Baumschnitt

Es hilft ja nichts: in dieser Jahreszeit wird der eine oder anderen Baum- oder Strauchschnitt fällig, und auch ich bin gestern im Garten manchem Kandidaten mit der Astschere ans Gezweig gegangen, u.a. der noch jungen Bruch- oder Knackweide Salix fragilis, die ich Ende März 2017 an diese Stelle gepflanzt habe:

2019-02-06 LüchowSss Garten Bruch-Weide (Salix fragilis)

So wie auf dem kleinen Bild links hatte sie im April 2017 ausgesehen.
Ein Jahr zuvor, im Frühjahr 2016, hatte ich das Stückchen Baumschnitt aus der Feldmark mitgenommen und an einer anderen Stelle bewurzelt.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich ihr noch keinen bestimmten Platz, keine Aufgabe zugedacht, ahnte noch nicht, dass die Eiche im Garten am > 24. Januar 2017 wegen Sturmschäden entkront werden müsste und in dem Teil des Gartens ein Baum benötigt würde, der innerhalb weniger Jahre grössere Gestalt annimmt, und nicht erst in einigen Jahrzehnten, und das, ohne dafür ein Riesenloch ausheben zu müssen, wie für einen schon vorgezogenen Baum aus der Baumschule.
So ein Weiden-Steckling kann in feuchtem Boden problemlos wurzeln und so auch ohne Wurzelballen in kurzer Zeit „loslegen“. Schneidet man ihn zu Beginn mehrmals kräftig zurück, lässt sich bald eine Art Kopfweiden-Aussehen mit richtig rustikaler Baumstamm-Borke erzielen, nur eben noch klein. Tut man es nicht, schiesst sie mit vielen weichen, gelbgrünen Zweigen nach oben und entwickelt nicht einen Stamm, sondern viele dicke Äste, die sich oft auch niederlegen, weil sie, wie der Name der Weidenart schon sagt, leicht (an-)brechen. Das gehört bei ihr zur Vermehrungs-Strategie. Ich finde darum einen kurzen, dicken Stamm schöner, weil man darunter den Boden immer noch besser erreichen kann, wenn man möchte.
Genau diese langen, geraden und noch unverzweigten Ruten habe ich der Bruch-Weide heute abgeschnitten. In den Jahren vorher hatte ich alles bis nah an den werdenden „Stamm“ entfernt. Dieses Jahr entschied ich mich dazu, den Drilling, der sich gebildet hatte, für die Zukunft stehen zu lassen, als Grundvoraussetzung für eine kleine Krone, die auch in den kommenden Jahren noch zum Schneiden gut erreichbar bleibt.

2018-10-30 LüchowSss Garten morgens (20) Bruchweide (Salix fragilis) Im vergangenen Herbst, am 30. Oktober 2018, hatte die Weide so ausgesehen wie auf dem zweiten kleinen Bild, links.
Diese einen bis eineinhalb Meter langen Ruten habe ich bis auf die Stummel, die man auf dem obersten Foto sehen kann, abgenommen. Die haben alle noch mindestens zwei Knospenansätze, so dass ich hoffe, dass es einen Austrieb ab dort geben wird, nicht mehr unten aus dem ca. 30 cm hohen Stückchen „Stamm“, damit auch die „Drillinge“ schnell an Umfang zunehmen.
Jedenfalls bin ich heute schon sehr gespannt darauf, wie sie im kommenden Oktober dastehen wird, wenn sie dasselbe Tempo vorlegt wie im vergangenen Jahr, wo sie bis zum Sommer alles in allem über zwei Meter hochgewachsen war.
Ich glaube, die Vögel werden bereits wieder im Sommer schon viel Freude an der neuen Krone haben und auch ich, weil sie selbst in diesem jugendlichen Zustand schon den bei Schlechtwetter ungebremst übers Feld daherbrausenden Westwind abfangen kann, und ausserdem dahinter der grau-rindige und kahle Anblick der Eiche verdeckt. Weil diese überhaupt nicht mehr austreiben kann, verfällt sie wider Erwarten schneller als noch vor zwei Jahren angenommen. Der Wilde Wein kommt dort kaum voran, und wenn die Eichenrinde abfällt, dann fällt der Wilde Wein mit: das war kein guter Plan, weiss ich jetzt. Nun setze ich meine Hoffnungen auf die unabhängige „Weiden-Power“ und überlasse den Eichenstamm denen, die darin und davon tatsächlich leben können.

Das obere Foto ist von heute, 6. Februar 2019, im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Die kleinen Bilder sind vom 6. April 2017 und vom 30. Oktober 2018 und man kann sie zum Vergrössern anklicken.

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4 Gedanken zu “Baumschnitt

  1. Beim Baumschnitt gibt es ja zwei Fraktionen: die Ästheten und die Techniker. Die Ästheten schneiden so, wie man sich beim Frisör die Haare machen lässt: nach dem Schnitt soll es schön aussehen. Die Techniker denken nur daran, dass die Pflanze im Sommer möglichst viel Blüten oder Früchte haben soll.
    Leider gehört meist der eine Partner zu der einen und der andere zu der anderen Fraktion.

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