Vom „Hä?“ zum „Aha!“

An der Eiche erwischt: die Gemeine Bodenwanze Rhyparochromus vulgaris, obwohl sie eigentlich in Nordeutschland nur selten vorkommen soll. Vor allem im Westen, heisst es, gingen nur wenige Funde über die Mittelgebirgsgrenze hinaus. Das Wendland ist wohl noch nicht zu nördlich aber dafür östlich genug, und die sich lösende Rinde und Spalten der abgestorbenen Eiche hatten im Herbst das ideale Winterquartier für die Imagos zu bieten. Nun hat die Sonne sie hervorgelockt. Frühling ist Paarungszeit.

2019-03-30 LüchowSss Garten Wanze Rhyparochromus vulgaris Eichenrinde (1x3)

Weil sie so schreckhaft sind und ständig zwischen den Rindenuntiefen herumgewuseln, genügen die Fotos gerade zum Notieren und Bestimmen. Diese graubraun und schwarz mit ein paar hellen Abzeichen gemusterten, länglichen Wanzen bemerkt man meistens erst mit leichter Begriffsstutzigkeit auf der Baumwinde, wenn sie sich gerade bewegt haben und schon wieder verschwunden sind, ein dem „Aha!“ vorgeschalteter „Hä?“-Effekt.
Noch weniger als die rotschwarzen, aber sonst in der Körperform ähnlichen > Feuerwanzen werden sie wahrscheinlich wohl nur selten auch „schön“ gefunden, da macht das nichts.

Weil sie als Winterdomizil aber auch gern in Häuser eindringen, machen sich viele Menschen Sorgen, es könnte sich um Holzschädlinge handeln – das ist überhaupt nicht der Fall, weder in den Bäumen noch im Haus.
Sie sind, genau wie die Feuerwanzen, ausschliesslich am Aussaugen von Pflanzensamen interessiert, nicht an den Säften der Pflanzen selbst. Nur haben sie ein viel breiteres Artenspektrum auf dem Speiseplan als die linden- und hibiskusorientierten Feuerwanzen oder auf Nadelbäume fixierte Verwandtschaft. Die Gemeinen Bodenwanzen haben z.B. die Samen von Beifuss, Brennnesseln, Erdbeeren, Ulmen, Pappeln … und einiges mehr zum Fressen gern, ausserdem haben sie gern eine aufgelockerte Vegetation als Lebensraum, mit geeigneten Bäumen als Winterquartiere in der Nähe. Auf diese Weise gibt es für sie viele Möglichkeiten in Wildnis und Kulturland gleichermassen.

Fotos vom Mittag des 30. März 2019 im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

Mehr lesen über die Gemeine Bodenwanze Rhyparochromus vulgaris > bei Wikipedia und

7 Gedanken zu “Vom „Hä?“ zum „Aha!“

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.