Wie ich beschloss, kein Papiertiger mehr zu sein … – meine 3. „ABC-Etüde“ des Jahres 2020

Meine 3. „ABC-Etüde“ im Januar 2020, geschrieben zu Christianes Schreibeinladung für die Textwochen 04.05.20 mit der Wortspende von OnlyBatsCanHang: Papiertiger – belanglos – plätschern
Die 3 gegebenen Begriffe müssen alle in nicht mehr als 300 Wörtern zum Einsatz kommen, wobei Erklärungen und Überschrift nicht mitzählen.
Ein paar Tage lang habe ich feige gezögert, die gegebenen Worte auf den Schauplatz des stillen Örtchens anzuwenden, aber weil sie einen bisher noch nicht in anderen Etüden angewandten Sinn fanden, und ich das Anliegen selbst nicht unnütz finde, habe ich meine eher nur sachliche Idee gewagt, davon zu berichten …

Wie ich beschloss, kein Papiertiger mehr zu sein.

Seit Jahren nehme ich mir jeden Januar den Badezimmerschrank vor, schütte Shampoo- oder Lotions-Restchen zusammen, um eine der Flaschen loszuwerden, oder vergnüge mich mit belanglosem aber dekorativem Hin- und Herrücken von Gegenständen und Handtuchstapeln.
Vor drei Wochen jedoch blinkten dabei plötzlich Worte wie „Aluminiumsalze“, „Fluorid“, „Mineralöl“, „Silikone“, „Plastik“ und „Mikroplastik“ in meinen Gedanken auf und ich verglich jede Inhaltsliste mit Webseiten-Informationen. Je ärgerlicher ich angesichts der verklausulierten Zutaten wurde, desto weiter leerte sich der Schrank.
Lidschattendöschen, Lippenstifte und Nagellacke wanderten den Plastikflaschen, Tuben und Dosen hinterher. Nichts davon wollte ich nochmals verwenden, geschweige denn, es mit dem Wasser durch den Abfluss in die Natur plätschern lassen.

Nun blieb noch die Klopapierfrage zu lösen, denn obwohl ich schon vor längerem auf waschbare Abschminkpads und Stofftüchlein zum Naseputzen umgestiegen bin, blieb ich weiterhin ein – Recyclingpapier hin oder her – mehrere Rollen Toilettenpapier wöchentlich vertilgender, schrecklicher Papiertiger!
Produktiv ärgerlich, wie ich gerade war, suchte ich im Web nach „Alternativen zu Toilettenpapier“. Unter den ergoogelten Tipps fand ich schliesslich eine für mich ideale Kombination von Möglichkeiten, die ich zuhause nun schon seit drei Wochen angenehm überrascht beibehalte.

Nicht jedem wird dieselbe Vorstellung genehm sein und ich möchte auch nichts noch näher erläutern, aber die unten aufgeführten Links enthalten viele interessante Informationen. Von der unvermeidlichen Werbung profitiere ich nicht, aber vielleicht die Umwelt?

(227 Worte)


Hier sind einige Links von Webseiten, die ich zum Thema Toilettenpapier informativ finde:

> Blatt für Blatt, Rolle für Rolle – Europa in Zahlen | www.arte.tv

> Und sie schrien nach Klopapier – geschätzter Klopapierverbrauch pro Kopf in ausgewählten Ländern | Statista

