Ein Wall für den Zaunkönig und andere kleine Tiere

Ein schwacher Trost: ob ich heute Morgen durch das Fenster einen Zaunkönig oder eine Zaunkönigin beobachten und fotografieren konnte, liesse sich selbst bei optimaler Bildqualität nicht feststellen, beide Geschlechter von Troglodytes troglodytes sehen nämlich gleich aus.
Meine Vierlingsbildnotiz ist typisch für meine Zaunkönigbeobachtungen, bei denen ich mich oft frage, was und ob ich überhaupt etwas gesehen habe, weil die kleinen Vögel das schattenhafte Huschen geradezu erfunden haben.

Solche vagen Beobachtungen im Garten waren immerhin der Grund dafür, dass ich im vorigen Frühjahr meinen „wilden Wall“ entlang des feldseitigen Zauns aufzuhäufen begonnen habe, nachdem ich wiederholt einen Zaunkönig gesehen zu haben meinte, eine Vogelart, zu der ich eine grosse Zuneigung empfinde, seit mir in einem sauerländischen Winter vor vielen Jahren sogar mal einer aus dem Garten in die Küche geflogen kam.

Damit Zaunkönige sich wohlfühlen, brauchen sie richtiges Gestrüpp, am besten zusammenhängende Bestände, damit auch wirklich richtig darin umhergehuscht und Nahrung gefunden werden kann.
Das Wachstum der Sträucher im Garten ging mir einfach zu langsam, selbst wenn ich die Stängel der Stauden stehen liess, bis sie sich im Sommer bei einer leisen Berührung von allein lösten. Das ist zwar in jedem Fall sinnvoll, weil die in hohlen Stängeln sich entwickelnden Insekten ja auch erwünscht sind – z.B. als Vogelfutter. Aber für eine ganzjährige Husch- und Futterzone waren ein paar Stängel noch zuwenig.

Ich las in einem Blog vom Prinzip der Benjeshecken, das sind Totholzhecken, die durch „linienhafte, lockere Ablagerungen von hauptsächlich dünnerem Gehölzschnitt, wie Ästen und Zweigen, durch Samenanflug oder Initialpflanzungen entstehen“, so steht es bei > Wikipedia.
Genau das Richtige, um überhaupt alle möglichen Kleintiere zu beherbergen, stand doch zu dem Zeitpunkt der Garten noch vom Winter unter Wasser, so dass eine erhöhte Fluchtmöglichkeit sicher gut tat.

Zweig- und Staudenschnitt, aus den Beeten gezupftes Grün, Laub – fast alles liess sich im vergangenen Frühjahr in kurzer Zeit zusammentragen, und während des Jahreslaufes kamen fast alle gröberen Gartenabfälle auf den Wall.
Kaum hatte der kleine Wall auf dem meterbreiten Streifen zwischen dem Zaun und einer Reihe junger Sträucher und Bäume mit Stauden dazwischen Form angenommen, änderten sich Ende Mai 2018 das Wetter und die Feuchtigkeitsverhältnisse ins Gegenteil. Den ganzen Sommer, Herbst und noch den ersten Teil des Winters hindurch trocknete der durchlässige Garten-Boden dramatisch aus, im staubtrockenen Boden fanden sich keine Würmer oder Larven mehr, aber unter dem Wall hat sich anscheinend eine ausgleichende Schutzzone gebildet, wie sie im ungeschützten Boden kaum möglich gewesen wäre.

Inzwischen ist der Wall / die Benjeshecke etwa kniehoch und ich habe schon viele Vögel dort landen und herumsuchen sehen, vor allem Amseln und Meisen. Dass ich nun den ersten Zaunkönig dort beobachten konnte, freut mich ganz ausserordentlich!

Zaunkönigfotos vom noch grauen Morgen des 29. März 2019, durchs Fenster in den leider nicht allzu hellen Garten gezoomt, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

19 Gedanken zu “Ein Wall für den Zaunkönig und andere kleine Tiere

  1. Oh toll, dass auch du einen Wall hast – mein Mann macht diese schon seit Jahren, leider mögen sie nicht alle, verstehen auch den Sinn dahinter kaum. Nun ja … das sind dann auch die, die lieber Rindenmulch und Steine im Garten verteilen.
    Zaunkönige finde ich auch ganz herzallerliebst.
    Ein Beitrag, der meine Laune gerade ganz besonders hebt – danke,
    liebe Grüße
    Ulli

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    • Ach, wie schön, dass du es kennst und schätzt. Ja, der Schönheits- und Ordnungssinn im Garten ist ein nichtendenwollendes Reizthema. So eine „Haufenbildung“ entlang offen einsehbarer Grundstücksgrenzen zu Nachbarn oder zur „schönen Seite“ entlang der bürgersteigbegleiteten Strasse dürfte nur selten auf Verständnis treffen.

