Früher – Schreibeinladung für die Textwochen 24.25.20 | Wortspende von books2cats

Mein zweiter Beitrag zu Christianes > Schreibeinladung für die Textwochen 24.25.20 | Wortspende von books2cats | Irgendwas ist immer mit Susannes Wortspende vom Blog books2cats: Geräteschuppen – kupferfarben – feiern
unterzubringen maximal 300 Wörtern, Inhaltshinweise und Überschrift nicht mitgezählt.

2020-06-07 ABC-Etüden Geräteschuppen - kupferfarben - feiern  2020_2425_1_300

Früher

Weil in diesen Wochen überall motorisierte Gartengeräte lärmen, und kein Tag ohne diese Geräusche verstreicht, erinnerte ich mich an früher.
Früher gab es das Wort Geräteschuppen in meiner Umgebung nicht, Gartengeräte hatten keine eigene Unterkunft. In meiner Kindheit hatten die meisten, deren Garten abseits des Hauses lag, eine Gartenlaube.

Darin befand sich eine stets ähnliche, überschaubare Menge von Gegenständen: z.B. ein alter Tisch mit ausrangierten Stühlen, manchmal stattdessen einfache Brettertische und -bänke, auf deren rauen Oberflächen man mit kurzen Hosen oder Röckchen nicht gern sass, darüber hingen Zwiebeln und Kräuterbündel zum Trocknen.

An der Wand gegenüber dem Fenster befand sich normalerweise ein Regal mit einigen alten Blechdosen, aus denen um ein Holz gewickelte Gartenschnur, Messer, Wetzstein und auch mal ein Bleistift ragten, einen Spankorb zum Horten von Tüten mit Sämereien daneben.

Darunter hingen an Nägeln: der Spaten, die Harke, eine leichte Bügelzug- und eine schwere Kartoffelhacke mit Eichenstielen, blank vom Benutzen. Es gab eine Sichel, oft auch eine Sense, sowie ovale Kartoffelkörbe aus ungeschältem Weidengeflecht und einen Strohhut. Eine verzinkte Giesskanne mochte am Boden stehen und wo es keine Sense gab, stand ein Klippklapp-Rasenmäher in der Ecke.

Gelegentlich hingen vor den Fenstern alte Häkelgardinen, aber genauso oft dichte Spinnweben, in denen die Inhaberinnen zwischen Fliegen, Nachtfaltern oder gar einer verfangenen Libelle wählen konnten und ein unbehelligtes Luxusleben feierten. Sie verzogen sich nur in einen Winkel, falls jemand zu nah kam. Diese Spinnen beobachteten einen, kam man allein dort hin.

Manchmal lag eine Zeitung auf dem Tisch oder ein altes Buch, weil jemand eine Regenstunde lesend überbrücken wollte.
Ich erinnere mich auch an ein altes Grammophon mit Kurbel und kupferfarbenem Schalltrichter, dazu einem Bakelit-Döschen mit den Nadeln, das ich gezeigt bekam, bevor ich schnell davonrannte.
Früher war nicht alles besser, nur leiser.

291 Wörter

 

14 Gedanken zu “Früher – Schreibeinladung für die Textwochen 24.25.20 | Wortspende von books2cats

  1. Bei uns stand noch ein Schleifstein, sowie Beil und Axt und irgendwo hing eine Säge an einem Nagel. Dann hatten wir noch den Schusterbock und die Dose mit den Holznägeln und natürlich verschiedene Arten von Hämmern sowie eine Handsichel. Raspel und Feile lagen auch noch irgendwo rum.

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  2. Bei uns hieß das Stall und das war es auch. Alte Gerätschaften, aber auch Kaninchen, Hühner mit Auslauf und jedes Jahr ein Schwein. In den Stall mochte ich nicht gerne gehen, nur wenn es frisch gekochte Schweinekartoffeln gab…die waren lecker :–)

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    • Den „Stall“ kenne ich von meiner Grossmutter als festes Gebäude, einen schmalen Anbau am Wohnhaus, mit mehreren Türen in Reihe, kleine dunkle Einheiten für je ein Schwein oder eine Ziege, manchmal auch Geflügel für die Nacht und einen mit Gerätschaften und dem Hühnerfutter.
      An den unverwechselbaren Geruch der Schweinekartoffeln erinnere ich mich auch noch.

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  3. Ja, es war ein festes Gebäude, das gab es in der ganzen Siedlung. Da die Hühner einen extra Platz brauchten, gab es noch einen selbstgebauten Auslauf. Rasenfläche gab es nur eine kleine und mittendrin ein Kirschbaum. Alles was noch zum Grundstück gehörte wurde mit Kartoffeln und allerlei Gemüse…auch Grünkohl genutzt. Blumen nur ganz wenige.

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    • So ähnlich war es bei meiner Grossmutter auch. Die Grasfläche war nur klein, am Waschtag Wäscheplatz. und an anderen Tagen wurde in der Mitte im Schatten eines Birnen- und eines Zwetschgenbaumes auf einem alten Stuhl Erbsen gepuhlt oder Kirschen entsteint. Sonntags wurden die Korbstühle dort hin getragen und ein bisschen geselliger zwischen den Beerensträuchern gesessen und geplaudert.

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      • Ach jaaa….Erbsen pulen. Die Wäsche hing längs des Gemüsegartens, da war Platz und der Misthaufen 😀 Mein Vater liebte Musik und die wurde dann unter dem Kirschbaum gespielt. Es gab ja einen Plattenspieler.
        Alles schon so lange her und leider starb mein Vater schon mit 61 Jahren. Meine jüngste Schwester bewohnt jetzt dort jetzt allein das Haus und es ist in einem schlimmen Zustand….

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  4. Bei uns hieß das Schuppen, ohne „Geräte-“ davor, denn es stand auch jede Menge anderes darin. Mir fehlt in deiner Aufzählung noch die Schubkarre, und natürlich dürfen auch Besen, Eimer (oft mehrere) und Schaufel nicht fehlen.
    Liebe Grüße
    Christiane 😉

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