> Hygienepapier | WWF

> Alternativen zu Toilettenpapier | Utopia.de

22 Gedanken zu “Wie ich beschloss, kein Papiertiger mehr zu sein … – meine 3. „ABC-Etüde“ des Jahres 2020

  1. Bei allen gut gemeinten Alternativen fiel mir auf, dass sie Unmengen an Wasser verbrauchen, die Waschlappen müssen gekocht werden, zusätzlicher Energieverbrauch. Recycelbares Papier scheint mir hier die bisher beste Lösung.Wasser ist eine Ressource, mit der wir viel zu sorglos umgehen .
    Da gibt es den niedlichen Witz: der Förster hatte seine Tiere im Wald zusammen getrommelt und ihnen die Leviten gelesen, weil sie ungeniert ihre Häufchen überall hinterliessen. Er bat sie,von jetzt an die von ihm ausgehobene Grube zu benutzen. Alle hielten sich daran, bish er eines Tages wieder Kaninchenköttelchen fand. Er bestellte Kaninchen zum Rapport und fragte, warum es sich nicht an die Vorschriften halte. Das erzählte unter Protest, dass der Bär ihn, als sie zusammen an der Grube ihren Geschäften nachgingen,gefragt hätte: fusselst Du? Als ich das verneinte, hat er sich mit mir den Po abgeputzt! Deswegen!

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    • Böser Bär. ^^
      Die Wassermengen sind immer ein Argument, das jeder für sich anders zu sehen oder lösen vermag. Gerade im Zusammenhang mit der Wäsche fallen je nach Grösse des Haushalts unterschiedlich oft passende Heisswäschemengen an, darüber muss man natürlich nachdenken.
      Andererseits verbraucht man als normaler Toilettenpapierverwender im Allgemeinen mehr Wasser für Spülvorgänge …, das kommt sicher auch oft auf den Einzelnen an.

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      • Da wir Menschen noch keinen genormten Stuhlgang haben, ist das Thema sowieso individuell zu betrachten. Aber auch hier ist mehr Achtsamkeit und auch mal Nachdenken angebracht.Deine Links sind schon erhellend!

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  2. Ja, das Klopapier! Ist schon ein Thema. Wie auch die Pampers für sehr jung und sehr alt. Mein Sohn wuchs noch ohne auf: mit auswaschbaren Windeln. Wie? Was? schreien da sicher viele junge Mütter. Nun, so wuchs ich selbst auch auf. Und meine Geschwister, meine ganze Generation, meine Eltern und Großeltern und Urgroßeltern sowieso. Waschmaschinen gab es damals nicht – falls jemand meint, man könne die voll gekackten Windeln ja wohl nicht in die Waschmaschine schmeißen. Nee. Alles Handarbeit. Und ja: der Waschlappen für „untenrum“ war gang und gäbe.

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    • Ich habe bei meinen Kindern eine Mischung aus Windelwäsche und „Gelegenheitspampers“ betrieben, der empfindlichen Haut zuliebe, und habe vielleicht deswegen weniger „Berührungsängste“. 🙂

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    • Liebe Gerda, das kenne ich auch aus meiner Kindheit und die Schwerstarbeit, die die Frauen (Männer machten das sowieso nicht) beim Wäschemachen hatten, aber ich möchte die heutigen Annehmlichkeiten nicht missen und vor allem im Alter nicht mehr. Das Inkontinenzproblem wird ein sehr großes werden, weil unsere Gesellschaft immer mehr altert und ich möchte den sowieso schon überlasteten Pflegekräften nicht auch noch zumuten, sollte es bei mir so kommen, meine Windeln waschen zu müssen, da reicht schon die sonstige Pflege.
      Meine Tochter lebt alternativ: Kompostklo, solidarische Landwirtschaft, Sonnenkollektoren, Holzheizung, Kleidertausch, vegetarisch usw.usf. –
      ich könnte und möchte das nicht mehr, es reicht mir für ein paar Tage Besuch. Im übrigen lebt in dieser Gemeinschaft bisher kein Mensch über 55.
      Diese neuen Fronten, die überall entstehen, sie sind mir ein Dorn im Auge; die Menschen müssen umdenken, aber von einem Extrem ins andere, ist auch keine Lösung. Aufklärung ist wichtig und das fängt im Elternhaus, der Schule an, aber bitte keine Dogmen für die Kinder aufstellen.

