Amsterdam – De Pijp

Nach dem halben Tag im Rijksmuseum ging es sozusagen zur Erholung um die nächsten Strassenecken zu einem ehemaligen Arbeiter-Stadtviertel von Amsterdam-Zuid, genannt De Pijp. Dort gilt der Albert Cuyp-Markt als touristisches Ziel, ich fand es aber insgesamt interessant, einen so anderen wirkenden Stadteil in so kurzer Entfernung zum Grachtengürtel zu sehen. Nur das privatinitiative Ringen um ein bisschen städtisches Grün ist gleich, hier z.B. in der Frans Halsstraat. Ich sah keinen Müll darin liegen und nichts plattgetreten, niedergefahren oder geköpft.

Das „Kochlöffelfenster“ gehört zu einem Laden mit ein bisschen von allem, wie man sie heute kaum noch findet, in der Saendredamstraat. Bis dahin war alles ruhig, aber dann kam die Albert Cuypstraat mit dem Markt gleichen Namens, da hat es gehörig gebrummt von Menschen. Wenn jemand meint, der Albert Cuyp Markt sei nur für Touristen und voller Ramsch und Souvenirs, wäre das übertrieben. Es gibt zwar eine Menge T-Shirts, Klompen in Neonfarben und anderes Gedöns, aber die Gemüse- und Fischstände wären für mich ein guter Grund, dort hinzugehen und einzukaufen, hätte ich eine Wohnung in der Nähe. Stattdessen gingen wir zum Mittagessen in den ‚Bazaar‘, einem bunten Restaurant, das sich in einer ehemaligen Kirche aus dem späten 19. Jh. befindet. Seit den 60er Jahren dient das Gebäude anderen Zwecken und so werden zur Zeit in dem Baudenkmal Gerichte aus Nordafrika und dem Nahen Osten serviert.

Nach dem Essen ging es aus dem orientalischen Schummerlicht wieder an die Amsterdamer Sonne und die kalte Luft. Zwischen all den Marktständen könnte man Abzweigungen übersehen, aber das Standbild vom André Hazes am Beginn der Sweelinckstraat sah ich trotzdem. Als Kind sang er in der Kneipe gegenüber seines Elternhauses und auf dem Albert Cuyp Markt, wurde 1959 dabei zufällig entdeckt, kam ins Fernsehen und wurde später als Sänger des gefühlvollen Genres ‚Levenslied‘ einer der erfolgreichsten Künstler in den Niederlanden und Flandern. Für den 2004 Verstorbenen wurde das Denkmal 2005 am Albert Cuyp Markt aufgestellt. Weil es kaum etwas gibt, das mich nicht wenigstens kurz interessiert, wenn es schon da ist, habe ich mir natürlich auch > André Hazes auf YouTube angehört.

Am anderen Ende der Albert Cuypstraat steht seit 2016 eine Art Tor mit 258 kleinen Laternen, auf denen kleine Symbole die Angebote des Albert Cuyp Marktes repräsentieren, im städtischen Auftrag designt von der Designagentur Overtreders W. Leider ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, wieviel Spass ein Fotograf mit den perspektivischen Möglichkeiten diesen Objekts haben könnte, statt es nur einfach so im Vorübergehen zu knipsen, wie ich. Aber dahinter lag die nächste Querstrasse, die Van Woustraat, und somit eine fällige Richtungsentscheidung.

Die Wahl fiel auf „geradeaus“ und somit die Hemonylaan, und so ging es an einer Reihe niedriger Gebäude mit bunter Streetart entlang, unter anderem dem rückseitigen Teil der > Billard Fabriek ‚Wilhelmina‘, einer der ältesten Billardfabriken der Niederlande, gegründet um 1898, seit 1904 an der Stadhouderskade 127.
An der Strassenecke entschieden wir uns für die Hemonystraat und dort fand ich wieder ein bisschen Grün und liebevolle Gestaltung direkt am Gehsteig zum Fotografieren schön. Ab hier war es nicht mehr weit bis zum Amsteldijk, zum Ufer der Amstel und einem neuen Beitrag.
Den bisher zurückgelegten Weg – diesmal inklusive dem bis zum Rijksmuseum – kann man wieder bei > GoogleMaps verfolgen. Die kleinen Bilder bitte zum Vergrössern anklicken, die Fotos sind vom Mittag und frühen Nachmittag des 11. April 2019 in Amsterdam, Nord-Holland, Niederlande.

4 Gedanken zu “Amsterdam – De Pijp

    • Da hatte ich besonders an dich und deinen Patenbaum gedacht. Ich war überhaupt, auch entlang der Häuser an den Grachten, erstaunt, dass all die wirklich spärlichen Versuche, den Gegebenheiten etwas Grün abzutrotzen, so respektiert wurden. Überall bilden Fahrräder geradezu Krusten entlang der Wege, aber nichts steht in den Pflanzungen, keine der Tulpen werden im Vorbeigehen abgerupft.

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