen kann. LG

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  5. Irgendwie habe ich es doch immer geahnt, daß du eine Zeichnerin bist. Das Bild ist mir gleich aufgefallen und total schön geworden. Ein langer Weg! Umso schöner, daß es jetzt voran geht. Ich hatte mal Sehnenscheidenentzündungen in beiden Armen gleichzeitig. War nicht prickelnd. Zum Glück führte mich mein Weg zu einem Osteopathen der nach FDM arbeitet und im Gegensatz zu allem anderen mit Orthopäde und Handschiene etc., hat er es ziemlich bald wieder auf den Weg bringen können. Zum Glück!!! Zeichnen mit Tablet (bei mir ewig her, aber ich erinnere mich), hat tolle Möglichkeiten finde ich. Und ich kann mir vorstellen, daß das etwas eingeschränkte Zeichnen auch seine Qualitäten hat! Man darf es halt nicht mit bestimmten anderen Bildern oder Vorstellungen vergleichen. Jedenfalls wünsche ich dir weiterhin alles Gute und ich bin mir sicher, daß es wieder so wird, wie du es dir wünschst und vorstellst!

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    • Vergleichen und Vorstellungen – das sind die Stichworte und Pflastersteine auf dem Weg zum Unterlassen, aber es ist auch wirklich so, dass es erst nach Jahren eine geradezu schubartige Besserung gibt und ich darum sowohl zur Handschrift auch als auch zum Optimismus in Sachen Strichführung zurückfinde. Man kommt sich halt albern vor, solche früher selbstverständlichen Dinge wieder üben zu müssen. Nach einem Armbruch rechts viele Jahre vorher hatte ich das Problem nicht, da war nach zehn Wochen alles wieder wie zuvor (Könnte allerdings eine Spätfolge sein). Da hatte ich nur in der Zwischenzeit Linksschreiben geübt, bis der Gips wegkam.
      Tabletzeichnen als Übung hat den Vorteil, dass es keinen Müll gibt (den der neben einem Sitzende kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt) und man beim Fernsehen einfach vor sich hinmachen kann. 🙂

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      • Ich kann mir gut vorstellen, daß der Armbruch seine Auswirkungen hatte und ich glaube es gerne, daß einen das frustriert, so etwas wieder üben zu müssen. Klar, man vergleicht dann besonders. Lieber auf die Fortschritte gucken. Aber das schreibt sich so leicht. Geht mir mit einigen Dingen leider nicht anders.
        Stimmt, sehr müllsparend 😉 Ich sortiere immer noch allen möglichen Papierkram aus und irgendwie wirds nicht weniger, seufz….der digitale Müll aber auch nicht 😉

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  6. Da wollte ich jetzt doch mal wieder „vorspulen“ … und es hat sich auch diesmal gelohnt.
    Du hast also noch ein weiteres tolles (künstlerisches) Talent 🙂
    Klasse, dass es jetzt neben großartigen Fotos und Texten auch gezeichnete Bilder von dir hier gibt!
    Ich freue mich, dass deine Hand wieder so weit geheilt ist, dass Zeichnen so ausge-zeichnet klappt.

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