Blicke über die Wieseninseln

Einige Blicke über die Wieseninseln im Garten – oder was die heissen, trockenen Wochen davon übriggelassen haben:

„Wieseninseln“ nenne ich Stellen im Garten, die beim Rasenmähen ausgespart werden, um Wildpflanzen und Gräser hochwachsen und zu Blüte und Samenbildung kommen zu lassen.
Anders als kürzer gehaltenen Rasenflächen bräuchten die Wieseninseln eigentlich kaum zusätzliches Wasser. Sie hätten normalerweise ihre erste Blühperiode im Mai / Juni gehabt und danach trocken stehen können, aber dieses Jahr war durch die früh einsetzende Hitze und Dürre alles im Keim erstickt, so dass nicht einmal die sonst so widerstandsfähigen Gänseblümchen und Schafgarben durchhalten konnten; zwischen einigen wenigen reifebleichen, ausgesamten Gräsern sah man nichts als dunkelbraunes, traurig Verschrumpftes.

Weil ich den Anblick eines Katastrophengebietes im Garten nicht länger hinnehmen wollte, bin ich Ende Juni mit einer hohen Schnitteinstellung vom Rasenmäher über zwei besonders betroffene Inseln auf der Mittagsseite gefahren, zur Wiederbelebung und Neustart. Nach einigen Tagen liess sich ein grünlicher Schimmer erkennen und schon kam auch Bongo zum Probeliegen in der Morgensonne, zu sehen auf dem ersten Bild in der Galerie vom 30. Juni 2018.
Im Hintergrund sind die bleichen Gräser einer anderen Wieseninsel zu sehen. Die bietet einen gleichmässigeren Anblick, darum bleibt sie auch jetzt noch, wie sie ist, obwohl sich auch dort trotz ausreichend freien Bodens viel zuwenig Nachwuchs an Blütenpflanzen entwickelt hat.

Die Stauden am Rande, wie z.B. die Wegwarten, Wasserdost, Kandelaber-Ehrenpreis und Echtes Labkraut sowie Nachtkerzen ergänzen glücklicherweise die in der Hitze viel zu schnell vergehenden Blüten in den Wieseninseln.

Es gibt noch weitere, nicht auf den Bildern zu findende oder zu erkennende Wild- und Gartenpflanzen, die ebenfalls dazu beitragen, dass letztendlich die Wildbienen, Falter und Hummeln Nahrung finden, aber das Schwächeln der Wildpflanzen auf den Wieseninseln hat mich trotzdem überrascht.
Weil Rainfarn und endlich auch Schafgarben gerade erst am Start sind, und das Johanniskraut anscheinend nur Hummeln bedient, während Malven- und Distelblüten bei der Hitze erstaunlich unergiebig scheinen, die Acker-Witwenblume sich im Streik befindet und Oregano, Kleinblütiger Pippau, Ferkelkraut und Gelb-Skabiosen auch nicht alles können, wartete ich sogar mit dem Entfernen des Jakobsgreiskrautes noch bis zu den ersten Anzeichen des Verblühens.

Immerhin: heute Nacht gab es endlich einmal richtigen Regen, der sogar trockene Ränder und Regenschatten unter Stauden und Sträuchern mit erfasst hat, besser als der Gartenschlauch und ich das könnten. Das wäre ja mal schön, auch auf den Wieseninseln wieder mehr Grünes und Buntes erleben zu können.

Die Fotos sind vom 30. Juni und 1. Juli 2018 im Garten, Lüchow im Wendland, Niedersachsen. Zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder in der Galerie anklicken.

13 Gedanken zu “Blicke über die Wieseninseln

  1. Wahnsinn, wie sich das ausgewirkt hat und wie unterschiedlich das ist. Wir sprachen ja schon mal drüber. Warum kommt die eine Pflanze, die andere nicht. Gerade die Schafgarbe überrascht mich. Der Rainfarn auf der Baumscheibe kommt jetzt, aber meine Schafgarben sind immer noch nicht weiter als 2 cm und kommen sicher auch nicht mehr. Hattest du welche von den Wieseninseln gewässert oder gar nicht? Tja, man weiß nicht, was jede einzelne Pflanze wann braucht. Wir können nur mutmaßen und weiter probieren. Viel Glück mit den Nachzüglern!

