Projekt ABC: F wie Froschlurche

2021-01-16 PROJEKT ABC (Wortman) LogoIm > Projekt ABC vom Wortmann geht seit dem 21. März 2021 nun mit dem Buchstaben F weiter, bei mir mit F wie Froschlurche.
Ja, genau: Frosch- plus -lurche hintendran ermöglicht mir nämlich, Frösche und Kröten zugleich heranzuziehen, denn die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Ordnung der Froschlurche ist kompliziert.
Man könnte meinen, es einfach an der Glätte bzw. Warzigkeit und Feuchtigkeit der Haut festmachen zu können, aber dann grätschen wieder die Laubfrösche mit ihrem hellgrünen Gummi-Look dazwischen: sie sind enger mit den echten Kröten als mit den echten Fröschen verwandt.

Den Europäischen Laubfrosch Hyla arborea finde ich bei uns besonders häufig in Maisfeldern auf den Blättern sitzend oder an den Stängeln kletternd – bis zur Ernte ist das für sie ein nahrhafter Lebensraum, aber in unserer Gegend wird Mais leider meistens zur Biogas-Gewinnung grün, also vor der Reife geerntet, denkbar schlecht für die Laubfrösche.

Das frühlingshafte Treiben der Erd- und Wechselkröten ist nicht minder schwierig, da sie stets zum Laichgewässer ihrer Kaulquappenzeit streben. Die Männchen reisen dabei auch als Anhalter – kein Wunder also, dass die so belasteten Weibchen geteerte Strassen unebenem Boden vorziehen, wo immer möglich. Dramatisch auch, wenn das Gewässer nicht mehr existiert, wie für die Kröten von meinem ersten Foto, weil es den Teich in unserem Garten wegen des gesunkenen Grundwasserpegels schon seit zwei Jahren nicht mehr gab.

Manche der Kröten versuchten sogar, durch die Haustür hinein- und so durch das Haus dorthin zu gelangen. Eines Tages fand ich eine unter einem Bücherregal sitzen, mit Staubflusen auf der Haut, aber zum Glück lebendig.
Kleinere Wassergräben sind selten geworden, das Wasser von „Biotopen“ in Plastikwannen und Folienteichen in Gärten wegen zu steiler Ränder, Steinen und Bepflanzung für Amphibien unzugänglich. In den regelmässig ausgebaggerten Kanälen sind sie durch deren landwirtschaftliche Nutzung für Bewässerungszwecke todgeweiht.

Die Überlebenden, vor allem die kleinen Jungkröten, wandern oft erstaunlich weit, um ein eigenes kleines Revier zu finden, wo sie bleiben, bis ihr Instinkt sie zur Paarungszeit wieder zu ihrem Geburtsgewässer zurückzieht. Viele kleine und grosse Kröten habe ich schon zu jeder Tages- und Nachtzeit von den Wirtschaftswegen beiseite gesetzt, wenn ich mit Bongo spazierengegangen bin, und manchmal habe ich davon natürlich auch Fotos davon gemacht.

Als ich Kind war, gab es hier in der Gegend noch viele nasse Wiesen, und für Frösche reichlich Lebensraum. Seit den 70er Jahren wurde aber immer mehr entwässert, von Weide- auf Feldwirtschaft umgestellt und immer mehr Natur unter der den Pflug genommen. Wie die Laubfrösche (oben) leben auch andere Frösche nicht mehr nur abseits und einigermassen ungestört vom Menschen und seinen Maschinen, sondern mitten in den agrarischen Flächen.

Den hübsch mit dunklen ineinander übergehenden Sprenkeln auf hellem Grund gemusterten Frosch mit leicht gestreiften Beinen entdeckte ich im August 2013 wieder einmal auf einem Maisfeld, und um welche Art es sich handelt, weiss ich bis heute nicht, nur: es ist eben keine Wechselkröte, davon sieht man ein junges Tierchen weiter oben, auf meiner Hand. Den olivfarbenen Grasfrosch Rana temporaria entdeckte ich auf einem stillgelegten Bahngleis.

Sie hatten es alle weit von ihren Geburtstümpeln bis dorthin, wo ich sie fand. Richtige Teiche, wie derjenige, wo ich die Teichfrösche Pelophylax „esculentus“ bzw. Rana esculenta, ungenauer auch Wasserfrosch genannt, fotografiert habe, liegen oft kilometerweit voneinenander entfernt, die Flüsse und eventuell noch existierenden Sumpflöcher auch. Die vergangenen beiden Dürrejahre haben die Situation eher noch verschlechtert.

