„ABC-Etüden“ – die fünfte, allein im Wald

Schnell noch eine kleine Geschichte zur selben Schreibeinladung von Christiane, für die Textwochen 45/46 des Schreibjahres 2019 bevor die neuen Worte kommen! Mir ist noch etwas eingefallen zu den drei in den Text einzuarbeitenden Wörtern von Anna-Lena mit ihrem Blog „Meine literarische Visitenkarte“, die immer noch lauten:

Himmelsleuchten – recycelbar – ausreisen

Alle 3 Begriffe müssen innerhalb ihrer jeweilig gegebenen Wortarten in maximal 300 Wörtern verwendet werden.

Für jemanden, der Angst im Dunklen hat, mag es unangenehm sein, aber andererseits ist Umgang mit der Angst Kern der Geschichte:

Allein im Wald
Ein schattenhafter Typ in Mantel und Hut näherte sich der Fahrseite des Autos. Angstvoll rutschte sie auf die andere Seite, stürzte sich fluchtartig heraus und in die Nacht.
Nur weg, dachte sie und rannte, bis sie nicht mehr konnte. Atemlos sah sie sich um. Muss ich wirklich durch diesen Wald? fragte sie sich.
Sie versuchte, sich den Stand des Mondes zu merken, um sich an dem silbrig hinter den schwarzen Ästen und Stämmen der Bäume erkennbaren Himmelsleuchten zu orientieren. Dann hetzte sie weiter.
Ständig meinte sie dunkle Gestalten oder nur deren leuchtende Augen zu sehen. Schliesslich strauchelte sie, fiel und blieb einfach liegen. Das meiste am Menschen ist recycelbar, versuchte sie sich zu trösten, falls es nicht funktionierte, wie sie es wieder und wieder geübt und aufgeschrieben hatte.
Fest kniff sie die Augen zu, als der unheimlich blauschimmernde Grabstein langsam auf sie zu fuhr, wie in den früheren Traumsequenzen auch.
Seit sie durch stetiges Aufschreiben ihrer Träume übte, wie sie aus dem erschreckenden Traumreich ausreisen konnte, indem sie das Absurdeste zu erkennen lernte, hatte sie sich diesen Moment dafür ausgesucht. Ein Bus! Ach, nur ein Bus sollte es werden, nächstes Mal, und den wollte sie einfach vorüberfahren lassen, das nahm sie sich diesmal fest vor.

 

12 Gedanken zu “„ABC-Etüden“ – die fünfte, allein im Wald

    • Ohje, ich hoffe, das war nicht zu oft notwendig. Leider kenne ich aber noch weitere Personen, die ähnliche „Hilfe“ anwendeten, allerdings zum Einschlafen. Es gab schon erstaunlich viele Kinder, die mit solchen Problemen allein waren, weil das Donnerwetter, das einen erwartete, wenn man zum Elternschlafzimmer gegangen wäre, kaum weniger gefürchtet wurde.

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    • Das hilft auch schon, sich das bewusst zu machen. Ich habe schon seit Jahrzehnten keine Probleme mehr mit üblen Träumen, aber davor, als Teenager, war so eine „Bearbeitung“ des Traumgeschehens für mich eine essentielle Hilfe und zugleich eine grosse Bereicherung, geradezu eine Eroberung und Aneignung meiner selbst.

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    • Im Grunde ist es eine geistige Parallelwelt, oder? Jeder hat eine individuelle Traumgestaltung, wandelbar und sich entwickelnd wie die reale Biografie auch. Früher, als ich das alles wie oben im Kommentar an Katharina angedeutet, immer nach dem Aufwachen notierte, um es mir später aufzudröseln, empfand ich es wie eine zweite Erlebnisebene, eine Parallelwelt, die (zu) mir gehört.

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    • Mich hat der selbe Satz beeindruckt wie Christiane.
      Ich hatte vor einiger Zeit ein sehr witziges Albtraumerlebnis, irgend wie gelang es mir mich aus dem Traum zu reißen und ich wachte auf, die Sonne schien auf meine Bettwäsche, alles war gut und ich schlief wieder ein.
      Dann klingelte der Wecker und es war dunkel, ich war sehr verwirrt bis mir aufflel, dass ich diese Bettwäsche auf die eben noch die Sonne schien, als Kind gehabt hatte und mein Bett auch gar nicht unter dem Fenster steht.
      Ich hatte das Aufwachen aus dem Traum nur geträumt.

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      • Es gibt solche verwirrenden Momente wohl ab und zu, so etwas kommt mir auch bekannt vor. Danach kommt einem ein paar Sekunden die Vorstellung von verschiedenen, nebeneinander herlaufenden Zeit- und Möglichkeitssträngen fast wahrscheinlich vor.

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