Überraschung! – zur Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART

Meine 3. Etüde zu den drei Aufgaben-Wörtern von Christianes > Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART, gestiftet von Doro (DORO|ART).
Pfanne + glücklich + trennen, sind zu verwenden in einem Text mit maximal 300 Wörtern, ohne Überschrift, erklärende Einleitung oder warnende Erklärungen mitzuzählen.

2021-04-18 ABC-Etüden Pfanne + glücklich + trennen Christiane_Bildgestaltung 2021_1617_1_300

Überraschung!

Ihr zehnter Hochzeitstag am Wochenende würde besonders werden, ahnte Marie. Seit Wochen tat ihr Mann Kai geheimnisvoll, aber nicht so verstohlen, wie vor einigen Jahren, bevor er im Schlafzimmer immer „was Neues ausprobieren“ wollte, bis sie ihm anbot, er könne sich auch von ihr trennen.
Diesmal fragte er sie aus, als plane er eine Urlaubsreise.

Am Jahrestag fand Marie neben Champagnerglas und Rosen auch ein Päckchen neben ihrem Frühstücksteller: flach, rechteckig und weich wie eine Packung Strumpfhosen, darin in Seidentuch und eine schlichte Karte mit den Worten: „Das ist erst der Anfang!“
Etwas enttäuscht hielt Marie ihr Champagnerglas ihrem Mann zum Anstossen entgegen: „Auf die nächsten Jahrzehnte!“
„Das war noch nicht alles,“ verhiess Kai gutgelaunt. „Welches Brötchen soll ich dir aufschneiden?“

Nach dem Frühstück erbot er sich, alles wegzuräumen, während Marie eine Übernachtungstasche packte.
„Wir fahren weg!“ rief er aus der Küche ihrer gemütlichen, kleinen Wohnung.
Hatte Kai ein entspanntes Wochenende organisiert? Erfreut liess sich Marie nach dem Einsteigen ins Auto die Augen mit dem Tuch verbinden, nachdem Kai versprach, es sei nicht für lange: „Es soll eine richtig grosse Überaschung werden.“

Schnell gewöhnte Marie sich an ihre Lage und träumte und plauderte bald von ihrem mutmasslichen Ziel: „Ein Whirlpool und ein Kamin wären schön, und Grün ringsum …“ – Kai versprach ihr mit einem Lächeln in der Stimme: „Das sollst du bekommen. Du wirst dort glücklich sein!“

Bei der Ankunft half er seiner Frau zuerst fürsorglich aus dem Fahrzeug und führte sie dann einige Schritte, bevor er das Seidentuch entknotete und fallen liess, damit Marie ihre Überraschung sehen konnte.
„Das ist nicht dein Ernst!“ rief Marie und brach in Tränen aus. „Das ist ein verdammtes Schnäppchenhaus!“
„Die fehlenden Dachziegel lassen sich leicht beschaffen, hat man mir versichert“ entgegnete Kai schwach. „Eine ganz geläufige Form ist das, heisst: ‚Harzer Pfanne‘.“

(300 Wörter)

 

18 Gedanken zu “Überraschung! – zur Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART

  1. Dieses Mal musste ich sowohl die Schnäppchenhäuser als auch die Harzer (Dach)Pfanne nachschlagen. Danke für die Versicherung, dass bislang noch alle Beteiligten wohlauf sind 😁👍
    Nachmittagskaffeegrüße 😁🌞🌼☕🥨👍

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    • Meine Idee ist, dass Kai „als Geschenk“ ein marodes Haus gekauft hat, um es umzubauen.
      In Deutschland gibt es so eine Art bauliches Genre „Schnäppchenhaus“ ganz besonders seit der Wende, wo viele marode Häuser im deutschen Osten oftmals für ’n Appel und ’n Ei zu erwerben sind,.
      Dazu gibt es auch eine Fernsehserie, irgendwo im Bereich zwischen Dokumentation und Reality TV angesiedelt, wo sich mancher Käufer wahrscheinlich versucht, die Renovierungskosten mit der Teilnahme mit zu finanzieren.
      Schimmel, undichte Dächer, verfaulte Balken … Die Hoffnung auf ein gemütliches Eigenheim ist dabei sehr oft grösser als eine realistische Einschätzung der späteren Kosten. Das spielt hier in meine Geschichte hinein.

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    • So sehe ich das auch. Vor allem kenne ich genug Frauen, die sich dem Wunsch ihres Mannes gebeugt haben, am Haus möglichst viel selbst zu machen, ob beim Wiederbewohnbarmachen eines alten oder nach dem Rohbau eines neuen Hauses – wer in seiner Familie keine Handwerker aus möglichst vielen Gewerken nah um sich herum wohnen hat, ist verloren.

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  2. Den Traum von Romantik im renovierten Fachwerkhaus oder das ländliche Leben in einer alten Hofreite haben hier in Hessen Viele mit dem finanziellen Ruin oder lebenslanger Arbeit und ewiger Baustelle bezahlt, zumal oft genug die „Untere Denkmalschutzbehörde“ die Buden auch noch unter Denkmalschutz gestellt hat.

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    • Das kommt dann noch obendrauf, wenn jemand nicht ahnt, wieviel Einfluss der Denkmalschutz auf das Baugeschehen haben kann, in praktischer und in finanzieller Hinsicht. Mir schwebte genau so eine „Ewigkeitsbaustelle“ mit jahre- un d jahrzehntelanger Eigenleistung vor. Danke, Werner!

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