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  2. Das ist ja toll und mich würde es nicht wundern, wenn der Zaunkönig dort ein Nest bauen würde. Bongo hat ja auch die Katzen im Auge, nehme ich an? Die Zaunkönige sind herzallerliebst. Werde nie den Moment vergessen, wo hier einer auf dem Geländer gesungen hat. Nur einen klitzekleinen Moment, aber sooo schön! Ich hab sie schon mal mit Mäusen verwechselt, weil sie so schnell huschen 😉 Das mit der Hecke finde ich super. Interessant auch, daß sich die Bodenfeuchtigkeit dort etwas halten konnte. Also ein weiteres Argument dafür. Ich bin dieser Heckenart hier mal im Landschaftsschutzgebiet am Altwarmbüchener See begegnet. An einem kleinen Stück haben sie so etwas angelegt. Damals konnte ich nicht viel damit anfangen, aber was du schreibst, macht ja Sinn. Ich drück die Daumen, daß die Heckenkönige dort nisten 😉

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    • Ja, sie sind hinreissend, für Auge und Ohr.
      Nestgeeignet ist der Wall leider nicht, viel zu niedrig und die Katzen kommen leider immer wieder über den Zaun. Bongo kann auch nicht immer alles kontrollieren, die sind ja leider Tag und Nacht unterwegs. Aber zum nisten finden sich bestimmt andere Möglichkeiten in höheren Lagen. Da können sich zum Beispiel die Koniferen mal nützlich machen. Später werden die Sträucher und Bäume direkt dort sicher auch noch nachziehen, aber, wie oben schon geschrieben, das daaaauuuuert ….

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      • Ich hatte hier doch mal berichtet, wie ich mit ansehen mußte, daß eine Katze sich über ein Zaunkönignest hermachte. Er hatte, eigentlich ganz geschickt, unter den Wurzeln eines umgestürzten Baumes sein Nest gebaut. Super getarnt, aber für die Katze super zu erreichen. Ich dachte, die nisten gerne recht bodennah? Leider konnte ich die Katze nicht vertreiben. Ich hoffe, daß er dieses Jahr ein besseres Plätzchen findet! Deshalb würde es mich nicht wundern, wenn sie in deinem Wall nisten, solange der dicht genug ist?!

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        • Eben habe ich noch mal nachgelesen, wo und wie Zaunkönige nisten. Ganz schön exzentrisch:
          „Die Wahl der Neststandorte hängt sowohl vom Gelände als auch von der Vegetation ab. Die Nester befinden sich meist in einer Höhe von maximal zwei Metern unter Bruchholz und Baumwurzeln, unter ausgespülten Bachufern oder im dichten Buschwerk. Weiterhin stellen Verstecke in Hecken, unter Stegen, in alten Mauern oder in Stallungen geeignete Nistplätze dar. Nester werden aber auch in vertrockneten Tierleichen, in zum Trocknen aufgehängter Wäsche, in Brutröhren des Eisvogels und der Uferschwalbe, in Nestern der Wasseramsel, Beutelmeise oder anderer Vögel gebaut. Auch im Gebälk von Dächern oder in zusagenden Nistkästen sind sie zu finden. “ Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zum Zaunkönig.
          Ich hoffe, sie sind bei uns nicht so leichtsinnig!

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          • In Tierleichen oder in aufgehängter Wäsche – na, das schießt ja den Vogel ab 😉 Sie sind also sehr kreativ. Ach ja, du hattest geschrieben, daß dir einer ins Haus flog. Süß! vielleicht hätten die auch in deiner Wohnung genistet 🙂 Ja, hoffentlich suchen sie sich ein gutes Plätzchen aus! Bei meinen Eltern haben immer mal Buchfinken genistet. Leider sind die Nester immer wieder geplündert worden. Beim letzten Mal hatte meine Mutter die Nase voll und hat über das Nest in der Buchenhecke Kaninchendraht gemacht, damit Elstern und Co nicht dran kommen können. Manchmal möchte man doch der Natur unter die Arme greifen.

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  3. Ich mag Zaunkönige auch sehr gern. Wenn sie morgens durchs Gebüsch huschen oder plötzlich laut neben mir anfangen zu singen… Schön, dass es sich bei Dir wohlfühlt. Vielleicht brütet er ja auch.

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