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  3. Na, auf jeden Fall werde ich den Links folgen und erstmal offen nachdenken; bisher hatte ich das Toilettenpapier noch nicht auf der Liste der Dinge, die ich in Zukunft ersetzen wollen würde. Aber was nicht ist …
    Danke für die Denkanregung 🙂

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  4. Das ist bis jetzt die außergewöhnlichste Verwendung des Begriffs „Papiertiger“, die ich gelesen habe. 😉
    Ich bin gerade unterwegs, ich kann den Links heute Abend nicht folgen und hole es nach. Aber danke dir sehr herzlich für den Denkanstoß! Ich finde es immer wieder gut, dass/wenn es Sachetüden gibt, die auch auf entlegenere Themen aufmerksam machen! (Und es sollte eigentlich keins sein …)
    Liebe Grüße
    Christiane in Eile 😀

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  5. Gerdas Anmerkungen kann ich nur unterstreichen: war bei uns damals auch so.
    Aber jetzt gibt es ja neuere Untersuchungen, dass beim Heisswaschen wesentlich mehr Mikroplastik frei gesetzt wird als beim Waschen mit tieferen Temperaturen. Empfohlen werden neuerdings umweltschonende Temperaturen um die 30 Grad. Ob das dann noch hygienisch ist?

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    • Heisswäsche betrifft doch eher selten etwas anderes als Baumwolle und Leinen, also kann ich mir kaum vorstellen, woher in dem Fall Kunststoffpartikel kommen sollen, von Mikrofaserhandtüchern oder -putzüchern mal abgesehen, die (heiss) gewaschen werden. Wer Kunstfaserausspülungen aus der Wäsche verhindern will, kann neuerdings spezielle Wäschebeutel kaufen, die solche Partikel zurückhalten sollen.
      Bei einem kurzen Blick im Web fand ich ausserdem lediglich die gegenteilige Meinung, betreffend den Schonwaschgang, was irgendwie logisch ist, da die typischerweise kunstfaserhaltige Textilien mit 40 Grad oder weniger gewaschen werden.
      Weichspüler enthalten häufig Mikroplastik-Zusätze; sie werden besonders gern beim Handtücherwaschen zugesetzt, und werden darum womöglich für die Ergenbnisse bei der Heisswäsche wirksam, aber auch bei jeder anderem Waschgang, bei dem sie zugegeben werden. Ebenso muss man sich die Inhaltslisten flüssiger Wachmittel und der hübschen, bunten Pods genauer daraufhin ansehen, unabhängig von der Waschtemperatur.
      Die Verbraucher sollten sich hinsichtlich der Hygiene bei der Planung ihrer Wäsche einfach wieder mehr mit sinnvollem Sortieren und Planen auseinandersetzen, das hilft Wasser und Energie zu sparen, und damit der Umwelt auch.

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  6. Über Papiertücher habe ich auch schon viele Kämpfe an der Arbeit gefochten, da ging es aber ums Abtrocknen. Ich habe ein Handtuch mit an der Arbeit. Allerdings benutze ich weiterhin Klopapier, allerdings recyclebares. Ich denke, wenn alle etwas sparen und nicht 10 Blatt pro Gang nehmen wäre dem Thema auch schon etwas geholfen.
    Danke für die Links. Ich sammle solche Artikel und will irgendwann mal eine Linksammlung veröffentlichen. 🙂
    Grüße, Katharina

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    • Zwischen Arbeitsplatz und Zuhause sind schon Kompromisse vonnöten, und auch dort, denn es muss ja nicht der ganze Haushalt bezüglich persönlicher Verhaltens-Veränderungen denselben Weg beschreiten. Ich bin ganz deiner Ansicht, dass jeder individuell gangbare Weg des noch so kleinen Wenigerverbrauchens oder etwas nur ein bisschen anders zu tun als bisher ein guter Weg ist, ganz gleich in welchem Segment des Alltags.
      Bin gespannt auf deine Linksammlung. Zur DIY (auch Kosmetik) gibt es auch einiges, manche dümmlich, aber andere auch sehr genial, wie z.B. der Blog „BloP – Besser leben ohne Plastik“ von Frau Schubert.

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    • Lieber Gerhard, diese „Bastion“ mal anzugreifen kommt einem zunächst so extrem vor, aber die Vergleiche mit anderen Ländern, in denen Sauberkeit nicht minder wichtig ist, werfen doch Fragen auf, was dort anders ist und schon ist man zum Nachforschen bereit.

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