„ABC-Etüden“ – die achte, in der es um das Retten von Worten geht

Eine dritte Etüde von mir zu Christianes > Schreibeinladung für die Textwochen 47.48.19 mit der Wortspende von Bernd mit dem Blog > Red Skies over Paradise, den drei zu verwendenden Begriffen:

Unbehaustheit – schwermütig – haschen.

Den Regeln gemäss müssen alle 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern zum Einsatz kommen, wobei Inhaltshinweise und Überschrift nicht zum Text zählen.


Wer rettet die Wörter?
Inzwischen ist es über zehn Jahren her: da übernahm ich auf einer Webseite genannt ‚Save the Words‘ die Patenschaft für eines von vielen Wörtern, um es vor der drohenden Unbehaustheit und dem Vergessen zu retten.
Den PR-Gag der Verlagsgesellschaft, die z.B. Oxford Dictionnaries in Malaysia verlegt, gibt es nicht mehr, aber es war eine inspirierende Webseite, auf der skurrile Wort-Promenadenmischungen, putzige Familienwörter, unscheinbare Druckfehlerbastarde, lausige Übersetzungsfehler und streunende Rechtschreibausreisser ein Zuhause suchten, weil sie von Rassewortbesitzern nicht akzeptiert wurden. Schliesslich wollen auch sie beschützt und ausgeführt werden, um andere Wörter zu treffen, damit sie jemanden zum Spielen haben. Die meisten Wortgeschöpfe waren lebhafte, bunte Racker, die einander haschten und übereinander purzelten, aber einige sassen auch schwermütig in schummerigen Winkeln, scheu an die Wand gedrückt. Manche hüpften an mir hoch, wedelten  mit den Schwänzchen und quiekten: „Nimm mich!“.
Es war schwer, sich im bizarren Getümmel für eines der Wörter zu entscheiden, aber schliesslich wählte ich ein lilafarbenes Wort namens inobligality, weil mir sein unabhängiger Charakter gefiel. Ich habe sogar dieses Zertifikat:

Rettet die Worte - Save The Words
Ganz im Sinne von inobligality fühlte ich mich nicht verpflichtet, ein passendes T-Shirt mit Aufdruck zu kaufen und auch in Folge hatten wir viel Spass miteinander, aber ich mache mir Sorgen um die vielen anderen Artgenossen: Wer rettet nun die Wörter?

 

15 Gedanken zu “„ABC-Etüden“ – die achte, in der es um das Retten von Worten geht

  1. Wie schade, dass es die Seite nicht mehr gibt! Ich hätte ganz bestimmt auch ein Wort adoptiert und mir vielleicht auch ein T-Shirt zugelegt … Ich mag derartige Projekte.
    Danke! 😀
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 4 Personen

    • Es gab damals einige in meiner blogfreundschaftlichen Umgebung, mit denen es sich lustig mit den Adoptivworten spielen liess. Aber ich sehe gewisse Ähnlichkeiten im Umgang mit den Etüdenworten, auch wenn es Worte mit lexikalisch verbrieften Stammbäumen sind.

      Gefällt 1 Person

  2. Ach ja, die gute alte Zeit..
    10 Jahre ist das schon wieder her? Ach Göttken…
    Ich entsinne mich auch 2 Wörter adoptiert zu haben: CECOGRAPH, welcher lt. dem Century Dictionary wohl eine Schreibmaschine für Blinde ist/war – und mein Twittername wurde, weil er sich irgendwie knuffig anhörte und MULOMEDIC (was nichts weiter war als ein Veterinär für Esel). Manchmal glaube ich sogar, dass der zweite Name die bessere Wahl für den Twitter-Account gewesen wäre – das hat aber mehr damit zu tun, dass man das Gefühl hat es in den sozialen Netzwerken fast nur noch mit Eseln zu tun zu haben, die dringend eine Therapie brauchen..
    Ansonsten mag ich die Idee der ABC-Adventüden – bringt mal etwas Abwechslung ins graue Blogger-Leben.
    Euch allen einen schönen Rest 1. Advent..

    Gefällt 1 Person

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