Unbewusste Erinnerungen – zur Schreibeinladung für die Textwochen 44.45.21 | Wortspende vom ‚Wortverdreher‘

2021-11-01 ABC-Etüden TW 44-45-2021 Kürbis_kitzlig_krakeln Bildgestaltung Christiane (Irgendwasistimmer)Das regnerische Novemberwetter ist heute eher zum Schreiben als zum Fotografieren geeignet, darum ist dies meine 3. ABC-Etüde zu Christianes jüngster > Schreibeinladung für die Textwochen 44.45.21, zu dem es eine Wortspende von Christian, dem ‚Wortverdreher‘ gibt, die lautet:
Kürbis + kitzlig + krakeln.
Die 3 Begriffe sind nach den Etüden-Regeln in maximal 300 Wörtern zu verwenden, wobei weder Inhaltshinweise noch Überschrift zum Text zählen.
Auch heute gibt es als Etüde keine „richtige Geschichte“, sondern ich will nur von seltsamen Sachen erzählen, die sich manchmal im Kopf abspielen:

Unbewusste Erinnerungen

Es gibt Tage, an denen begleitet mich das vage Gefühl, ich sollte mich an etwas erinnern. Dann fühle ich mich wie kitzlig im Gehirn, und während ich mich mit anderen Dingen beschäftige, begleiten mich Erscheinungen von angedeuteten Bildern oder Wortfetzen, die schneller wieder verschwunden sind, als ich sie mir zur genaueren Überlegung vornehmen, sie verfolgen und ihnen auf den Grund gehen könnte.

So war das auch gestern. Während ich meine zweite Etüde über das Verarbeiten von Kürbis zu Kuchen verfasste, schien mir eine unbewusste Erinnerung wie ein Vogel auf der Schulter sitzen, der zwar jedesmal davonflatterte, wenn ich ihn ansehen wollte, aber auch gleich wieder dort landete, sobald ich mich anderen Dingen zuwandte.

Oder es ist wie eine allzu flüchtig gekrakelte Adresse, wegen der man sich bei der Telefonnummer verwählt und nicht weiss, welche der Ziffern verkehrt ist …
Doch, das gibt es: z.B. rief mich dieses Jahr wiederholt eine Zahnarztpraxis aus Saarbrücken an, weil meine Nummer die eines ihrer Patienten sein sollte , dabei habe ich meine Handynummer seit elf Jahren.

Erlebe ich schliesslich doch einen zündenden Geistesblitz, stellt sich der Grund oft genug als uralter Ballast heraus, wie der Geburtstag eines vergessen geglaubten, jahrzehnteweit zurückliegenden und unwichtig gewordenen Techtelmechtels … dabei sind mir Jahrestage, Hochzeitstage, Geburts- oder Todestage unter 365 Tagen entweder zuwenig Zuwendung oder unwichtig. Verrückt, dass mein Unterbewusstsein darin wohl anderer Ansicht ist.

2012-10-31 A7x HalloweenMoonDas mit dem Fraktalprogramm „Apophysis“ erstellte Bild ist auch bereits neun Jahre alt und wurde ursprünglich von mir in einem anderen Kontext verwendet, aber hier passt es gerade gut, um meine Gefühle zu illustrieren.

Eigentlich will ich mich auch gar nicht über diese seltsamen, aus dem Unterbewussten auftauchenden Erinnerungen beschweren. Letztendlich sind sie unterhaltsam und ist es nicht schön, wenn man sein eigenes Leben sogar in der Rückschau noch überraschend finden kann?

(300 Wörter)

7 Gedanken zu “Unbewusste Erinnerungen – zur Schreibeinladung für die Textwochen 44.45.21 | Wortspende vom ‚Wortverdreher‘

  1. Das kenne ich auch. Allerdings glaube ich dann immer, dass es sich um die ersten Anzeichen von Alzheimer handelt 😦 Apophysis? fantastisch, sehe ich da einen Schwan ? Das lockt mich sehr. Und der Gedanke, das eigene Leben in der Rückschau noch überraschend zu finden, gefällt mir auch sehr. Ein Beitrag, an dem mich gleich drei Dinge interessieren !

    Gefällt 1 Person

    • Solange neben den Erinnerungen an jahrzehntealtes Gerümpel auch die jüngeren Ereignisse noch nicht durch das Sieb fallen, bin ich unbesorgt. Ich merke nur immer den Gegensatz zu meinem Mann, der sich über meine „unendlichen Vorräte“ an Retrospektiven mit Verwunderung amüsiert.
      Bestimmt siehst du einen Schwan, den erkenne ich auch, sieht aus wie eine Illustration aus einem russischen Märchenbuch, das ich mal hatte.
      Das Programm gibt es in verschiedenen Versionen, ich bin begeistert davon

      Gefällt 2 Personen

  2. Dazu kommt aber auch, dass dies gerade ganz stark die Zeit im Jahr ist, in der „die Schleier dünner sind“, wie das so schön heißt. Also speziell die Zeit zwischen Halloween/Samhain und dem Neumond im Skorpion (heute) lädt zum Rückzug und zum Nach-Innen-Horchen ein, verbunden mit der Vorliebe des Skorpions für Tiefergehendes, was sich aber ebenfalls auch in Zerwürfnissen ausdrücken kann … oftmals eine radikale Zeit.
    Mag deine Etüde mit ihrem Herumgegründel … es muss nicht immer alles klar und definiert sein.
    Mittagskaffeeregengrüße 😁🌧️☕🍪👍

    Gefällt 2 Personen

    • Das stimmt, im November kommen allgemein mehr schwermütige Geschichten hervor als zu anderen Zeiten. Das Wort „radikal“ trägt die Wurzel in sich und das Tiefergehen kann vieles bewirken. Vielen Dank, Christiane, für den anregenden Kommentar!

      Gefällt 1 Person

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