Die Kolkwitzie und der ständige Wind

Die rosigen, zart weiss und gelb gemusterten Blüten der Kolkwitzie alias Perlmuttstrauch Kolkwitzia amabilis:

2019-05-21 LüchowSss Garten Kolkwitzie (Kolkwitzia amabilis) mit Dunkler Erdhummel (Bombus terrestris)

Es gibt die hübschen Blüten auch in diesem Jahr, aber der Strauch kümmert, hat eine Menge vertrockneter Zweige und braucht, wie ich mir angelesen habe, wohl einen anderen Platz, wenn es nach acht Jahren noch möglich ist, ihn auszugraben und umzusetzen: der permanente Wind, dem der Strauch in den letzten Jahren ausgesetzt ist, entspricht so gar nicht seinen sonst so toleranten Bedürfnissen.

Bei ‚Horstmann‘ beschreibt man ihn so: „Bei solch vielen Vorzügen muss es doch Nachteile oder Schwierigkeiten in der Wahl des Standorts geben, oder? Bei dem Perlmuttstrauch nicht. Er kommt mit jedem Standort gut zurecht. Dennoch hat er gewisse Vorlieben. Am wohlsten fühlt er sich an einem sonnigen Standort. Doch im lichten und vollen Schatten gedeiht er noch prächtig. Sowohl für Sonne als auch für Schatten ist er tolerant. Er mag es allerdings geschützt und warm. Im Sommer kann es sogar lange Zeit so warm sein, dass die Erde unter ihm austrocknet. Das schadet ihm nicht, da es ihm in den Genen liegt, gut mit sommerlichen Trockenzeiten und Hitzeperioden zurechtzukommen. Neben der Toleranz gegenüber heißen Temperaturen und Trockenheit besticht der Strauch außerdem mit seiner Frosthärte. Bis zu -26 °C verträgt er mit Leichtigkeit. Ferner ist er auch für ein Stadtklima gut gerüstet.“

Geschützt zu stehen, daran mangelt es inzwischen! Meine auffallendste Beobachtung zum Klimawandel seit dem Pflanzen dieser Strauchreihe entlang des westlichen Zauns im April 2011 ist eine Zunahme der Stärke und des anhaltend kräftigen Windes, der früher während der warmen Jahreszeit meist nur leicht war, ausser er brachte mal eine heftigere Regenfront. Aber einen Alltagswind mit der Qualität eines Küstenwindes, unter dem sich die Zweige und jüngeren Äste der Bäume neigen, so wie es jetzt beinahe jeden Tag zu beobachten ist, den kannten wir hier nicht.
Sonst hätten meine Eltern und später auch ich nicht geplant, auf der Westseite des Grundstücks mit den Gehölzen nur locker und sparsam umzugehen, um den Sonnenuntergang nicht zuzupflanzen.

Inzwischen ist mir aber in meinen schlechtesten Träumen sogar schon das böse Wort „Thuja!“ durch den Kopf gegangen, Visionen von einer drei Meter hohen Reihe teuer gekaufter, dicht bei dicht gesetzer, immergrün-finsterer und unangenehm riechender Gewächse, die zwar den Boden mit ihrem Wirkstoff für andere Pflanzen unleidlich machen, aber zumindest den Garten vor Wind schützen könnten. Nein-nein-nein! Oder als schnellere und billigere Lösung diese gewissen grünen und ausgesprochen hässlichen Stoffbahnen zu erwerben und am Zaun entlang zu spannen, Tennisplatzflair als Albtraum. Argh!

Wenn ich dann schockiert aufwache, bin ich entschlossener denn je, all dem Widerstand zu leisten. Die vorhandenen Sträucher und Bäumchen müssen doch anders durch- und hochzubringen sein?
Im vorigen Jahr schon kam mir die Idee, wenigstens die Wurzel- und unteren Bereiche durch eine Benjes-Hecke besser zu schützen, die dort ausgleichend wirken soll.
Darüber schrieb ich schon einmal, und zwar hier, in >Ein Wall für den Zaunkönig und andere kleine Tiere. Aber für das eine oder andere Gewächs reicht es offenbar nicht, was dieser kleine, erst kniehohe Wall an Schutz des Bodens vor Austrocknung durch Wind und Frost schon bewirken kann, der Perlmuttstrauch leidet offenbar auch obenherum.

Sie soll ja tief wurzeln, die Kolkwitzie – hat einer von euch Lesern schon einmal einen älteren Perlmuttstrauch ausgegraben und versetzt: ist das möglich?

Fotos vom 21. Mai 2019, im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

20 Gedanken zu “Die Kolkwitzie und der ständige Wind

  1. Wir haben drei Kolkwitzien. Eine ist gut fünf Meter breit und hängt von oben runter. Ich habe die Seitenteile mal abgeschnitten, aber nach zwei Jahren merkst du nichts mehr, sie ist genauso groß wie vorher. Es ist für mich kaum vorstellbar, dass es Bedingungen gibt, die dieser Pflanze nicht gefallen. Wir haben aber auch nicht viel Wind.

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  2. Zunächst mal der Name: der ist ja fast ein Witz! Das Foto mit der Hummel ist genial, wie sie da so breitbeinig über der Blüte hängt 🙂 Die Blüten sehen schön aus. Wegen des Windschutzes: es wäre eine Menge Arbeit, aber wenn du nach und nach einen Wall anlegen würdest? Vielleicht im Kleinformat. So wie die Knicks in der Landschaft? Oder dichter pflanzen, mit weiteren Sträuchern, dazu deine Benjeshecke. Irgendwie muß es da doch noch andere Lösungen geben. – Ich finde auch, daß der Wind erheblich mehr geworden ist. An heißen Sommertagen sehe ich manchmal fassungslos aus dem Fenster, weil sich draußen die Bäume im Wind biegen………….

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