Frühlingsgefühle – ABC-Etüde zur Schreibeinladung TW 12.13.22

2022-03-20 ABC-Etüden TW 12.13.2022, Wortsp. v. Maren, Birken + blumig + entgiften (Bildgestaltung: Christiane)Zu Christianes > Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.22 habe ich eine sonntägliche und hoffentlich erheiternde ABC-Etüde beizusteuern. Die Wortspende für die Textwochen 12/13 des Jahres 2022 stammt von Maren mit ihrem Blog ‚Ich lache mich gesund‘ und sie lautet:

Birke, blumig, entgiften

Wie immer für die ABC-Etüden lauten die Regeln, dass die 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern verwendet werdden sollen, wobei eventuelle Inhaltshinweise sowie die Überschrift nicht zum Text gezählt werden müssen.

Frühlingsgefühle

Gabi riss an diesem sonnig-kalten Sonntagmorgen die Fenster weit auf. Obwohl sonst eine Frostbeule, turnte sie nun im Jogginganzug auf dem Wohnzimmerteppich herum. Dabei trug sie ein Stirnband wie bei ihrem Kennenlernen in den frühen 80ern.

„Jeder Hirnbrand braucht ein Stirnband“, brachte Wilfried den alten Witz, doch Gabi warf ihm einen verachtungsvollen Blick zu, pustete: „Das musste ja kommen. Würde Dir auch nicht schaden!“ und hampelte weiter in ihrem nagelneuen Jogginganzug, einige Nummern grösser, aber bonbonrosa wie damals, als sie noch schlank und biegsam war wie eine junge Birke.

Er hätte am Freitagmittag nicht den Vergleich mit den Hüften einer Tanne bringen dürfen, seitdem war Gabi komisch und das gemütliche Wochenende versaut.
Sie brütete eine Stunde über ihrem Laptop, beschloss die Sitzung mit einem „Ha!“, und am Samstag kamen bereits ominöse Pakete und Päckchen ins Haus.

Den Inhalt verteilte Gabi über die ganze Wohnung: eine neue Digital-Waage kam ins Bad, auf der Gymmnastikmatte übte sie gerade im Wohnzimmer, in der Küche warteten Schachteln und Tüten auf einen Platz und im Schlafzimmer hatte Gabi einen sogenannten Stepper aufgestellt, ausgerechnet vor dem Fernseher.
„Kannst du auch benutzen,“ sagte sie, klappste dabei vielsagend auf Wilfrieds Bierplautze und kam mit einem betonten „Ein Mann ohne Bauch ist kein Krüppel!“ seinem Lieblingsspruch zuvor.

Langsam dämmerte Wilfried: er würde sich blumige Komplimente überlegen müssen, um die Situation zu entschärfen, vor allem, falls Gabi wirklich die von ihr georderten Ratgebern in der Küche anwenden würde. Wie die schon hiessen!
„Ja zum Frühling, ja zur Gesundheit!“ ging ja noch, aber der Titel „Entschlacken und entgiften Sie ihren Körper mit Gemüsesäften“ wirkte bedrohlich auf Wilfried.

„Ich fahre Brötchen holen,“ sagte er betont freundlich und klimperte mit dem Autoschlüssel.
„Schwarzbrot, bitte,“ rief Gabi. „Ab heute essen wir gesund!“
„Okay,“ antwortete Wilfried und freute sich auf sein Frühstück beim Mäckes.

(300 Wörter)

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25 Gedanken zu “Frühlingsgefühle – ABC-Etüde zur Schreibeinladung TW 12.13.22

  1. Frühlingsgefühle habe ich mir anders vorgestellt … . Weder bonbonrosa, noch mit Stepper und Fernseher im Schlafzimmer … . Ob Schwarzbrot wirklich ein Genuss ist? Die Säfte hingegen wirken auf mich weniger bedrohlich … .

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    • Ja, das will ich wohl glauben. 😄
      Aber zu den Frühlingsgefühlen gehört eben auch, zumindest bei vielen Frauen dasjenige, dass der Winterspeck wegmuss und eine Aufhübschung an sich selbst und der Wohnung auch gut wäre.
      Als Frau hat man zu gesundem Leben wohl oft einen anderen Zugang. Schwarzbrot finde ich oft ziemlich lecker, wenn auch nicht jedes.

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  2. Ich fürchte ja, es gibt solche und solche Frühlingsgefühle 😉
    Den mit dem Stirnband kannte ich tatsächlich nicht (mehr?), und Schwarzbrot würde ich an ihrer Stelle selbst kaufen, die Unterschiede sind groß – nur der Mann, das könnte ein Problem werden, wenn er nach ein paar Wochen findet, dass sie jetzt langsam wieder „normal“ werden könnte … ach ja. Gemüsesäfte können dagegen auch lecker sein, zumindest leckerer, als er denkt 😉
    Amüsierte bonbonrosa Nachmittagskaffeegrüße 😁🌤️🌼☕🍪👍

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    • Ja, die Erotik ist hier zugunsten der Aerobic auf der Strecke geblieben. Aus deren Frühzeit (Jane Fonda und so) stammt auch der lästerliche Spruch. Wilfried hat damals bestimmt Vokuhila mit Dauerwelle und Muskelshirt getragen.
      Stimmt, mit dem Schwarzbrot ist das so eine Sache, da können die Geschmäcker weit auseinandergehen. Mein Mann liebt den Geschmack von Pumpernickel, ich mag den nicht so.
      Das mit dem Zeitraum, nachdem sich der „Anfall“ gelegt haben sollte, ist eine gute, realistische Beobachtung. 😀

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  3. …klappste dabei vielsagend auf Wilfrieds Bierplautze…hab laut gelacht 😂 So selbstgemachte Säfte sind nicht übel, kann man das ganze Jahr trinken und falls Gabi wieder zur Tannenfigur kommt, dann könnte Wilfried in Schwierigkeiten kommen. 😀

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    • Ha, endlich auch mal eine Stimme aus dieser Richtung. Danke, Katharina!
      Ich bin allenfalls gelegentlich für Karottensaft und Rote Beete-Saft zu haben und bestimmt nicht, weil ich sie als Getränk unwiderstehlich finde, sondern weil es der Gesundheit dient. Und ich kenne keinen einzigen Mann über fünfzig, der selbst aus Gesundheitsgründen dazu zu bewegen wäre. Meiner jedenfalls nicht, der isst Gemüse gegart und lecker gewürzt, Salat auch noch, aber als Saft – niemals freiwillig. Bei den Jüngeren sieht es vielleicht hier und da anders aus.
      Ich ernte zwar Wildkräuter im Garten, die ich unter den befremdeten Blicken meines Mannes verspeise, aber aus den armen Dingern grüne Smoothies zu fertigen, fiele mir im Traum nicht ein.

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        • Tomatensaft ist gruselig. Cranberrysaft ist für mich ok, ich mag es sauer-bitter, auch Grapefruits, aber Säfte trinke ich eh kaum. Ich esse lieber die Früchte und Gemüse und trinke Wasser und Tee.

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  4. Schön, dass sie Ziele hat, aber sie sollte ihn mit guten Argumenten „abholen“ (wie man heute so schön zu sagen pflegt), denn sonst gibt es zu viele Reibungspunkte zwischen ihnen, nicht nur mit seinem dicken Bauch.

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