ABC-Projekt: C wie … „Cromargan“

Noch ein C-Wort im Bild zum > Foto-Projekt ABC | Wortman, und zwar das gute alte „Cromargan“, wie man allgemein im Deutschland der 60er und 70er Jahre Haushaltswaren aus > rostfreiem Stahl nannte, obwohl das Wort eigentlich nur der Handelsnamen der Firma WMF für ihre eigenen Produkte dieser Art ist. Es hat sich wie bei den Tempo-Papiertaschentüchern zum Begriff verselbstständigt, den jeder als übergeordnet versteht.

2013-08-17 LüchowStadtfest-Flohmarkt 078 'Cromargan'-Tabletts

Ob rostfreie, dünn gepresste Billigware oder das richtige, schwere original „Cromargan“ – zuvor gab es nichts Vergleichbares, das auch zwischen Porzellan und Glas auf die Sonntagstafel gestellt, oder dem Besuch vorgesetzt werden durfte. Die Tabletts und Schalen, Butterdosen und Eier-Kabaretts waren pflegeleicht, platzsparend und unzerstörbar, wie sich Jahrzehnte später auf den Flohmärkten abzeichnet. Mittlerweile will keiner den Inbegriff von sparsamer und enger Spiessigkeit mehr haben, die jüngere Generation hat die Dinge der Mütter und Grossmütter aussortiert, man trifft die Tabletts und Platten höchstens noch in günstigeren Restaurants oder auf Veranstaltungen an.
Aber vor vierzig, fünfzig Jahren bedeuteten solche Gegenstände wie auf meinem Flohmarkt-Foto das pure Hausfrauenglück. Sie wurden handgespült, liebevoll abgetrocknet und kratzerfrei mit Zwischenlage im Schrank aufbewahrt, bis sie zur nächsten grossen Kaffeetafel oder einem Familientreffen wieder für Butterkuchen, Schnittchen, Russische Eier oder die mit Weintrauben dekorierte Käseplatte hervorgeholt wurden.

Im ursprünglichen Kontext mit einem Bummel über den Lüchower Stadtfest-Flohmarkt im August 2013 findet sich das Foto hier > Bilder vom Lüchower Stadtfest.

12 Gedanken zu “ABC-Projekt: C wie … „Cromargan“

  1. ..aber irgendwie ist es fast verrückt, wie nachhaltig und langlebig mal alles war. Nach dem Krieg, den schlechten Zeiten und wenig Geld mußte es einfach lange halten. Wie wir so zur Wegwerfkultur verkommen konnten. Fast ist es rätselhaft. Lustigerweise wollte ich beim Wort Tablett dauernd Tablet lesen 😉

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    • Das Tablett-Phänomen ist selbst mir beim Schreiben aufgefallen. ^^
      Die Infragestellung und Idealisierung langer Haltbarkeit ist den Menschen über Jahrzehnte gründlich aberzogen worden und so manches Mal denke ich auch über meine eigenen Wegwürfe, die ich über meine verschiedenen Lebensphasen so „verbrochen habe“, um mich von der jeweils vorigen zu distanzieren, jetzt mit Bedauern ganz anders. Es ist kompliziert.

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      • Ich frage mich, wie es für die Generationen ist, die es nicht anders kennen. Es gibt ja auch bei denen zum Teil einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit, aber nicht bei allen. Das vieles „nix“ mehr kostet und jederzeit nachgekauft werden kann, statt etwas reparieren zu lassen. Man kommt ja selbst dahin. Wer hat schon Lust einen großen Multifunktionsdrucker einzupacken, zur Post zu schleppen und in eine andere deutsche Großstadt zu schicken (zumal die Reparatur dann ja meist teurer ist als was Neues usw und so fort…)? Ich hoffe, wir kommen mal wieder zurück zur Reparatur.

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