Kuren- bzw. Keitelkähne, gemalt von Karl-Friedrich PLOOG (1911-1977)

Über den hier verlinkten Kommentar unter der Abbildung einer Keramik in Gerhards Blog > Pi – Kopf und Gestalt kommt, als kleine Abwechslung zu den vielen Vogelfotos, ein Beitrag zu dem in meinem Kommentar angemerkten Gemälde.
Es hing früher in der guten Stube meiner Grossmutter in Malente / Holstein: Keitelkähne* bei Nidden**, um 1957 mit Ölfarben und in Spachteltechnik gemalt vom schleswig-holsteinischen Kunstmaler Karl-Friedrich Ploog (1911-1977) nach einer Schwarzweiss-Abbildung als Vorlage, einem Foto aus dem Buch von Hubert Koch ‚Der Väter Land‘, erstmals erschienen 1953 im Verlag Rautenberg & Möckel, Leer. Motiv und Grund für seine Entstehung sind ein Stück Zeitgeschichte, siehe auch die beiden Fussnoten im Bereich unterhalb der Galerie.

„Keitelkähne bei Nidden“ aus Hubert Koch: ‚Der Väter Land‘ von Karl Ploog

Bitte die kleinen Bilder in der Galerie zum Vergrössern anklicken. Die oberen Zeilen auf der Rückwand des Gemäldes stammen vom damaligen Partner meiner Grossmutter, ebenfalls aus Königsberg, die Unterschrift von Karl Ploog selbst.
Über den Künstler offenbart das Internet leider so gut wie nichts. Geboren wurde er am 16. Dezember 1911 in Rumohrholz bei Kiel, verstorben ist er am 19. Mai 1977 in Bad Bramstedt, ebenfalls in Schleswig-Holstein.
Als nach Ende des zweiten Weltkriegs in Schleswig-Holstein sesshaft gewordene Ostpreussen-Flüchtlinge sich wieder ein bisschen bürgerlich einzurichten vermochten, war er anscheinend gern bereit, in diesen schwierigen Zeiten sein künstlerisches Können für solche sentimentalen Aufträge einzusetzen, um Geld zu verdienen. Es können keine grossen Summen gewesen sein, denn insgesamt waren es drei recht grosse Bilder, die er zu dieser Zeit für meine sehr bescheiden lebende Familie gemalt und durch sein Vorstellungsvermögen und Können aus einfachen, postkartenkleinen Schwarzweissbildchen Kunst geschaffen hat.


*Als Keitelkähne werden Segelboote eines bestimmten Typs bezeichnet, die zusammen mit anderen Seegelbooten unter dem Begriff Kurenkähne zusammengefasst werden, motorenlose Fischer- oder auch Transportboote, die bis Ende des Zweiten Weltkriegs vor allem auf dem Kurischen Haff eingesetzt wurden.

**Nidden, das heute litauische Nida auf der Kurischen Nehrung zwischen Ostsee und Kurischem Haff, dem in der Zwischenkriegszeit ‚Memelland‘ genannter, abgetrennter Teil Ostpreussens und später durch Litauen annektiert, bis es 1939 wieder an Deutschland abgetreten, aber 1945 erneut verloren wurde. Sicherlich war es auch auf diese Weise historisch befrachtet, nicht nur wegen seiner Schönheit über Jahrzehnte für die Heimatvertriebenen des zweiten Weltkriegs ein unerreichbar gewordener ostpreussicher Sehnsuchtsort. Eine Zeitlang war es wegen seiner Künstlerkolonie auch von kultureller Bedeutung. Auch Thomas Mann erwarb dort 1929 ein Sommerhaus.

8 Gedanken zu “Kuren- bzw. Keitelkähne, gemalt von Karl-Friedrich PLOOG (1911-1977)

  1. Wow! Erneut mit Interessantem daß Du schon in unserem Dialog zu erzählen hattest, aufgefüllt.
    Ja, Sehnsuchtstort: Letztes Jahr war ich ja auf der Rückkehr von Südtirol, im Allgäu, in der Nähe von Neugablonz.
    Im dortigen Museum gaben uns drei Töchter der Vertriebenen aus Gablonz sehr bereitwillig weitere Auskünfte.
    Es war beeindruckend, das Anfangen bei Null und die Erinnerung an das florierende Gewerbe in Gablonz, all diese sehr langen Traditionen des Handwerks dort.

    Übrigens. Das Pi ist wunderbar in den Segeln enthalten.
    Und diese jähen Rechtecke erinnern mich auch an Rauten mit jeweils gebogenen spannungsreichen Seiten, die für mich zeichnerisch und auch keramisch von grossem Interesse waren und sind.

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  2. Sind mir auch aus der Kindheit bekannt. Mein Urgroßvater hat eine Reihe solche Kähne besessen, mein Groß-Onkel hat sie geerbt, dann ist er auf größere, modernere umgestiegen, die nicht nur auf dem Haff rumschippern konnten, …, war aber nichts, denn erstens waren die Segelboote dann nicht mehr konkurrenzfähig und zweitens sind ihm zwei untergegangen. –
    Es gibt übrigens jemand, der sich sein halbes Leben mit diesen Booten beschäftigt hat, den verschiedenen Typen und Eignern und versucht hat, das alles minutiös zu rekonstruieren…

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