Zweite Kürbis ABC-Etüde zur Schreibeinladung für die Textwochen 44.45.21 | Wortspende vom ‚Wortverdreher‘

2021-11-01 ABC-Etüden TW 44-45-2021 Kürbis_kitzlig_krakeln Bildgestaltung Christiane (Irgendwasistimmer) II

Dies ist meine 2. ABC-Etüde zu Christianes jüngster > Schreibeinladung für die Textwochen 44.45.21 mit einer Wortspende von Christian, dem ‚Wortverdreher‘, die lautet: Kürbis + kitzlig + krakeln.
Die erste Etüde zum Thema „Kürbis“ habe ich als > Eine Melange aus Zimmerreise mit W wie Weintrinken und ABC-Etüde mit Kürbis vermischt auf meinem anderen Blog veröffentlicht, wobei es mehr ums Trinken als ums Essen ging.
Meine zweite widmet sich nun tatsächlich dem Kürbis, wobei sich die 3 gegebenen Begriffe in maximal 300 Wörtern einfügen, wobei weder Inhaltshinweise noch Überschrift zum Text zählen.

Kürbiszeit

Wenn überall Kürbisse zum Kauf angeboten werden, hole ich gern das alte schwarze Schulheft hervor, in dem meine Grossmutter und Mutter vor inzwischen achzig Jahren handschriftlich Kochrezepte festgehalten haben.
Damals schrieben beide Frauen noch Sütterlin, die sogenannte „Deutsche Schrift“, die mit ihren gerade Linien so ungefällig zackig wirkt und im 21. Jahrhundert von vielen leider nicht mehr oder nur mühsam entziffert werden kann.
Dabei haben sie keineswegs unordentlich gekrakelt, es wirkt nur heutzutage wie Geheimschrift. Ohne ständige Übung braucht es etwas Zeit, um im Heft die Seite mit dem Hefenapfkuchen mit Kürbis zu finden, selbst wenn man irgendwann mal gelernt hat, Sütterlin zu lesen.

2011-09-30 Kürbiskuchen 001

Eine Übersetzung? – Bitte sehr:
Hefenapfkuchen mit Kürbis
Zutaten (4 Personen):
375 g gesiebtes Mehl, 15 g Hefe, 80 g Zucker, 1 Teelöffel Salz, 250 g Kürbis, 30 g Fett, 1/8 l entrahmte Frischmilch
Zubereitung:
die Hefe wird in lauwarmer Milch aufgelöst, mit 20 g Zucker, Salz und etwas Mehl zu einem Vorteig gerührt und in die Mitte des Mehles gegeben; wenn das Hefestück 15 Minuten gegangen ist, verrühren wir es mit dem übrigen Mehl, geben den roh geriebenen Kürbis dazu, ebenso das Fett und die übrigen Zutaten, und schlagen den Teig, bis er sich von der Schüssel löst. Nach nochmaligem, gründlichen Aufgehen backen wir ihn etwa eine Stunde.“

Beim Abwiegen des Mehls muss ich meistens mehrfach niesen, ich bin einfach zu kitzlig in der Nase. Dafür liebe ich den Duft von Teig mit frischer Hefe. – Was nicht im Rezept steht: Vor dem Anschalten des Backofens den Teig in der Form noch einmal gehen lassen. Als Backtemperatur nehme ich 180°C Umluft für 45 Minuten, danach nur noch 150°C.
Man kann jede Speisekürbissorte verwenden, auf meinem Foto ist es ein Hokkaido. Der goldgelbe Kürbiskuchen ist weich, nicht zu süss und passt zu Kaffee wie zu Weisswein.

(300 Wörter)

13 Gedanken zu “Zweite Kürbis ABC-Etüde zur Schreibeinladung für die Textwochen 44.45.21 | Wortspende vom ‚Wortverdreher‘

  1. Frischmilch! Ich will nicht backen, aber ich habe trotzdem versucht, ob ich dein Rezept lesen und verstehen kann. Manches kann ich lesen, manches erraten, wenn man ungefähr weiß, in welche Richtung man denken muss. Aber ich hatte auch bei dem „Hefestück“ Schwierigkeiten.
    Meine Mutter kannte übrigens Kürbis zum Backen nicht, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, als Kind Kürbis gegessen zu haben. Aber vielleicht mochte sie ihn auch nur nicht 🤔😉
    Danke dir für die Anregung, sowohl zum Backen als auch zur Vertiefung meiner Sütterlinkenntnisse 😁
    Abendgrüße 😁🎃🍷🍪👍

    Gefällt 3 Personen

    • Danke, Christiane!
      Die früher üblichen, orangefarbenen und hartschaligen, grossen Kürbisse zu verarbeiten, haben sich viele Frauen eher nicht so gern ausgesucht, wenn ihnen keiner beim Zerlegen geholfen hat. Und dann waren immer weitere Kilos der Kawenzmänner zu verarbeiten. Allzu oft hat meine Mutter das auch nicht gemacht, und dann gab es einmal im Jahr mehrere Weckgläser „Kürbis süss-sauer“ und nur einen Kuchen.

      Gefällt 2 Personen

  2. Meine Oma konnte noch Sütterlin. Und meine Freundin hat mir mal erzählt, ihr Freund hätte ihr einen Brief in Sütterlin geschrieben – eine Kollegin, die neugierig hineingelunst hat, muss wohl einen ordentlichen Flusch gezogen haben, weil sie die Schrift nicht entziffern konnte.

    Gefällt 1 Person

    • Wenn man ein wenig übt, macht es schliesslich Spass, so zu schreiben und dann sucht man sich natürlich auch Gründe dafür 🙂
      Als ich in der zweiten oder dritten Grundschulklasse war, gehörte bei uns Sütterlin zum Lehrstoff, damit wir lesen lernen konnten, was die ländliche Grosselterngeneration schrieb, wenn sie schrieb.

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        • Ja, den hatte ich auch, den Font. Damals habe ich mich eine Zeitlang intensiver mit der Familiengeschichte beschäftigt, und es war praktisch, bei Korrespondenz solche Passagen von einem handschriftlichen Dokument abtippen zu können, statt sie als Bilder einzufügen.
          Aber das motorisches Erlebnis des Selbstschreibens ist wieder speziell anders, wirkt, wie sich zu verkleiden 🙂

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