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    • Ja, diesen Sommer haben alle Wasser bekommen, weil es einfach so armselig gar nicht geht. Ich gebe dem plötzlichen Wechsel vom nassen Halbjahr zuvor auf extreme Trockenheit die Schuld, denn das hat zuerst die feuchtigkeitsliebenden Pflanzen bevorteilt, die dann vertrocknet sind und diejenigen benachteiligt, die jetzt gefragt wären, aber womöglich schon im hohen Wasserstand von Juli 2017 bis März 2018 kaputtgegangen sind bzw. mitten im Keimen vertrocknet. Es sind ja etliche Einjährige. Meine grosse Tüte Wiesenblumensaat habe ich nach den Eisheiligen völlig umsonst verstreut, die Keimlinge wurden vermutlich schockgetrocknet, bevor ich überhaupt nur auf die Idee gekommen bin, dass sie es dieses Mal nicht allein schaffen.

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      • Das könnte hinkommen. So etwas hatten sie kürzlich aus einer Baumschule berichtet: erst die Nässe und dann die Trockenheit haben die Wurzeln von manchen Baumarten nicht gepackt. Es war ja auch ein krasser Wechsel. Mal sehen, was jetzt kommt….

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        • Es müsste ja auch irgendwen bevorteilen, wie es ist. Mein Eindruck ist eben, dass die Einjährigen bzw. Neusämlinge bisher die Verlierer waren, einige bereits vorhandene Mehrjährigen sind mit Verspätung gekommen, aber manche davon wirken unerwartet malkerig … ich weiss gar nicht, ob es das Wort überhaupt gibt. Vielleicht ist es nur ein Familienausdruck für etwas in Mitleidenschaft gezogen Aussehendes, etwa wie eine zu lange und zu fest in der Hand gehaltene Blume. Im Netz habe ich es beim Gegen-Check nicht gefunden. Aber es passt so gut, ich werfe es also mal ins Netz 🙂

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          • Kenne ich nicht. Ich dachte schon, es wäre was Österreichisches. Mal sehen, ob es sich durchsetzt 😉 Auch manche Mehrjährige haben es nicht geschafft bzw. sind von der Hitzewelle dann wieder gedrosselt worden. Ich hab im Juni noch mal nachgesät. Mal sehen, ob davon noch was kommt. Schön wäre es…

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            • Vielleicht gibt es noch Überraschungen bei den Pflanzen, mit denen keiner rechnet?
              Sprachlich schöpfe ich aus einem Eintopf zusammengewürfelter Dialekt- und anderer Herkünfte, selbst ohne meine eigenen gesammelten Mitbringsel mitzurechnen.

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              • 🙂 Kennst du die Umfrage zum Atlas der deutschen Alltagssprache?
                http://www.atlas-alltagssprache.de/
                Das ist immer seeeehr spannend, welche Ausdrücke wo verwendet werden und dann kommen noch die Ausdrücke dazu, wie du sie beschreibst: regional importierte familieninterne Begriffe usw. 🙂 Finde ich immer wahnsinnig interessant! –
                Mit denen keiner rechnet…hm….ich weiß ja nicht, ob da noch ein Überraschungspaket kommt???

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                • Stimmt, ist spannend. Ich habe mir das gerade angeschaut und festgestellt, dass ich da mit meinem Alltags-Wortschatz gar nicht mitmachen kann, für keinen bestimmten Ort. Zuviel Durcheinander und nicht typisch für „hier“, nicht atlastauglich.

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                • Ich glaub das ist bei vielen nicht ganz ortsrein 😉 Ich hab Einflüsse von Muttern aus dem norddeutschen Raum, von Ausbildungszeiten aus dem süddeutschen Raum…..Könnte auch interessant sein, was sich von wo bei dir festgesetzt hat. Was sagst du denn zu Brötchen 😉 ?

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                • Je nachdem, mit wem ich spreche ist es unterschiedlich: beim Einkaufen sind es ganz eindeutig immer „Brötchen“, zuhause mit dem Mann meistens „Semmeln“, mit den Kindern ist es je nach Ober-Thema verschieden. 🙂
                  Ich weiss ja grösstenteils, welche meiner Elternteile und anderer Kindheits-Menschen welche Worte beigetragen haben und kann insofern einiges zuordnen, aber bei den Generationen zuvor wird es schon schwieriger, weil meine Vorfahrenschaft insgesamt wenig sesshaft war.
                  Zwischen Salzburger Land und Ostpreussen Pommern, Thüringen und Hamburg, Niedersachsen, England, Altmark und dem Rheinland wurde alles Mögliche aufgesammelt und das, noch bevor ich selbst als Kind in den Familien meiner Lieblingsfreundinnen hier in Lüchow und meinen langen baierisch-österreichischen Jahren noch mehr aufgeschnappt habe, und
                  mir darüber hinaus noch (wiederholt) einen Partner gefunden habe, dessen familiärer Hintergrund geographisch und mundartlich ähnlich zusammengeflickt ist. Das muss dann wohl so sein, damit es passt.

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