Ich, mit „Kuli-Hut“ – zur Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21

Dies ist meine 2. ABC-Etüde zur > Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21, bei der es die 3 Begriffe der aktuellen Wortspende von Ludwig Zeidler und Christiane, nämlich: Sonnenhut + haltlos + massieren in max. 300 Wörtern zu verpacken gilt, wobei man gemäss der Etüden-Regeln weder einleitende Worte, Erklärungen noch die Überschrift mitzuzählen braucht. Weil ich heute etwas sentimental bin, gibt es einen kleinen Blick in das alte Familienalbum:

Ich - mit 'Kuli-Hut', ca. 1962Ich, mit „Kuli-Hut“

Weil ich heute früh im rauhreifweissen Garten das Eis von den Vogeltränken entfernen musste, fiel mir die Themenwahl leicht: Kindheitserinnerungen, garniert mit einem alten, sommerlichen Foto aus dem Familienalbum, aufgenommen im Garten meiner Grossmutter, von mir mit ihrem „Kuli-Hut“.
So nannte man Ende der 50er oder 60er Jahre modische Hüte im Stil traditioneller, kegelförmiger Stroh- und Bambushüte aus Asien.

Kurz nach 1900 geboren, mochte meine Grossmutter zwar die Sommersonne wegen ihrer Heiterkeit, aber scheute unfeine Sonnenbräune. Zu Pfingsten holte sie ihren Sonnenhut aus der Schachtel unter dem Bett hervor, Ende August packte sie ihn wieder fort.
In jenen Jahren war es eben dieser Kuli-Hut, und unerklärlicher Weise hielt er auf ihrer Frisur, wie ich auf anderen Fotos sehen konnte, während er bei mir haltlos auf dem Haar umherrutschte, so dass ich ihn an der Krempe festhalten musste. Dieser Sonnenhut hatte auch dabeizusein, fuhren wir mit Bademänteln, Luftmatratze und Nudelsalat im Auto die wenigen Kilometer zum Ostseestrand, um den Tag dort zu verbringen.

Eigentlich liebte ich das sehr, nur nicht in Marienkäferjahren, wenn sich in der Lübecker Bucht Unmengen der roten Käfer mit den schwarzen Punkten am Strand oder im Wasser massierten, von den Wellen zu einer dichten Schicht zusammengetrieben. Von den niedlichen Bilderbuchtierchen in Ermangelung geeigneterer Nahrung gebissen zu werden fand ich überraschend, schmerzhaft und enttäuschend.
Ausserdem zog alles Gelbe die Käfer an; wahrscheinlich konnte die Farbe deshalb lange Zeit nicht eine meiner Lieblingsfarben werden, wobei ich ein leuchtendes Goldgelb mittlerweile doch ganz hübsch finde.

Inzwischen würde auch ich sehr gerne Sonnenhüte tragen, bewahre sogar drei in verschiedenen Formen im Schrank auf, wenn auch kein Kuli-Hut dabei ist. Die grosse Frage ist doch: Wann? – Sicherlich nicht bei den gegenwärtigen +8°C unter grauen Regenwolken und kaltem Wind, der mich ohne Zögern nach Winterjacke und winddicht gefütterter Mütze greifen lässt. Ich warte!

300 Wörter

26 Gedanken zu “Ich, mit „Kuli-Hut“ – zur Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21

    • Das ist fein, so soll das! 🙂
      Ja, das gab es schon damals und kommt auch jetzt immer wieder an Ostseestränden vor. Jüngere Menschen (hach!) beargwöhnen es als Zeichen des Klimawandels, damit hat es aber nichts zu tun. Wenn man im Web „Marienkäfer + Ostsee“ sucht, wird man schnell fündig, dass es auch in den 2000er-Jahren mehrfach dazu kam, der Artikel vom NABU zu einem Massenauftreten im April 2009 bei Grömitz ist etwas länger, aber lohnt sich. 2013 (ein Focus-Artikel) gab es wieder so etwas und vermutlich auch noch öfters.

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    • Es muss auch bei dem Hut eine Kordel mit Verstellperle gegeben haben, erinnere ich mich vage, aber vermutlich hat das damals bei mir nicht ausreichend gehalten.
      Der Bambusblatthut, den ich im Kommentar an den Kormoran erwähnte, hatte nichts dergleichen dran, aber ich kann es mir auch nicht ohne Band als haltbar vorstellen.

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