Der Katamaran – ABC-Etüde für die Textwochen 19.20.20

Christiane hat bereits vor fast zwei Wochen zur neuen Etüdenrunde eingeladen: > Schreibeinladung für die Textwochen 19.20.20 | Wortspende von Olpo Olponator | Irgendwas ist immer und die Wortspende stiftete Olpo Olponator: Katamaran – großspurig – totschweigen, 3 Begriffe, die in maximal 300 Wörtern zu verwenden sind, wobei eventuelle Inhaltshinweise und die Überschrift nicht mit zum Text zählen.

Der Katamaran

Achim stand an einem der Fenster im achten Stock und blickte ins Weite, das Telefon noch achtlos in der Hand, hinter sich der großspurige, fast leere Schreibtisch, der seiner Position im Unternehmen entsprach.

Er liebte sein bisheriges Leben. Karin war eine angenehme Begleiterin durch alle Lebenslagen, geschäftlich und in der Ehe waren sie ein gutes Team. Etwas abgekühlt im Bett nach zwanzig Jahren, aber das wurde durch Saskia wettgemacht, die weniger von Marketing als von Maniküre verstand. Sie hörte zu, ohne dummes Zeug zu antworten, und nahm sich der Dinge an, die von Karin nicht mehr beachtetet wurden.

Mit beiden segelte sein Dasein wie ein Katamaran über das Wasser, obwohl er den Tiefgang vermisste, denn wollte er das Gleichgewicht halten, musste er aufpassen, wovon er sprach, um sich nicht bei der einen zu wiederholen, und bei der anderen wegen nichtvorhandener Voraussetzungen Erstaunen zu verursachen.

Er wollte sein angenehmes Leben nicht kippen, wollte keine seiner beiden liebgewordenen und wohltuenden Beziehungen verlieren, aber das ausbalancierte Boot käme so oder so bald zum Kentern, ob er sein dringendstes Problem weiterhin totschwiege, oder nicht.

Die bisher vor beiden Frauen lässig unter den Tisch gekehrte Krise hatte sich zum Ungünstigsten entwickelt. Demnächst würde ihm der finanzielle Wind in den Segeln fehlen. Gerade hatte der Vorstand ihm mitgeteilt, dass der Konzern leider keine Zukunft mehr für ihn vorsah.

Karin würde abwechselnd netzwerken, ihm Vorwürfe machen, weil er nichts gesagt hatte, und zahlreiche alternative Pläne entwickeln. Saskia würde ihn in den Arm nehmen und sagen, er brauche nur zu ihr zu ziehen, dann würde schon alles wieder gut. Er wollte beides nicht.

Das Telefon in der Hand brachte ihn auf eine Idee und er wählte die Nummer des Reisebüros. Nichts hören, nichts antworten müssen, nur mit dem angesammelten Resturlaub segeln gehen – genau das …

297 Wörter

 

10 Gedanken zu “Der Katamaran – ABC-Etüde für die Textwochen 19.20.20

  1. Wegsegeln und den Kopf in den Sand stecken. Oft genommen, die Lösung. Wäre interessant, ob ihm eine Alternative einfällt, wenn er mehr Abstand zu allen hat. Plus natürlich die Frage, was er eigentlich will, nachdem der Status quo nicht zu halten ist …
    Schön, dass du doch dabei bist!
    Liebe Grüße
    Christiane 😁☕🍪👍

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    • Danke, Werner! Eigentlich ist er doch nur einer, der es angenehm haben will. Meinst du, er ist bald bereit für eine Dritte, die ihn auch wieder in eine bestimmte Bahn setzt? Ich wäre eigentlich enttäuscht.

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  2. Nun gut, er hatte es sich bequem gemacht, sein Geld hatte das übrige dazu getan, immerhin.
    Ob er aufwachen kann? Wie denn?
    Charisma hat er sicher noch und eine reiche Vergangenheit, also schon beeindruckend.
    Und so geht’s dann weiter…

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    • So schlecht hatte ich bisher noch gar nicht von ihm gedacht, er ist ja nicht mal eine richtig treulose Tomate, er war ja aus Bequemlichkeit sogar seinem Frauen-Duo treu, wenn man das mal so nennen möchte, wenn es sich jemand in gleich zwei Beziehungshängematten eingerichtet hat.

      Sicherlich hat er sich in der Firma ebenso durchlaviert, durch Unauffälligtun und die von anderen Mitarbeiter*innen verfassten und geleisteten Aufwändigkeiten an konkreter Arbeit und nur etwas blendender Votragsleistung, wenn nötig. Sein Arbeitgeber trennt sich vermutlich nicht umsonst gerade von ihm.

      Ich halte ihn nicht für einen Draufgänger, nur einen, der weiss, wie man mit minimalem Einsatz ein angenehmes Dasein erreicht, und nun an die Grenzen dessen kommt, was ein verhältnismässig passives Sichdurchmogeln von einer aktiven Lebensgestaltung unterscheidet.

      Eigentlich möchte ich nur, dass ihm das alles um die Ohren fliegt, und er seinen Kopf wieder zu tieferem Nachdenken benutzt, statt auf seinen Oberflächlichkeiten weiter zu gleiten.

      Werners Einwand von der nächsten Frau und dein Hinweis auf das Geld, mit dem er zumindest jetzt gerade noch beeindrucken könnte, könnten ihn natürlich verführen, im alten Schema zu bleiben, und das zu wiederholen, was er am besten kann, bis das Geld verbraucht ist.

      Ich lasse mich jetzt aber nicht dazu verführen, Alices grossartigen Fortsetzungskrimi zum Vorbild zu nehmen, sondern bin froh, dass heute die neue Etüdenrunde beginnt. 🙂

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