2021-01-05 LüchowSss Garten Dänische Granitkröte + FlechtenIm Sommer 2020 war es sieben Jahre her, dass ich eine echte, nicht nur eine steinerne Kröte bei uns im Garten sah, auch in der freien Landschaft begegneten mir seit dem nassen Frühjahr 2018 keine mehr.
Voriges Jahr aber fand ich ein paar kleine auf Feldwegen und eine im Garten, die hoffentlich irgendwo dort auch gesund überwintert hat.
Kröten brauchen Schlupfwinkel an Land, sonst fallen sie Katzen, Krähen oder Elstern zum Opfer oder trocknen bei Hitze aus.
Wer jetzt überlegt, was er im Garten alles so anfangen möchte, könnte mit Blumentöpfen, Dachziegeln oder Steinen in schattigen Bereichen leicht ein „Krötenhotel“ anlegen, und – wer hat – bei seinem Teich gucken, ob sich ein amphibienfreunlicher Bereich freimachen lässt.

Und man sollte auch nach gefährlichen Fallen suchen, Treppen, Fensterschächte oder andere Löcher sichern, damit die herumwandernden Kröten nicht hilflos darin verenden, denn klettern können sie nicht, und auch nicht Treppen steigen.
Bei uns sind die Froschlurche – ob froschig oder krötig – wegen der niedrigen Temperaturen bisher noch nicht unterwegs, aber ab Ende März sind sie zu erwarten, und das ist schnell heran!

21 Gedanken zu “Projekt ABC: F wie Froschlurche

  1. Den gesprenkelten Frosch finde ich witzig. Ich habe über den Winter zwei Handbücher über europäische Amphibien gesehen, aber sowas ist mir nicht untergekommen. Und Tippfehler habe ich auch abzugeben: ineinendrer ist gut, Qualquappenzeit noch besser, klingt beabsichtigt. Müsste man mal einen Froschlurch fragen, ob er eine schwere Kindheit hatte.

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    • Ich bessere gerade meine Fehler nach. Komisch, dass man die immer erst nach dem Loslassen des Beitrags bemerkt.
      Der Frosch hat mich schon Stunden der Recherche gekostet. Auch heute habe ich sicherheitshalber nochmal gesucht, denn das Informationsmaterial im Web wächst ja erfreulicherweise auch, und nicht nur der Unfug.
      Aber den mit den Qualquappen dürtfe ich eigentlich nicht verbessern, weil dein Kommentar so witzig ist 😁

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          • Übrigens: Falls du dem Tierchen noch einmal begegnest, versuch mal ein Foto von vorn, wo man die Augen sieht. Ist nicht so leicht, ich weiß (ich habe bei weitem nicht so viele Arten in meinem Fotoarchiv wie du in deinem Beitrag), aber die Pupillenform kann helfen. Herzförmig wäre beispielsweise ganz klar eine Unke, aber ich denke, das weißt du. Vom Verbreitungsgebiet her könnte sich eine auffällig hell gefärbte Rotbauchunke noch ausgehen, oder?

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  2. Das weckt Kindheitserinnerungen. Am Rand unseres Dorfes gab es einen Wassergraben, da war ich immer zu finden. Blutegel und Kaulquappen faszinierten mich. Die angrenzende Wiese war hochgewachsen und dort blühten die schönsten Wildblumen. Frösche gab es massenweise und für „Studienzwecke“ nahm ich ein Glas Wasser und Kaulquappen mit. Interessante Entwicklung der Quappen, die ich sonst nur auf Bildern sah. Kröten sollte man angeblich nicht anfassen, das tat ich aber dennoch.
    Bei uns gibt es jetzt überall Krötenschutzzäune. Jeweils gegen Abend werden die Kröten eingesammelt und auf die andere Straßenseite getragen.

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    • Ja, solche Kaulquappengläser kenne ich auch, bis mir mal auffiel, dass die armen Dinger sich vor Hunger gegenseitig gefressen haben.
      Die bei uns heimischen Kröten sind für Menschen harmlos anzufassen, nur Händewaschen sollte man nicht vergessen. Die Schleimhäute und Augen könnten sonst bei Berührung gereizt werden. – Bei euch ist es wohl schon weiter.

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  3. Eine ganz tolle Sammlung von Fröschen und so ein hübscher wie der erste hier im Bild besuchte uns lange Zeit im Garten. War immer ziemlich laut zu hören und umso erstaunter war ich dann, als dieses hübsche kleine Kerlchen dann an meinen Blumentöpfen hing. 😀
    Liebe Grüße von Hanne

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  4. Was für eine schöne bunte Vielfalt und der mit den Punkten ist ja megahübsch! Oje, schlechte Zeiten für Frösche. Ja, leider habe ich es bei einem Treppenschacht zu einem Keller mal erlebt, daß dort eine Kröte verendet ist. Armes Ding. Worauf man aber auch überall achten muß. Das sie durch dein Haus wollten, finde ich witzig. Auch sie wissen offenbar Abkürzungen zu schätzen 😉

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